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Er bläst Butzenscheiben wie im Mittelalter

Von Brigitte Haraszin


Glasmacher Dieter Tusche aus Rietschen führt in Görlitz ein altes Handwerk fort. Lausitzer Glas ist einst in der ganzen Welt vermarktet worden.

Die Schwarze Straße, eine kleine historische Gasse, die zwischen dem Görlitzer Ober- und Untermarkt direkt auf die „Via Regia“ mündet, beherbergt die „Oberlausitzer Schauglashütte“. Liebevoll und denkmalgerecht ist dieses kleine Geschäft mit Café eingerichtet, in dem Familie Tusche aus Rietschen ein altes historisches Handwerk der Lausitz den Bewohnern und Gästen der Stadt Görlitz nahe bringt und bewahrt.

In dieser Produktionsstätte können die Besucher dem Prozess der Glasherstellung vom heißen Glastropfen bis zum fertigen Kunstwerk zuschauen. Bewundernswert sind dabei die erforderlichen Fertigkeiten der Glasmacherei, die vor noch nicht langer Zeit in der Lausitz allgegenwärtig waren und deren Produkte als Lausitzer Glas in der ganzen Welt vermarktet worden sind.

Muskau liefert Pottasche

Glasrohstoffe wie Quarzsand, Kalk, Ton, sowie Holz sind in der Lausitz reichlich vorhanden, und doch entstehen die Glashütten hier später als im benachbarten Schlesien, Böhmen oder im Erzgebirge. Die erste Glashütte befindet sich im Oberlausitzischen Kropsdorf bei Lauban (heute Polen, Luban). Sie wird 1433 erwähnt und besteht bis 1797. Im Gebiet des Queis (heute Polen, Kwisa), dem kleinen Grenzfluss zu Schlesien, entstehen im 15. Jahrhundert weitere Hütten, die aber typische Waldglashütten und meist im erblichen Besitz einzelner Glasmacherfamilien sind und mit dem Aussterben der Familien meistens untergehen. Nachweislich für die Hütte Rauscha (heute Ruszów) – der Stadt Görlitz zugehörend – liefert Muskau Pottasche, das bei der Alaun-Herstellung im standesamtlichen Alaunwerk anfällt.

Der Boom für die Glasindustrie setzt Ausgang des 19. Jahrhunderts mit zunehmender Industrialisierung ein. Die Entwicklung der Elektrotechnik bringt auch die anderen Industriezweige in Schwung, wobei dem Werkstoff Glas ein besonderer Stellenwert zukommt. Sind es im Jahre 1850 zunächst noch elf Glashütten in der Lausitz, steigt deren Zahl bis zur Jahrhundertwende auf 75 an. Der sprunghafte Aufschwung zeigt sich noch deutlicher am ehemaligen Heidedorf Weißwasser: Zu Beginn der Industrialisierung zählt dessen Einwohnerschaft 800 und 20 Jahre später sind es schon mehr als 12000.

Heidedorf erlebt Aufschwung

Rietschen entwickelt sich wie das nahe Weißwasser im 19. Jahrhundert mit der Anbindung an die Eisenbahnlinie Berlin–Görlitz von einem unbedeutenden Heidedorf zu einem Industriestandort der Glasherstellung, in dem vier Hohlglashütten ihre Arbeit aufgenommen haben – von denen heute keine mehr produziert. Verschiedene Sorten von Hohlglas werden gefertigt, von Trinkgläsern bis hin zu Behälter- und Verpackungsglas. Besondere Bedeutung erlangt Rietschen durch die Herstellung von gläsernen Lampenartikeln.

Dieter Tusche sieht sich dieser Tradition verpflichtet: Er ist „Hüttenherr“ und Glasdesigner, ja auch Glasformer und -Hersteller in einer Person, wie in früheren Zeiten, als die Familienunternehmen noch im Besitz besonderer Privilegien waren und ihre Geheimnisse der Glasherstellung streng bewahrten. Und er liebt sein Handwerk. Er bläst Hohlglas-Gegenstände, die nicht nur schön und einmalig sind, sondern auch historischen Wert besitzen, wie beispielsweise die solide Schusterleuchte oder Schusterglas, das Wetterglas oder Barometer. Auch Butzenscheiben, das historische Fensterglas aus dem Mittelalter, vermag er zu fertigen.

Geöffnet: Montag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr; Tel. 03581/428765

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 24.01.2008


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Aktualisierung: 24.01.2008