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Wie Kunst und Technik Schule machen
Ein Begabtenkurs des Landau-Gymnasiums Weißwasser räumt in Dresden ab. Demnächst geht es ins Glasmuseum.

Von Thomas Staudt


Heinz Schade ist ein Ausnahmetalent. Er schleift Glas so einzigartig, dass ihm das kaum einer nachmacht. Gerade achtzig geworden, widmet ihm das Glasmuseum Weißwasser derzeit eine Ausstellung. Im November bekommt er dort Besuch vom Begabtenkurs Kunst des Landau-Gymnasiums Weißwasser. Die Schüler werden mit ihm über Schliff-Design reden und wie es dazu kommt, dass er der nahezu Einzige auf der Welt ist – abgesehen von vier anderen Künstlern – die noch die Kunst des Diatretschliffs beherrschen. Schon die alten Römer kannten die Technik. Der Trick besteht darin, Motive und Ornamente so frei auszuschleifen, das sie sich wie ein Netz vor den Gefäßkörper legen.

Gudrun Feuerriegel ist stolz. Sie ist die Lehrerin des Begabtenkurses. Zusammen haben sie im Landesprogramm LernStadtMuseum einen Förderpreis gewonnen. Sie befinden sich damit in guter Gesellschaft. In Görlitz hat es die Scultetus-Oberschule mit dem Projekt „Museumsscouts“ und dem Schlesischen Museum geschafft, in Dresden das Gymnasium Bürgerwiese für das Projekt „Der neue Mensch - Menschenbilder der Moderne“, angedockt an das Deutsche Hygiene-Museum. Kultusministerin Brunhild Kurth zeichnete insgesamt zehn Schulen aus. Die 25 Schülerinnen und Schüler des Landau-Gymnasiums aus den Klassen 5 bis 11 werden untersuchen, ob Kunsthandwerk heute wirklich noch „goldenen Boden“ besitzt.

Ausgangspunkt der Zusammenarbeit war der Besuch der Finissage zur Ausstellung von Jugendstilgläsern eines privaten Sammlers im September. Die Schüler besichtigten die typischen umsponnenen Glasformen und legten eine Fotodokumentation an. Nun geht es darum, das Gesehene künstlerisch zu verarbeiten. „Ein spannendes Thema, das alle Beteiligten gemeinsam in vielen Projekten bearbeiten wollen“, so Gudrun Feuerriegel. Die Schüler werden sich im Glasschleifen und -bemalen ausprobieren und dabei mit einem Designer zusammenarbeiten. Dabei sollen künstlerische Fantasie und Forscherdrang herausgefordert werden. Für Gudrun Feuerriegel ist es bereits die dritte Teilnahme an dem Wettbewerb, der bereits seit zehn Jahren läuft. Immer hat sie mit ihrem Kurs Erfolg gehabt. „Wir freuen uns auf die gemeinsame Arbeit und sind gespannt, zu welchen Erkenntnissen wir bezüglich des Wettbewerbsthemas kommen werden“ Im März 2016 werden die Ergebnisse im Glasmuseum zu sehen sein.

Elvira Rauch bekommt gute Laune, wenn sie an den Begabtenkurs denkt. Für die Leiterin des Glasmuseums ist es die erste Zusammenarbeit dieser Art. Praktikanten hatte sie bereits vom Gymnasium. Einen Kurs über diese Dauer noch nicht. „Die Schüler sind Engel“, meint Elvira Rauch. Sie seien wirklich interessiert und immer aufmerksam, schwärmt sie. Das ist nicht unbedingt verwunderlich. Die Schüler besuchen den Kurs freiwillig, neben dem Unterricht. Die meisten bleiben dem Kurs treu. Die Zahl der Wechsler ist gering. Nur die Abiturjahrgänge glänzen in aller Regelmäßigkeit mit Abwesenheit. Sie haben, verständlicherweise, andere Sorgen. Elvira Rauch will sich zusätzlich zu den bereits vereinbarten Projekten Zeit nehmen, um den Schülern auch die Glasherstellung näherzubringen und freut sich schon darauf.

Die Teilnehmer des Begabtenkurses hatten Glück. Sie durften nach Oelsnitz im Erzgebirge reisen, zusätzlich zu den 500 Euro, die sie für die Durchführung ihres Projekts erhielten. Im Bergbaumuseum fand an diesem Tag der Sächsische Bildungstag statt, an dem die Schüler an interessanten Projekten teilnahmen und ihr Wissen so ganz anders erweiterten. Im Ausstellungsbereich zur Kohleentstehung etwa fanden sie Motive zur Glasdekoration an Fossilien und nachgebildeten prähistorischen Pflanzen. Wenn sie sich in vier Wochen mit Heinz Schade treffen, werden sie sicher viel zu erzählen haben.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 22.10.2015


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Aktualisierung: 28.10.2015


 

Der Begabtenkurs „Kunst“ des Landau-Gymnasiums im Bergbaumuseum Oelsnitz. Die Reise gab’s zusätzlich zum Gewinn beim Landeswettbewerb LernStadt-Museum.