Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Logenplätze für Neufert und Wagenfeld
Erste Fensterbilder prangen an denkmalgeschütztem Industriebau

VON DANIEL PREIKSCHAT


Der Neufertbau in Weißwasser ist seit Freitag mehr denn je ein Hingucker. Fotos von Architekt Ernst Neufert und Designer Wilhelm Wagenfeld füllen die ersten beiden Fenster aus. Weitere Bilder sollen möglichst bald folgen.

Ernst Neufert scheint die Aussicht zu gefallen. Lächelnd schaut er von seinem Fensterplatz auf die Schmiedestraße herab. Vielleicht freut er sich aber auch nur darüber, dass sein alter Freund aus Weißwasseraner Zeiten schräg über ihm ebenfalls seinen Platz gefunden hat. Gedanken wie diese mögen dem Betrachter durch den Kopf gehen, wenn er auf die beiden Fenster-Porträts schaut, die am Freitag an zwei Fensterrahmen auf der Frontseite des Neufertbaus befestigt worden sind.

Die beiden Fotos wurden so platziert, dass man sie schon von der Kreuzung Schmiedestraße/Muskauer Straße aus sehen kann, erklärt Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext), der die Kosten für die Fertigung des Wagenfeld-Fotos übernommen hat. Geldgeber für das Neufert-Foto war Unternehmer Jan Garreis, dessen Malerei-Fachbetrieb direkt neben dem Neufertbau steht. Garreis war es auch, der vergrößerte Abzüge der Fotos auf Aluminiumplatten auftragen und mit einer schützenden Laminatschicht überziehen ließ. Mit einem Mitarbeiter hat er die Platten in der Größe der Neufertbau-Fenster dann auch angeschraubt.

Die Idee, die Fenster mit Bildern auszufüllen, hatten Pötzsch und Garreis gemeinsam mit Claudia und Steffen Müller von der Kunstschmiede entwickelt. "Das soll heute nur der Anfang sein", sagte Pötzsch. Wenigstens sämtliche Fenster auf der Vorderseite sollen bebildert werden. Für Vorschläge sei man offen, ebenso für Finanzierungshilfen. Pötzsch hofft gar auf eine deutschlandweite Spendenaktion, die am Freitag ihren Anfang genommen haben könnte. Wagenfeld- wie auch Neufertstiftung hätten bereits signalisiert, das Projekt zu unterstützen.

Auch Günter Segger von der Denkmal-Kommission in Weißwasser findet es begrüßenswert. Er sei von der Fensterbilder-Idee gleich begeistert gewesen, als er das erste Mal von ihr gehört hatte. Der denkmalgeschützte Bau, sagt er, werde auf diese Weise nicht beschädigt, komme aber ins Gespräch. Das könnte ihm mehr Akzeptanz bei den Weißwasseranern verschaffen, die ihn bisher nicht sehr wertgeschätzt hätten. Und möglicherweise finde sich durch diese Art Werbung für das Gebäude auch ein Investor. Als ein mögliches weiteres Fenstermotiv könnte sich Segger selbst das Stadtwappen vorstellen.

Holger Schmidt, der diese Woche in Weißwasser eine Planungswerkstatt geleitet hat, gefiel die Idee ebenfalls. Auch die beiden ersten Motive findet der Professor für Raum- und Umweltplanung an der Technischen Universität in Kaiserslautern passend. Schließlich seien Neufert und Wagenfeld prominente Vertreter des Bauhauses, die in Weißwasser bei den Vereinigten Lausitzer Glaswerken (VLG) zusammengearbeitet und hier auch Freundschaft geschlossen hätten. Der eine war künstlerischer Leiter, der andere Hausarchitekt bei der VLG. Ernst Neufert habe das Glaslagerhaus dann im Bauhaus-Stil errichtet. Es gebe bundesweit nur wenige baugeschichtlich so wertvolle Bauhaus-Zeugnisse.

Garreis und Pötzsch sind außerdem weiter bemüht, gemeinsam mit dem Eigentümer das Gebäude instand zu setzen. Den eingeschossigen Verladebereich mit Rampe möchte Jan Garreis sogar selbst erwerben, um ihn als Lager für seine Fahrzeuge und Arbeitsgeräte zu nutzen. Allerdings riet ihm Holger Schmidt davon ab, den Eingeschosser wie beabsichtigt vom Lagerhaus abzutrennen. Beide Gebäudeteile machten zusammen das Denkmal aus. Sie gehörten untrennbar zusammen.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 23.03.2013


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 23.03.2013


 

Fotos: D. Preikschat