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Glasmuseum kämpft um seinen Fortbestand

Der Förderverein schreibt einen offenen Brief an Entscheidungsträger: „Wir fordern ein klares Bekenntnis der Politik!“

Von Christian Köhler
 


Die gegenwärtig diskutierten Sparmaßnahmen erhitzen in Weißwasser die Gemüter. Vor allem das 45 000 Euro teure Spargutachten, das externe Gutachter der Stadt und den Räten vorgelegt haben, enthält so manchen Explosivstoff. Von Steuererhöhungen, Anhebung von Kita-Gebühren oder Kürzungen bei freiwilligen Ausgaben ist da beispielsweise die Rede. Die „Liste der Grausamkeiten“, wie sie Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) bezeichnete, ließe sich noch fortsetzen. Vor allem die freiwilligen Leistungen der Stadt betreffen Vereine und Einrichtungen in Weißwasser wie etwa den Tierpark oder eben auch das Glasmuseum. In einem offenen Brief an Bundes- und Landtagsabgeordnete, an Stadträte und das Rathaus hat sich nun der Förderverein Glasmuseum kritisch geäußert. Schließlich würden Kürzungen im städtischen Haushalt das Museum in seiner Arbeit massiv beeinträchtigen.

Glasmuseum als Gedächtnis

Der Inhalt des Briefes ließe sich mit einem Zitat von Maler Gerd Hallaschk aus Pechern am besten zusammenfassen: „Eine Stadt ohne Museum ist wie ein Mensch ohne Gedächtnis.“ Genau das nämlich würde geschehen, wenn es kein Glasmuseum mehr gibt. Deshalb wirft der Vorstand des Fördervereins einen Blick zurück in die Geschichte der Weißwasseraner Glasindustrie, bevor er sich der Zukunft zuwendet: „In Hochzeiten waren in elf Glaswerken und weiterverarbeitenden Unternehmen tausende Menschen beschäftigt. Bedingt durch die marktwirtschaftlichen Konzentrations- und Verdrängungsprozesse und das nicht immer glückliche Agieren der «Treuhand» nach der politischen Wende ist die ehemals in Weißwasser und der Region strukturbestimmende Glasindustrie auf ein Maß geschrumpft, die sie gerade noch erkennbar macht. Tausende wurden in die Arbeitslosigkeit entlassen mit den bekannten Auswirkungen auf das tägliche Leben und die Psyche dieser Menschen. Als nicht messbare, aber dennoch schwerwiegende Größe stellte sich bei ihnen ein allgemeiner „Phantomschmerz“ ein. Sie hatten zwar kein Körperteil, wohl aber ihre Arbeitswelt verloren. Die Arbeitsstätten waren zu leer stehenden Hallen, Ruinen oder Trümmerfeldern geworden. Die Identität dieser Menschen litt, weil Wurzeln und Traditionen negative Beurteilungen erhielten“, heißt es in den Schreiben.

1993 gründete sich deshalb der Förderverein Glasmuseum, um in ehemaligen Glasarbeitern wieder den Stolz auf die damals 120 Jahre Glasindustriegeschichte zu wecken. Drei Jahre später, zur Festwoche „444 Jahre Ersterwähnung Weißwasser“ übergab der Förderverein ein funktionsfähiges Glasmuseum an die Stadt. Für den Umbau der Gelsdorf-Villa zum Museum wurden einst von den Vereinsmitgliedern mehr als 40 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet. „Die fachliche Betreuung des Glasmuseums geschieht auch heute noch durch die aktiven Mitglieder des Fördervereins – selbstverständlich ehrenamtlich“, so der Vorstand.

Das Glasmuseum Weißwasser ist heute das einzige seiner Art in Sachsen und Teil der Route der Industriekultur. „Freilich haben sich seit seiner Eröffnung 1996 die Ansprüche an Museen stark verändert“, gibt der Verein zu verstehen.

Für die gesellschaftliche Relevanz des Museums bedeute das jedoch, dass es eine Entwicklung seiner Inhalte und deren Präsentation geben muss. Diese Aufgabe gehe das Glasmuseum sukzessive an. „Um jedoch eine Handlungsgrundlage für die zukünftige Museumsarbeit zu haben, fordern wir ein klares Bekenntnis der Politik für das dauerhafte Bestehen des Glasmuseums“, schreibt der Förderverein abschließend und fordert weiter: „Gleiches gilt für alle anderen bestehenden Kultur-, Sport- und Erholungseinrichtungen der Stadt.“

„Wollen Schließung auf keinen Fall“

Stadtrat Timo Schutza (Klartext) will das Glasmuseum „auf keinen Fall schließen“. Er und seine Fraktion kennen das Alleinstellungsmerkmal des Museums. „Deshalb wollen wir ja den zivilen Ungehorsam proben“, erklärt er weiter. Aus Sicht von „Klartext“ und „Wir für Hier“ gehe nämlich das erstellte Spargutachten in eine Richtung, „die nicht mehr vertretbar ist“. Unterdessen erklärt Torsten Pötzsch, dass es noch keine Erfolge in Sachen Finanzausgleich für die Gewerbesteuerrückzahlung zu vermelden gibt. Dazu wurde er von seiner Fraktion beauftragt. Noch zwei Wochen hat er Zeit, bevor es eine Bürgerabstimmung geben soll. Pötzsch wiederum hatte jüngst Stadtrat Bernhard Waldau (CDU) sowie den SPD-Stadtrat und ehemaligen Finanzbürgermeister Ronald Krause in einer Erklärung in die Pflicht genommen, Vorschläge zum Haushaltsausgleich zu unterbreiten. Dazu äußert sich Irina Teichert, die einst in der Stadtverwaltung gearbeitet hat: „Beide hatten es in der Vergangenheit und Gegenwart in der Hand, aktiv Einfluss auf den Haushalt zu nehmen, was sie auch mit mehr oder minder großem Erfolg getan haben.“ Beide, so Irina Teichert weiter, würden „Kritik, Frust und Ärgernis über das Handeln der derzeitigen Akteure“ üben, ohne dabei „konkrete Vorschläge zu unterbreiten, wie es besser gemacht werden könnte“. Ein Miteinander müsse im Interesse der Stadt herrschen. „Schade, dass die OB-Wahl immer noch im Vordergrund steht. Dies ist keinesfalls hilfreich für die Entwicklung der Stadt. Beiden Herren wäre zu raten, sich zu erinnern, mit welchem Engagement sie einstmals versucht haben, den städtischen Haushalt in ein gutes Fahrwasser zu bringen“, sagt Irina Teichert.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 24.02.2018


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Aktualisierung: 25.02.2018