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100 Jahre Bauhaus
Messinas Augenblick

VON REGINA WEIß
 



Warum eine Zitronenpresse bei der neuen Sonderausstellung im Glasmuseum Weißwasser groß rauskommt.

Zitronenpressen gibt es ja zur Genüge. Auch damals schon, als Wilhelm Wagenfeld für die Vereinigte Lausitzer Glaswerke AG als Designer tätig war. Und doch hat der Bauhausschüler vergebens nach einer Presse gesucht, die schön genug war, dass sie auch auf dem gedeckten Tisch stehen konnte. Sie sollte zudem handlich zu gebrauchen sein und beim Ausgießen nicht kleckern. Da sich nichts Passendes fand, wurde in Weißwasser experimentiert. An Gipsmodellen. Wie akribisch genau, hat Wilhelm Wagenfeld in einem seiner Essays aus dem Buch Glassimpeleien 1937 selbst beschrieben.

Einige Verbesserungen später wurde dann Wagenfelds Zitronen- und Orangenpresse aus Glas hergestellt. Pressglas, um es genau zu sagen. Messina war geboren. Praktisch und schön zu gleich. Damals vermutlich ein Pfennigartikel, geht das Sammelstück heute beim Internetkaufhaus ebay für über 50 Euro weg.

In der neuen Sonderausstellung „Über den Augenblick hinaus – Glasgestaltung in Weißwasser von Wagenfeld bis heute“ im Glasmuseum Weißwasser hat Messina einen Ehrenplatz bekommen. Christine Lehmann, Mitglied im Förderverein Glasmuseum Weißwasser und Ausstellungskuratorin, freut sich darüber, dass sie ihre Idee umsetzen konnte. Dabei gibt sie zu, wurde über ihren Vorschlag im Ausstellungskollektiv schon diskutiert, mal nicht ein „übliches“ Wagenfeld-Design ins Zentrum zu stellen. „Ich glaube, sie haben gedacht, ich spinne“, erzählt sie der RUNDSCHAU. Doch Messina ist ein Sinnbild, wie die Gestalter Wagenfeld und Co. ihre Arbeit verstanden haben. Auch im Einfachen sollte sich Perfektion wiederfinden. Damit haben sie laut Christine Lehmann auch ein Zeichen für den langlebigen Gebrauch des Gegenstandes gesetzt, Heute sagt man dazu Nachhaltigkeit. Etwas geschaffen, was deutlich über den Augenblick hinaus geht. „Ich versichere Ihnen, dass Sie und ihr Werk der Modellfall dessen sind, was das Bauhaus anstrebte“, bescheinigte dann auch Walter Gropius, Bauhausgründer, dem Bauhausschüler Wilhelm Wagenfeld 1965.

Doch das Glasmuseum wollte Wagenfeld nicht allein in den Mittelpunkt der Schau aus Anlass 100 Jahre Bauhaus stellen. Eine Personalaustellung gab es erst 2016 aus Anlass der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den Gestalter. Vielmehr soll gezeigt werden, dass in Weißwasser das Erbe von Wagenfeld fortgesetzt wurde. Angefangen von der Werkstatt für Glasgestaltung bis zum heutigen Tag bei der Firma Stölzle Lausitz GmbH, die mit Gläsern aus der aktuellen Kollektion vertreten ist.

Dabei mussten die Glasgestalter durchaus mit unterschiedlichen Vorzeichen klar kommen. Hans-Dieter Marschner, Mitglied des Fördervereins aus Dresden, erinnert daran, wie Wilhelm Wagenfeld 1935 der Wechsel nach Weißwasser schmackhaft gemacht wurde. Er konnte über einen Entwicklungsetat von 100 000 Reichsmark verfügen, war der Betriebsleitung nicht weisungsgebunden und entschied, welche Muster in die Produktion gehen. Marschner, Jahrzehnte später ebenfalls in der Position, gab zu „mehr Seelsorger für die Designer“ gewesen zu sein. Der Quantität wollte man durchaus auch Qualität entgegensetzen. „Doch ich hatte keinen Entwicklungsetat“, erinnert sich Marschner. Kennziffern waren das Maß aller Dinge. Und die Ergebnisse demzufolge eher bescheiden.

Ausstellungsbesucherin Ute Czedzich aus Bad Muskau will Hans-Dieter Marschner in diesem Punkt nicht unbedingt recht geben. Sie freut sich, dass in der Ausstellung das Design aus DDR-Produktion auftaucht, was ihre Hochzeitsgläser ziert. „Das finde ich auch heute noch schön.“


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 24.03.2019


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Aktualisierung:
24.03.2019


 

Damals ein Pfennigartikel heute ein gesuchtes Sammlerstück: Die Zitronenpresse Messina. Sie steht im Mittelpunkt der Ausstellung in Weißwasser
„Über den Augenblick hinaus - Glasgestaltung in Weißwasser von Wagenfeld bis heute“ heißt die neue Sonderschau im Glasmuseum Weißwasser. In dieser Vitrine werden Kelche von Georg Richter gezeigt.
Fotos: R. Weiß