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Leuchtende Design-Ikone
Die vor 100 Jahren entwickelten Bauhaus-Lampen sind rar und kostbar. Jetzt werden sie in einer Designschau inszeniert. Ihr Licht gleicht dem von Vollmond.

Von Sabine Komm


 

Sicherheitsvorkehrungen für die berühmte Bauhaus-Leuchte: Das Team des Wilhelm-Wagenfeld-Hauses in Bremen hat die Design-Ikone mit der mundgeblasenen Opalglaskugel und dem zylindrischen Schaft hinter Glas inszeniert. Es handelt sich um das Unikat von 1924, das der junge Bauhaus-Student Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) seinen Eltern geschenkt hatte. Die für das Maschinenzeitalter entworfene Tischleuchte besticht durch geometrische Formen und Licht wie bei Vollmond. Sie war wegen der aufwendigen Handarbeit schon damals für viele unerschwinglich. Anlässlich des 100. Bauhaus-Jubiläums zeigt das Wilhelm-Wagenfeld-Haus ab diesem Freitag bis Ende Oktober die Ausstellung "Wilhelm Wagenfeld: Leuchten". Zu sehen sind - neben Filmen und historischer Werbung - mehr als 70 Leuchten von der Bauhaus-Zeit bis zu Objekten heutiger Designer.

Bauhaus-Idee für die Praxis

"Bei uns gibt es kein Best-of-Bauhaus. Leitgedanke ist vielmehr, wie sich Wagenfeld nach seiner Zeit in der Metallwerkstatt in Weimar weiterentwickelt hat", sagt Museumsdirektorin Julia Bulk. In den 1920er Jahren, der Zeit visionärer Experimente an der Bauhaus-Denkfabrik, sei elektrisches Licht noch etwas Besonderes gewesen: "Es war ein Sinnbild für Fortschritt."

In Bremen zeigen die an schlichten Lochblechwänden installierten Exponate auf zwei Etagen, wie Wagenfeld seine Entwürfe an die Nachkriegsarchitektur anpasste. Für die nur noch 2,40 Meter hohen Räume entwickelte er Wand- und Deckenleuchten, experimentierte mit Pressglas und Kunststoff, benutzte organisch fließende Formen und begeisterte damit Bauhaus-Gründer Walter Gropius, der 1960 über ihn schrieb: "Da ist niemand, der die Grundidee des Bauhauses so wirkungsvoll weiterentwickelt und in die Praxis getragen hat." Wie aktuell Wagenfelds Ideen bis heute sind, zeigt eine Typenreihe von Badezimmerleuchten mit integrierter Steckdose für Lockenstab und Elektrorasierer. Auch heutige Designer kombinieren ihre Leuchten mit Steckdosen, jetzt für die Tablet- und Smartphone-Generation.

Die Bremer Leuchtenmanufaktur Tecnolumen ist eigenen Angaben zufolge weltweit der einzige von Wagenfeld autorisierte Hersteller von Re-Editionen. Seit 1980 wird der Designklassiker hier montiert. Dass im Internet so viele Plagiate herumgeistern, empört Geschäftsführer Carsten Hotzan: "Der illegale Handel hat absolut kriminelle Strukturen." Dagegen juristisch vorzugehen sei wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Originale seien unter anderem am Stempel und der fortlaufenden Nummerierung zu erkennen.

Bis heute ist die geniale Leuchte WG24 von Wilhelm Wagenfeld, der in den 1930er Jahren eine Professur an der Staatlichen Kunstschule in Berlin innehatte und die künstlerische Leitung der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser übernahm, in der Designszene Thema. Lutz Dietzold vom "Rat für Formgebung" spricht von einer Urform der Tischleuchte: "Solche ikonischen Entwürfe funktionieren generationenübergreifend. "

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 23.05.2019


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Aktualisierung:
27.05.2019


 

Die legendäre, halbkugelförmige Lampe WG24, entworfen von dem Industriedesigner Wilhelm Wagenfeld. Die Lampe gibt es mit zwei Füßen: Glas und Metall. Sie kostet um die 400 Euro.
Foto: dpa