Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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lasmuseum Weißwasser !

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Eine Institution feiert Geburtstag
Weißwasser hat seit 1996 ein Glasmuseum


VON REINER KELLER


Seit langem bestand bei den Freunden des Glases in Weißwasser und der Region der Wunsch nach einem Glasmuseum, welches die erfolgreiche Geschichte der Glasindustrie, deren Start auf das Jahr 1872 zurück geht, bewahren sollte. 1993 begann die Geschichte des Förderverein Glasmuseum Weißwasser e. V., der sich dieses Ziel gestellt hatte. Einige wenige Enthusiasten taten sich zusammen, um das der Nachwelt zu erhalten, was gerade „den Bach hinunter zu gehen drohte“. Bedingt durch die marktwirtschaftlichen Konzentrations- und Verdrängungsprozesse und das nicht immer glückliche Agieren der „Treuhand“ war die ehemals in Weißwasser und der Region strukturbestimmende Glasindustrie im Begriff, auf ein Maß zu schrumpfen, die sie gerade noch erkennbar machte.

Diese Glasindustrie gehörte einstmals zu den größten Zentren der Glasindustrie weltweit. Hier wurden wichtige Verfahren zur Glasbearbeitung wie z. B. das mechanische Abtrennen der Blaskappen entwickelt. Die Neuen Oberlausitzer Glaswerke Schweig & Co GmbH (später Osram, heute: Telux Glasproducts & Components GmbH) stiegen zum größten Glühlampenkolben produzierenden Betrieb der Welt auf. Die Glaskolben zur Herstellung der ersten Bildröhren für das Fernsehen kamen zu Anfang der 1930er Jahre aus Weißwasser. Die unter dem Rautenzeichen von Prof. Wilhelm Wagenfeld für die Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG, heute: Stölzle Lausitz GmbH) gestalteten Gebrauchsgläser wurden auf Weltausstellungen mit höchsten Auszeichnungen dekoriert. Die im gleichen Unternehmen in den 1920er Jahren produzierten Arsall-Gläser sind Zeugnisse höchster Kunstfertigkeit ihrer Erschaffer. Auf wissenschaftlichem Gebiet ist Prof. Wilhelm Gehlhoff zu nennen, der in den Osram-Werken ebenfalls in den 1920er Jahren fundamentale Zusammenhänge zwischen der Glaszusammensetzung und den Glaseigenschaften erforschte. Beispiele für herausragende Leistungen der angewandten Forschung waren die weltweit erstmaligen Einführungen der Lasertechnologie zum Dekorieren von Glas Ende der 1960er Jahre und der Technologie zum chemischen Verfestigen von Gläsern Mitte der 1980er Jahre.

Aus dem kleinen Häuflein der Gründungsmitglieder des Fördervereins wurden bald über 80 Mitglieder, die selbst zumeist alle jahre- oder jahrzehntelang in der Glasindustrie tätig waren. Für das Sammeln und Sicherstellen der Exponate sowie die Sanierung der „Gelsdorf-Villa“ wurden geschätzte 40.000 Stunden ehrenamtlich und freiwillig geleistet. 1996 konnte der Förderverein der Stadt Weißwasser ein funktionsfähiges Glasmuseum übergeben, welches sich in Bezug auf sein wissenschaftliches, gestalterisches und museumspädagogisches Konzept in keiner Weise zu verstecken brauchte.

Die Dauerausstellung des Glasmuseums zeigt einen repräsentativen Querschnitt der eigenen Sammlungen in nachvollziehbarer Gliederung und ansprechender Präsentation. Die Begeisterung für die gesammelten Dokumente und Schätze im Glasbereich soll nicht nur als historisch bedeutsame Rückschau im Rahmen der Hauptaufgaben eines Museums deutlich gemacht sondern soll auch als Herausforderung für die Zukunft erkennbar und begreifbar gemacht werden. Damit kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel: Das Museum wird zu einem Vermittler zwischen Vergangenheit und Zukunft. Es regt zum Nachdenken an und weckt das Interesse an einer eigenen künstlerischer Auswertung und wirtschaftlichen Nutzung. Die Dauerausstellung und die Sonderausstellungen mit ihren vielfältigen und interessanten Themen verbessern darüber hinaus die kulturelle Grundversorgung der Region.

Bis heute lebt dieses Museum von der wissenschaftlichen Betreuung durch die aktiven Mitglieder des Fördervereins, die gemeinsam mit der Museumsleiterin ihr Herzblut und viele, viele Stunden ihrer Freizeit sowohl in die weitere Verbesserung der Dauerausstellung als auch in die zahlreichen Sonderausstellungen investieren.

In der Publikation „Glashütten in Weißwasser“ des Förderverein Glasmuseum Weißwasser e. V. wird die spannende Geschichte der hiesigen Glasindustrie von Fachleuten des Fördervereins ausführlich beleuchtet. Eine besondere Rolle spielen dabei die Leistungen von Wilhelm Gelsdorf, der als erster ab 1877 erfolgreich in Weißwasser eine Glashütte betrieb, und des jüdischen Unternehmers Joseph Schweig, der an zahlreichen Glashüttengründungen in Weißwasser führend beteiligt war.

Die Geschichte – auch die Industriegeschichte – wird immer von Menschen gemacht. Deshalb stehen im Mittelpunkt der Schriftreihe des Fördervereins auch hervorragende Vertreter der örtlichen Glasindustrie, die in den letzten 50 Jahren einen bedeutenden Beitrag zum guten Ruf der Glasmetropole Weißwasser geleistet haben. Die Schriftenreihe bietet aber auch ein Podium für die Vorstellung von Technologien, die für die Glasproduktion in Weißwasser bestimmend waren und deren Beherrschung wiederum mit den Namen der Beteiligten verbunden ist. Hierzu gehört vor allem die maschinelle Herstellung von Stielgläsern, die 1965 beginnt und mit deren Einsatz allein in den Oberlausitzer Glaswerken (OLG) fast 250 Millionen Stück Gläser produziert werden.

Die Bedeutung und die hohe Qualität der Arbeit des Fördervereins und seiner Mitglieder wurde in der Vergangenheit vielfach gewürdigt. Nicht zuletzt deshalb wurde das Glasmuseum auch in die „Route der Industriekultur in Sachsen“ aufgenommen.

2016 werden im Glasmuseum und in der Stadt Weißwasser herausragende Aktivitäten zu Ehren des weltweit bedeutenden Industriedesigners Prof. Wilhelm Wagenfeld stattfinden. Die Stadt Weißwasser verleiht Wilhelm Wagenfeld im Rahmen einer Festwoche postum die Ehrenbürgerwürde. Das Glasmuseum wird eine große Wagenfeld-Ausstellung zeigen und weitere Aktivitäten dazu organisieren bzw. begleiten.

Abschließend soll eine besondere Leistung des Fördervereins genannt werden: Die Wiedererrichtung des Glasmacherbrunnens und dessen Einweihung im Jahre 2002 als das Wahrzeichen der Glasarbeiterstadt Weißwasser, welcher landesweit einmalig als Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges friedlich Arbeit darstellt.

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Glasmuseums findet am 16. April 2016 ein Festakt in den Räumen der Stadtbibliothek statt.

Abschließend fällt mir der von Jochen Exner, einer der Gründungsväter von Förderverein und Glasmuseum, geprägte Ausspruch ein: Weißwasser ohne Glasmuseum – das ist wie München ohne Hofbräuhaus!

Quelle: Glasmuseum, im März 2016


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Aktualisierung:
24.03.2016