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O-I-Glaswerk Bernsdorf bekommt neue Schmelzwanne
Für mehr als 20 Millionen Euro wird das Bernsdorfer O-I-Glaswerk erneuert. Im zeitigen Frühjahr soll die Produktion wieder anlaufen. Bis dahin ist vor allem am Herzstück viel zu tun.

Von Torsten Richter-Zippack


Sie ist das Herzstück des Bernsdorfer Glasherstellers O-I-Germany: die rund fünf mal zehn Meter großen Schmelzwanne. In der werden Glasscherben sowie diverse Zusatzstoffe bei Temperaturen von bis zu 1550 Grad eingeschmolzen.

Von Montag bis Sonntag rund um die Uhr erfolgt täglich das Einschmelzen von 110 bis 130 Tonnen Glasscherben, sagt der Bernsdorfer Werkleiter Thomas Twarok. Das Ziel: „Aus dem Altmaterial wird neues Glas hergestellt“, erklärt Twarok. Bis zu 230 Tonnen Flüssigglas befinden sich in der Wanne.
Die Schmelzwanne in Bernsdorf wird komplett erneuert

Klar, dass dieser Prozess auch eine Schmelzwanne, die aus feuerfestem Material besteht, stark beansprucht. Aus diesem Grund wird sie derzeit komplett erneuert. Ende November hat bereits das Ablassen des noch vorhandenen flüssigen Glases begonnen, derzeit erfolgt die Komplett-Überholung. Die bislang letzte Gesamterneuerung liegt bereits 23 Jahre zurück, 2010 erfolgte ein Austausch einzelner Bestandteile.

Darüber hinaus wird im Bernsdorfer O-I-Werk auch in die eigentlichen Glasmaschinen investiert. „Wir bekommen eine komplett neue Anlage, die zweite Maschine erfährt eine Rundumerneuerung“, kündigt Thomas Twarok an. Insgesamt werden mehr als 20 Millionen Euro in den Betrieb in der Glasmacherstadt investiert.
Bernsdorfer haben für die Zeit der Sanierung vorgesorgt

Im März soll die Produktion nach einem guten Vierteljahr Stillstand wieder anlaufen. Für die jetzige glasfreie Zeit haben die Bernsdorfer vorgesorgt. „Bei uns wurde vorproduziert“, sagt der Werkleiter. Darüber hinaus springt das O-I-Glaswerk im niedersächsischen Rinteln ein.

Millioneninvestition in Bernsdorf

Die Nachfrage nach Glasflaschen ist indes groß. Mehr als 90 Prozent der in Bernsdorf hergestellten Produkte werden von der Spirituosen-Industrie abgenommen. Zu den bedeutendsten Kunden zählen neben der Firma Jägermeister unter anderem auch Pernod Ricard, Underberg und Fernet Branca.

Pro Tag können in dem Oberlausitzer Betrieb maximal 155 Tonnen Grünglas erzeugt werden. Das entspricht rund 150 Millionen Flaschen im Jahr. Derzeit haben die Bernsdorfer mehr als 60 verschiedene Produkte im Angebot, das von der 48 Gramm schweren 20-Milliliter-Flasche bis zur 1,75-Liter-Flasche, die ein Kilogramm auf die Waage bringt, reicht.

Bessere Arbeitsbedingungen in Bernsdorf

Indes verbessern sich auch die Arbeitsbedingungen für die 98 Mitarbeiter, davon sieben Auszubildende. So wurde der Bereich unter den beiden Glasmaschinen unterkellert. Damit gehört die 40 Zentimeter hohe Vorrichtung, auf welche die Leute bislang steigen mussten, der Vergangenheit an. Die meisten Bernsdorfer O-I-Angestellten wohnen im Umkreis von rund 30 Kilometern um den 80 Meter hohen Schornstein, das Wahrzeichen des Glaswerks. Einen Fachkräftemangel verspüren die Glasmacher derzeit auch. „Wir konnten aber freie Stellen gut nachbesetzen“, erklärt Thomas Twarok.

5. Tag der offenen Unternehmen Riesenandrang in Bernsdorfer Firmen

Der Betrieb arbeitet bereits seit Jahren eng mit der Freien Oberschule in Bernsdorf zusammen. Mehrfach im Jahr können Zehntklässler im Werk den Arbeitern über die Schulter schauen und selbst Hand anlegen. Ausgebildet werden Mechatroniker und Industriemechaniker. Aktuell befinden sich zwei ehemalige Bernsdorfer Oberschüler bei O-I in der Lehre.
Bernsdorfer Glaswerk gibt es seit fast 150 Jahren

2022 wird es das Bernsdorfer Glaswerk bereits seit 150 Jahren geben. Das wird sicherlich groß gefeiert. „Klar kann niemand in die Zukunft schauen“, sagt Werkleiter Twarok. „Aber ich denke, dass wir mit unseren Mitarbeitern und unserer Technik sehr gut aufgestellt sind und weiter auf dem Markt bestehen werden.“

Thomas Twarok begeht bereits im neuen Jahr ein kleines Jubiläum. „Dann jährt sich der Beginn meiner Lehre hier im Glaswerk zum 40. Mal.“ Seit 2013 ist der 55-Jährige Leiter des Betriebes.

O-I kommt aus Amerika

Die Abkürzung O-I steht für Owens Illinois. Der Weltmarktführer für Glasbehälter hat seinen Stammsitz im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio. Es gibt weltweit 76 Werke in 23 Ländern. Den Betrieb in Bernsdorf hatte O-I im Jahr 2004 übernommen. Die Oberlausitzer Produktionsstätte existiert bereits seit dem Jahr 1872. Sie wurde von den Hoffmann-Brüdern begründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand das in Bernsdorf produzierte Glas in der gesamten DDR unter der Bezeichnung „Anker-Glas“ Verwendung. Neben Flaschen wurden auch Haushalts- und Konservengläser hergestellt. 1991 übernahm zunächst Gerresheimer Glas den Betrieb, 2000 BSN Glasspack und 2004 schließlich O-I.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 23.12.2019


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Aktualisierung: 29.02.2020


Werkleiter Thomas Twarok steht hier in der im Bau befindlichen neuen Schmelzwanne, dem Herzstück seines Betriebes.
Foto: T. Richter-Zippack
 
 
 
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