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Plastik-Flaschen verdrängen Altglas
Veltener Betrieb bereitet Abfall für neue Produkte auf / Mengen gehen zurück

Von Katrin Lehmann


Der Lärm im Vorsortierraum der Glasaufbereitungsanlage in Velten (Kreis Oberhavel) ist ohrenbetäubend. Vier Frauen mit Ohrenschützern und Handschuhen stehen an zwei Fließbändern. Unzählige Mengen Weißglas ziehen an ihnen vorüber. Dazwischen liegen Teller, Plastiktüten und Papier. „Acht Stunden jeden Tag stehen sie hier und holen, so gut es eben geht, Keramik und Müll vom Band, ehe das Glas weiterverarbeitet wird“, sagt Schichtleiter Jürgen Scholz.

Die Entsorgungsfirma Alba betreibt nordwestlich von Berlin eine der größten Glasaufbereitungsanlagen Europas. Jährlich werden dort 200 000 Tonnen Altglas aufbereitet und anschließend an Glashütten verkauft, die daraus schätzungsweise 500 Millionen neue Getränkeflaschen, Marmeladen- und Konservengläser herstellen. Doch seit dem Vormarsch der Plastik-Flaschen geht die Glasmenge deutlich zurück.

Glas aus dem In- und Ausland
Früher wurde wesentlich mehr Glas verarbeitet – bis zu 320 000 Tonnen im Jahr. „Die Einführung der PET-Flaschen haben wir schon zu spüren bekommen. Seitdem ist der Anteil an Glasflaschen um rund 30 Prozent zurückgegangen“, sagt Betriebsleiter Bernd Rippchen, der seit Inbetriebnahme der Anlage im Jahr 1994 dort arbeitet. Dennoch bleibt viel zu tun: Pro Woche werden rund 4000 Tonnen Weiß-, Braun-, Grün- und Buntglas aus den umliegenden Bundesländern und dem Ausland wie den Niederlanden und Dänemark in Lastwagen angeliefert.
Mit lautem Scheppern werden sie abgeladen und zunächst in riesigen Behältern auf dem Hof eingelagert, bevor sie nach Farben sortiert recycelt werden. Die Aufbereitung ist laut Bundesumweltministerium umweltverträglicher als die Neuglasherstellung, wie Thomas Schmid-Unterseh vom Referat Produktverantwortung berichtet: „Diese Methode spart eine Menge Energie und Rohstoffe. Außerdem fallen weniger Abfälle zur Beseitigung an.“
Bis das Glas jedoch von den Glashütten abgenommen wird, muss es mehrere Stationen der Anlage durchlaufen: Nach der groben Vorsortierung per Hand übernimmt die Technik: Das Glas wird zunächst mit einem Brecher zerkleinert. Anschließend entfernt ein riesiger Magnet Flaschendeckel und Metallteile. Damit sich die Etiketten von den Flaschen lösen, wird das Glas befeuchtet. Ein riesiger Staubsauger übernimmt den Rest.

Saubere Trennung nötig
Mithilfe von Kameras werden noch vorhandene Keramikstücke oder andersfarbige Glasscherben aussortiert. „So können wir die Anforderungen der Abnehmer erfüllen, denn eine Tonne Weißglas darf etwa nur zwei Kilo Grünglas enthalten“, erklärt Schichtleiter Jürgen Scholz. Anderenfalls würde sich das Weißglas grünlich färben. Buntglas kann nicht mehr zu Weiß- oder Braunglas verarbeitet werden. Dies wäre zu aufwendig – daraus werden später hellgrüne Flaschen hergestellt.
Derzeit beliefert die Anlage in Velten, in der 36 Mitarbeiter beschäftigt sind, 18 Glashütten mit Granulat. Werkleiter Rippchen beziffert den Marktwert je Tonne auf 80 bis 100 Euro. „Die Nachfrage von deutschen Glashütten ist momentan sehr groß, aber wir haben auch Abnehmer in Polen und Tschechien.“ Dort wird das Glas eingeschmolzen und neu geformt. Danach beginnt der Kreislauf von vorn.

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 24.01.2008


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Aktualisierung: 25.01.2008


 

Berge aus Glas: Ein Radlader kippt tonnenweise Altglas in die Aufbereitungsanlage in Velten, eine der größten ihrer Art in Europa.