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Glasgestalter mit Goldmedaille
Das Glasmuseum Weißwasser ehrt Manfred Schäfer zum 80. Geburtstag mit einer Ausstellung. Die SZ hat ihn getroffen.

Von Alexander Buchmann

 


In dieser Woche hat Manfred Schäfer aus Weißwasser gleich zweimal Grund zum Feiern. Denn nachdem der ehemalige Gestalter und Produktionsleiter am Mittwoch seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, wird heute im Glasmuseum Weißwasser eine Ausstellung zu seinen Ehren eröffnet. Diese zeigt einige Werke seiner 37-jährigen Berufslaufbahn in der hiesigen Glasindustrie sowie ausgewählte Stücke seiner persönlichen Sammlung. Die SZ hat sich vor der Eröffnung der Ausstellung mit dem Jubilar getroffen und mit ihm über seine Entwürfe, die Probleme der DDR-Wirtschaft und die Schönheit Weißwassers gesprochen.

Haben Sie je gedacht, dass man Ihnen eine eigene Ausstellung widmet?

Dass man meine Gläser in einer Ausstellung zeigt, ehrt mich natürlich. Wegen meiner Glassammlung, für die ich in meinem ehemaligen Gewächshaus ein eigenes kleines Museum habe, bin ich schon mehrfach mit der Bitte angesprochen worden, doch einmal auszustellen. Auch davon werde Stücke im Glasmuseum gezeigt.

Haben Sie einen Überblick, wie viele Gläser Sie entworfen haben?

Das ist nicht mehr messbar beziehungsweise nachzuvollziehen. Immerhin habe ich an der Entwicklung von manuell und maschinell gefertigtem Wirtschaftsglas, Pressglas und Bleikristall mitgewirkt. Und erst kürzlich haben mir Sammler Beweise gezeigt, dass ich auch Beleuchtungsglas entworfen habe. Ich weiß zwar noch viel, aber das war mir entfallen.

Gibt es einen Entwurf, auf den Sie besonders stolz sind?

Die maschinell gefertigte Stielglasserie Karat. Die hat auf der Frühjahrsmesse 1981 in Leipzig die Goldmedaille gewonnen. Damit ist es gelungen, auch auf diesem Gebiet etwas Wirkungsvolles in die Landschaft zu stellen. Damals ist es ja so gewesen, dass man für den Entwurf manuell hergestellter Kelchserien oder einer Bowle Nationalpreisträger oder Verdienter Volkskünstler werden konnte. Koryphäen wie Friedrich Bundtzen konnten sich aussuchen, was sie machen wollten. Als Gestalter für maschinell gefertigtes Stielglas war man hingegen der Prügelknabe und hat von vielen Seiten Feuer bekommen. An der Entwicklung der Glasserie, die es mit verschiedenen Dekoren gab und die dann auch leicht verändert wurde, waren aber noch andere Mitarbeiter beteiligt. Das ist nie eine Einzelgeschichte.

Von wie vielen Ihrer Entwürfe existieren noch Gläser?

Vieles aus der damaligen Zeit ist nicht mehr da. Selbst Museen haben mittlerweile Probleme, das eine oder andere Stück zu finden. Verschiedene Kelchserien, die manuell hergestellt wurden, sind heute nicht mehr zu finden. Im Kaufhaus der GAB in Weißwasser oder auf Flohmärkten haben wir aber auch immer wieder einzelne Stücke gefunden.

Wie war die Entstehungsgeschichte eines Glasentwurfs?

Da gab es mehrere Wege zu einem Ziel. Manches ist aus dem Gespräch mit dem jeweiligen Kunden entstanden, auf deren Wünsche wir teilweise sehr Rücksicht nehmen mussten. In anderen Fällen haben wir aber auch die Chance und die Freiheit gehabt, Eigenes zu kreieren und zu entwerfen.

Die Gestaltungsfreiheit war also nicht eingeschränkt?

Im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten. Vieles konnte aber auch nicht organisiert werden, was uns viele Sorgen gemacht hat. Da gab es das Embargo des Westens, weshalb man manche Materialien nicht bekommen hat, und andererseits versuchte auch die DDR sich von bestimmten Materialien unabhängig zu machen. Das hatte zur Folge, dass wir Ersatzmaterialien einsetzen mussten. Manchmal reichten auch schlicht und einfach die Kapazitäten für die Formenfertigung nicht aus. Deshalb alle Achtung vor den Menschen damals und was die trotzdem alles gepackt haben.

Können Sie das an einem Beispiel erklären?

Wir hatten im Werk teilweise zu wenig Arbeitskräfte zum Einbohren der Gläser. Bei einer Karaffe, die mit einem Glasstopfen verschlossen wird, wird der Hals auf der Innenseite durch Einbohren angeraut. So sitzt der Stopfen fest und die Karaffe ist dicht. Als Alternative hatte ich dann die Idee, einen Stopfen aus Kork auf die Flasche zu setzen. Das Problem war aber, dass es in der DDR keinen beziehungsweise nicht genug Kork gab. So ist aus der Idee am Ende nichts geworden. Ob sie ein Erfolg geworden wäre, sei mal dahingestellt.

Wie sind Sie in die Weißwasseraner Glasindustrie gekommen?

Ich komme ursprünglich aus Schlesien. Nach der Vertreibung und einem Aufenthalt im Auffanglager in Pirna sind wir verteilt worden und ich habe in Meißen eine neue Heimat gefunden. Dort habe ich dann auch Keramiker gelernt. Die Figuren und das Künstlerische haben mich immer gereizt. Eigentlich wollte ich danach ins Thüringische ziehen, aber im September 1955 habe ich in der Werkstatt für Glasgestaltung in Weißwasser als Modelleur angefangen. Als ich hier war und meine Frau kennengelernt habe, war dann nichts mehr mit Thüringen.

Stattdessen haben Sie es sich in Weißwasser schön gemacht ...

Wir haben unser Haus gekauft und es ist doch fast wie im Paradies. Wir sind während der DDR-Zeit auch nur einmal in den Gewerkschaftsurlaub gefahren, denn alle haben uns hier in Weißwasser besucht.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 24.03.2017


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Aktualisierung:
24.03.2017


 

Manfred Schäfer mit einem Exemplar der ausgezeichneten Stielglasserie Karat. Auf dem Foto an der Wand aus dem Jahr 1981 stehen ebenfalls zahlreiche Exemplare der Serie in verschiedenen Größen auf Manfred Schäfers damaligem Schreibtisch.
Foto: J. Rehle