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Dunkle Schatten auf Forster Solarmodulen

Von Daniel Preikschat


Seit Oktober verharrt das Beschichtungswerk für Solarmodule der Precision Coating GmbH in Forst (Spree-Neiße) im Rohbau. Eine Firmenpleite und Ermittlungen im Umfeld des Unternehmens werfen einen Schatten auf das Projekt.
Am 8. August 2008 strahlte über Forst die Sonne. Das passte. Karsten Wagner, Geschäftsführer der Precision Coating, der Forster Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP) und Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) legten im Gewerbegebiet den Grundstein für ein 30 Millionen Euro teures Solarglas-Beschichtungswerk. 300 Kilometer rund um Forst, lobte Wagner den Standort, hätten sich 90 Prozent aller deutschen Fotovoltaik-Produktionsstätten angesiedelt. Deshalb sollten hier 60 Mitarbeiter ab Januar 2009 jährlich 2,3 Millionen Quadratmeter spezialbeschichtetes Glas produzieren.

Noch im Monat der Grundsteinlegung jedoch ereignete sich in München weniger Erfreuliches: Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen gegen Karsten Wagner auf. Der Vorwurf: Untreue. Anzeige erstattet hatte die Solartec AG bei München. Dort ist Precision Coating-Geschäftsführer Wagner Aufsichtsrat. In dieser Funktion, so der Vorwurf, habe er Vermögensverschiebungen zugelassen, die am Ende zur Insolvenz der Solartec im Februar dieses Jahres geführt haben.

Solartec AG und Precision Coating GmbH sind nur zwei von einem halben Dutzend Unternehmen der boomenden Solarbranche, die über wechselseitige Beteiligungen zu einem Firmengeflecht verbunden worden sind. Nach Recherchen des Solarstrom-Magazins Photon hat den Konzern ein Mann aufgebaut, der in der Lausitz kein Unbekannter ist und der ebenfalls im Visier der Ermittler steht: Erich Merkle aus Ulm.

Im Juli 1994 hatte Merkle die insolvente Bärenhütte in Weißwasser (Landkreis Görlitz) übernommen. Sein Ziel war es damals, Glasprodukte für gehobene Ansprüche herzustellen. Daneben wollte er eine Schauglashütte für Besucher in „der einzigen Mundglashütte Sachsens“ betreiben. Unrentabel hohe Betriebskosten und eine fehlende Käuferschaft für die Exklusivgläser brachten der hundertjährigen Hütte mit ihren 170 Mitarbeitern im August 1997 jedoch erneut das Aus. Merkle musste Antrag auf Gesamtvollstreckung stellen.

Die Insolvenz der Solartec AG, die Merkle 2002 gegründet hatte und deren Vorstandsvorsitzender er bis Juli 2008 war, ist daher nicht seine erste Firmenpleite. Diesmal allerdings könnte sie für ihn ein juristisches Nachspiel haben. Denn die insolvente Firma hat nicht nur ihren Aufsichtsrat Karsten Wagner angezeigt, sondern auch ihren Ex-Chef Merkle. Wie die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigt, soll Merkle Vermögen der Solartec innerhalb seines Konzerns verschoben haben. Es werde daher auch gegen ihn seit August 2008 wegen Untreue ermittelt.

Gefährden Firmenpleite und Ermittlungen das Forster Projekt? Merkle ist für Nachfragen der RUNDSCHAU nicht erreichbar. Die von ihm selbst gegründeten Firmen haben den geschäftlichen Kontakt zu ihm abgebrochen. Er bekleidet dort keine Ämter mehr.

Karsten Wagner sieht sich zu Unrecht wegen Untreue beschuldigt, ohne dies näher erläutern zu wollen. Das Forster Projekt ist für ihn nicht gefährdet. Wie zuletzt schon im Februar versichert er erneut, dass es nur aufgrund der Finanzkrise und der immer zu Beginn eines Jahres schwachen Nachfrage nach Solaranlagen klemme. Der Gesellschafter der Precision Coating stünde weiter hinter dem Beschichtungswerk in Forst und suche einen oder mehrere Investoren. Sind die gefunden, seien auch leichter Kredite zu bekommen.

Alleiniger Gesellschafter der Precision Coating ist nach dem Aus für die Solartec mit ihren 25 Prozent Beteiligung die Bayerische Solar AG, die ebenfalls zum Merkleschen Firmengeflecht gehört. Auch dieses Unternehmen jedoch ist in den Strudel der Ermittlungen geraten. Wie die Münchner Staatsanwaltschaft bestätigt, werde seit März gegen drei Vorstände der Bayerischen Solar AG ermittelt, weil sie von den Vermögensverschiebungen Merkles profitiert haben sollen. Anzeige erstattet hat auch diesmal die insolvente Solartec AG.

Die Bayerische Solar ist in Forst schon im Dezember 2007 als Gesellschafter eines Investors des Merkle-Konzerns aufgetreten: Damals kündigte die Solar Glas AG an, in der Neißestadt ein Flachglaswerk für die Produktion von Scheiben für Solaranlagen zu bauen. Dabei sollten sogar 60 Millionen Euro investiert werden und 120 Menschen Arbeit finden.

Doch während für das Beschichtungswerk der Precision Coating die Arbeiten zumindest angefangen haben und dabei nach RUNDSCHAU-Informationen bis Oktober etwa acht Millionen Euro verbaut worden sein sollen, steht das Glaswerk der Solar Glas weiter nur auf dem Papier.

In der Forster Stadtverwaltung will sich niemand zu den Aussichten für das Projekt äußern. Bei der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB), die landesweit Ansiedlungen beratend unterstützt, bleibt man optimistisch: „Das Projekt ist in der Findungsphase. Es gibt für uns keinen Grund, an seiner Realisierung zu zweifeln.“

Die Insolvenz der Solartec 2008 war nicht die erste Pleite von Erich Merkle. 1997 musste seine Glashütte in Weißwasser Gesamtvollstreckung anmelden. 

Trübe wie das Hightech-Glas für Fotovoltaikanlagen sollen die Aussichten für das Solarprojekt trotz Solartec-Pleite nicht sein, sagt Geschäftsführer Karsten Wagner.

Quelle: Lausitzer Rundschau  vom 23.05. 2009


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Aktualisierung:
24.05.2009


 

Die Schatten im Rohbau des Solarglas-Beschichtungswerks in Forst tragen Symbolcharakter. Hier ruhen seit Oktober die Arbeiten.
Foto: Gerd Kundisch