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 Neugierig auf Altes in Weißwasser

Von Anja Guhlan


Jede Stadt hat ihre Geschichte, die nur allzu leicht in Vergessenheit gerät. Um die Geschichte wieder lebendig zu machen, erforschen derzeit fünf Jugendliche im Rahmen des „Zeitensprünge“-Projekts zahlreiche Kunstschätze in Weißwasser.

Seit April treffen sie sich immer donnerstags für zwei Stunden mit Manuela Marschner, Sabine Gutjahr und Bernd Frommelt in der Station Junger Techniker und Naturforscher, um an ihrem Projekt „Kunstschätze in Weißwasser“ zu arbeiten. Auch verschiedene Exkursionen zu Künstlern oder Zeitzeugen absolvieren die fünf Jugendlichen. Kürzlich besuchten Sophie Domasch (13), Michelle Scherr (13), Jessica Glaser (14) und Stefanie Voigt (13) mit Erika Wurl den Leiter der Denkmalkommission Günter Segger. Im Gepäck viele Fragen.

Doch zunächst schilderten die Mädchen, was sie bisher geschafft hatten: „Wir waren mehrmals in der Stadt unterwegs und haben Denkmäler gesucht. Wenn wir welche gefunden haben, fotografierten wir sie. Und nun wollen wir die Geschichte und Hintergründe erforschen“, erzählt Jessica Glaser. Erkundet haben sie bereits unter anderem den „Seelöwen“ in der Kindertagesstätte Ulja, die Bronzeplastik „Die Kesse“ und die „Energie- und Gesellschaftsstele“ vor der Weißwasseraner Schwimmhalle.

Von Günter Segger erfahren die Jugendlichen unter anderem, dass der „Seelöwe“ in Krauschwitz hergestellt und mit einem Pferdewagen nach Weißwasser gebracht wurde. Günter Segger erzählt weitere Details: Die Bronzeplastik „Die Kesse“ wurde bereits im Jahr 1960 von der Bildhauererin Dorothea von Philipsborn geschaffen. Und in der zu DDR-Zeiten aufgestellten Energie-Stele haben Mitglieder der Denkmalkommission ein versteckt eingraviertes Friedenszeichen entdeckt, dessen Veröffentlichung zu DDR-Zeiten strikt verboten war. Solche und weitere historischen Randbemerkungen gab Segger den Jugendlichen preis.

Rund drei Stunden fachsimpelten die Jugendlichen mit dem Leiter der Denkmalkommission Günter Segger über die 53 geschützten Objekte, die es in Weißwasser gibt. „Und wir haben gerade mal um die 20 Objekte gefunden“, meint Michelle Scherr.

„Warum gibt es eigentlich so viele Denkmäler in Weißwasser?“, fragt Sophie Domasch Günter Segger. Und er antwortet zügig: „Durch die Glasindustrie, die sich hier im Laufe des 20. Jahrhunderts ansiedelte, ist Weißwasser eine reiche Stadt geworden. Und reiche Leute konnten sich dementsprechend mehr Denkmäler leisten.“

Die Jugendlichen stellten noch weitere ganz spezifische Fragen über die Materialbeschaffenheit der Denkmäler, Technologien mit deren Hilfe die Skulpturen entstanden sind und über historische oder politische Hintergünde.

Momentan haben die Jugendlichen bereits ein Memory-Spiel mit den gefundenen Skulpturen und Statuen gestaltet. Entstehen sollen desweiteren zwei Schautafeln und eine Stadtralley für Grundschüler. In der Ralley sollen jüngere Grundschüler auf spielerische Weise auch die verschiedenen Denkmäler in einer Art Schnitzeljagd kennen lernen.

Ihre Ergebnisse wollen die fünf Zeitenspringer, zu denen auch Sebastian Treise (13) gehört, bei den Dresdener Jugendgeschichtstagen am 17. und 18. November diesen Jahres im Landtag präsentieren. „Dort werden alle Zeitenspringer-Projekte vorgestellt und die Ergebnisse präsentiert“, berichtet Projektleiter Bernd Frommelt von der Station Junger Techniker und Naturforscher. „Bei diesem lokalgeschichtlichen Projekt wollen wir versuchen Jugendliche soweit zu bringen, dass sie sich mehr mit ihrer Heimat identifizieren. Sie sollen selber einmal forschen, wo bin ich eigentlich zu Hause“, erklärt Frommelt weiter.

Und Sophie Domasch resümiert: „Es ist wirklich interessant und beeindruckend, was wir bisher so über Weißwasser erfahren haben.“

Zum Thema:

Zum ThemaDas Jugendprogramm „Zeitensprünge“ fördert seit dem Jahr 2007 Jugendgruppen aus ostdeutschen Bundesländern, die spannende Geschichten aus der Heimatregion erforschen wollen. Gefördert werden von der Stiftung Demokratische Jugend jährlich um die 170 Projekte. Die Station in Weißwasser nimmt in diesem Jahr zum vierten Mal an dem Jugendprogramm teil. In den Vorjahren untersuchten jugendliche Teilnehmer Grubenlöcher in und um Weißwasser, die Sagarer Schanze und die Gelsdorfhütte.

 
Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser  vom 22.09.2011ews290411.htm


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Aktualisierung: 23.09.2011