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Glasmanufaktur öffnet sich zum zehnten Geburtstag

VON Annett Igel-Allzeit
 


Die GMB Tschernitz feiert Erfolge auf dem Solarglasmarkt und überrascht mit Gewächshausglas. Mitarbeiter zeigen Familien ihren Arbeitsplatz.

In der gebeutelten Solarindustrie hat es die zum größten Solarglashersteller in Europa geschafft, sagt Josef Weikinger, Inhaber der Interfloat, zum festlichen Empfang. Die Augen des Liechtensteiners leuchteten: Der Standort in Spree-Neiße mit seinem Sand und seinen Fachkräften, die zum großen Teil von Samsung übernommen wurden, helfe, den Chinesen auf dem Solarglasmarkt Qualität entgegenzuhalten. Die Entscheidung der Antireflexbeschichtung erweise sich als richtig. Auch auf der zweiten Schiene – der Produktion von Gewächshausglas – habe die GMB inzwischen Kunden in ganz Europa. Nach dem "European Solar Prize 2016" konnte sich Weikinger vor drei Monaten über Nachrichten aus Belgien freuen: Ducatt, das flämische Konkurrenzunternehmen, das zu 90 Prozent dem belgischen Staat gehörte, hat Konkurs anmelden müssen. Über Jahre hatte Ducatt seine Produkte durch die staatliche Unterstützung um bis 35 Prozent günstiger anbieten können. Wegen Wettbewerbsverzerrung verklagte die Interfloat den belgischen Staat bereits 2014. Mit der Konkursanmeldung war zwar im Mai ein erster Verhandlungstermin zur Klage geplatzt. Weikinger hofft auf Schadensersatz. Aber wichtig sei erst einmal, dass der Druck auf dem Markt kleiner geworden ist.

Uwe Wehder, Geschäftsführer der GMB, hatte zum zehnten Geburtstag Wegbereiter eingeladen. Sören Reichelt, Kämmerer der Amtsverwaltung Döbern-Land, schaute ebenso vorbei wie der Tschernitzer Bürgermeister Peter Drobig und Rüdiger Hinze von der Wirtschaftsfördergesellschaft CIT Spree-Neiße. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze schenkte Weikinger ein Foto von der Produktionshalle 2007.

Seither hat sich viel verändert. Die neue Schmelz wanne läuft seit Januar 2016 rund um die Uhr. Eine zweite Wanne sei derzeit nicht nötig, so Torsten Schroeter, Technischer Leiter der GMB. "Lieber nutzen wir die Energie für Veredlungslinien." Während am Samstag Mitarbeiter ihren Familien persönlich die Bereiche zeigten, wurden am Sonntag mehr als 1000 Besucher in Gruppen über das Gelände geführt. Torsten Schroeter staunte: "Viele aus der Region wollten sehen, was aus dem Werk geworden ist." Aber auch Urlauber ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen.

285 Mitarbeiter hat das Tschernitzer Unternehmen. Je nach Auftragslage helfen bis zu 80 Leiharbeiter. Zum Geburtstag wurde ein neues Corporate Design der GMB enthüllt. "Mit dem frischen Erscheinungsbild wollen wir uns besser auf dem Markt präsentieren", erklärte Wehder. Zudem ist die GMB innerhalb der Interfloat-Gruppe reif für den eigenen Internetauftritt. "Wichtig wird er auch, weil wir auf die TU Bergakademie Freiberg und auf die BTU Cottbus-Senftenberg zugehen möchten." Denn ob es um Automatisierung und Robotertechnik, um Lichtdurchlässigkeit und -streuung geht – es muss weiter geforscht werden. Ausbilder ist die GMB bereits für Mechatroniker, Industriemechaniker, Elektroniker und Verfahrensmechaniker für Glastechnik.

Zum Thema:
Seit fast zwei Jahrhunderten ist Tschernitz Glasindustriestandort. Im Jahr 1829 war laut Heimat- und Geschichtsverein hier die erste Glashütte errichtet worden. "Tschernitz wuchs mit dieser Industrie", so Bürgermeister Peter Drobig. Und dass es auch nach dem Weggang von Samsung Corning 2007 weiterging, ist dem beherzten Zugreifen der Liechtensteiner Interfloat Corporation zu verdanken. Ihren zehnten Geburtstag feierte die GMB Glasmanufaktur Brandenburg GmbH, Tochter der Interfloat, am Wochenende.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 22.08.2017


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Aktualisierung:
22.08.2017


 

Zehn Millionen Quadratmeter Solarglas rollen im Jahr vom Band der GMB in Tschernitz. Wie das funktioniert, schauten sich Wochenende mehr als 1000 Besucher an.
Foto: A. Igel-Allzeit