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Kohle und Glas – Strukturen einer Landschaft
Ausstellung der Diplom-Formgestalterin Angela Willeke in der Alten Schule Welzow


Von Dr. Arno Neumann


Der Untertitel ist eigentlich der Haupttitel dieser Ausstellung. Mit „Kohle und Glas“ entsprach die ausstellende Künstlerin einem Wunsch des Veranstalters in Welzow. Es sollte einen direkten Bezug zum Ort und dessen Geschichte geben. Und es funktioniert bei dieser kleinen, aber feinen Schau in der Alten Schule Welzow.
 
Besonders bei den Objekten in den Vitrinen, durchweg Assemblagen, geht es um Kohle und Glas. Was an Fotografien an den Wänden hängt, öffnet die Augen für die Strukturen einer Landschaft, die im naturgegebenen Sinne keine mehr ist – Tagebaulandschaft. Das alles hört sich nach dokumentarischem Material an. Das Reale der Materialien, die Wirklichkeit der Landschaft, ist Ausgangspunkt für die Entdeckungen der vielseitigen Künstlerin und Diplom-Formgestalterin Angela Willeke aus Werenzhain. Sie lässt das bloße Abbild der Dinge weit hinter sich und taucht hinein in die Magie der Träume, die sie Bild und Form werden lässt.

Mit der Kamera in der nächtlichen Szenerie eines Tagebaues öffnet sich in absichtlich leicht verrissenen Aufnahmen und den so entstandenen Lichtspuren ein Reich der Träume. Im „Karussell der Träume“ lassen sich Lichtspuren als Gondeln eines Kettenkarussells ausmachen. Gleichermaßen aus Lichtspuren gebildete Formen können als venezianische Gondeln gedeutet werden, wie es Angela Willeke im Titel „Rondo veneziano“ anbietet. Sie kommt damit dem Betrachter entgegen, die Fotografien anzunehmen und mit zu träumen, auch auf die Gefahr hin, sich all zu schnell mit möglichen gegenständlichen Assoziationen zufriedenzugeben und die ästhetischen Überraschungen und Qualitäten der Formen zu übersehen. „Ich denke, das Wichtigste ist, wieder träumen zu können. Träume sind ein Weg in die Zukunft. Man braucht Visionen, um Kraft zu gewinnen. Nur so kann man auf das Zerstörte eine andere Sicht bekommen und das Schöne, das entsteht, wahrnehmen.“

In hervorragenden, farbig wie grafisch subtilen Fotografien lädt sie in weiteren thematischen Bildserien zu visionären Entdeckungen ein wie „Ich höre die Ostsee rauschen“ vor der öden Fläche eines ausgekohlten Tagebaues. Aber auch diese Ödnis mit ihren überraschenden Strukturen ist ein ästhetisches Erlebnis!

Diese Visionen gebiert bei Angela Willeke das Licht. Glas und Kohle sind im Extrem Träger des Lichtes. Glas veredelt und steigert Licht, Kohle verschluckt alles Licht. Die Schwärze lässt die strahlende Helligkeit des im Glas reflektierten Lichtes erst so recht erleben.

Glas und Kohle sind die Materialien für die uneingeschränkt schönen Assemblagen in den Vitrinen. Im schmalen roten Rahmen ist fein gekörnte Kohle ausgebreitet. Darauf liegt eine fantastisch anmutende kantige Kugel, schockgekühltes Glas in kristalliner Struktur, das das Licht vielfach reflektiert, abgegrenzt wie auch vermittelt zur Kohle mit einem rostigen Drahtgeflecht. Eine künstlerisch diffizil ausgewogene Arbeit von formal höchster Konzentration – ein Tor zum Träumen mit dem leicht verwirrenden Titel „Wüstenrose“, Blume einer Wüste, die die Tagebaue hinterließen? „Schwarzes Gold“ gleicht einem Denkmal für die Lausitzer Tagebaulandschaft. „Hände“ assoziieren die Arbeit in diesem Land, die Leben gab und gleichzeitig Lebensraum zerstörte. Diese Glas-Kohle-Assemblagen zeigen die einzigartige künstlerische Kompetenz Angela Willekes im schöpferischen Umgang mit diesen Materialien.

Die im Haus so bürgerfreundlich untergebrachte Schau ist in Welzow am rechten Ort, doch sie mutet nur wie eine Kostprobe an. Erweitert in den Objekten verdient sie es, in größeren Räumen an zentraleren Orten gezeigt zu werden.

Bis 10. Dezember, montags bis freitags 8.30 bis 15.30 in der Alten Schule Welzow, Schulstraße 6.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser,  vom 23.10. 2009


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
25.10.2009


 

Fantasievoll sind die Arbeiten von Angela Willeke wie hier "Engel im Revier"
Angela Willeke
Archivfoto: Arlt