Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Das Glasmuseum baut sich eine Schatzkammer
Mit spektakulären Stücken bekannter Designer werden Touristen für Weißwassers Sammlung begeistert.

Von Thomas Staudt


Ein Blick über den Tellerrand kann nie schaden. Jochen Exner hatte sein Aha-Erlebnis in Freiberg. Als der Glasspezialist aus dem Förderverein des Glasmuseums die Ausstellung „Terra Mineralia“ im Freiberger Schloss besuchte, wusste er sofort: Diese Präsentation hat das Zeug zu einer Steilvorlage für die angedachte Umgestaltung des Glasmuseums. Farbig ausgeschlagene Vitrinen und Beschriftungen nach wissenschaftlichen Standards, aber vor allem abgedunkelte Ausstellungsräume und Lichtspots auf den Exponaten, die den Blick magisch anziehen. Fast parallel besuchte Museumsleiterin Elvira Rauch auf einer ihrer Exkursionen eine waschechte Schatzkammer.

Nun fließen alle Anregungen – auch die anderer Vereinsmitglieder–in der Forster Straße zusammen. Als erstes sollen die spektakulärsten Stücke der Sammlung von der Ideenflut profitieren. „Wir wollen eine Schatzkammer einrichten, in der die wirklich außergewöhnlichen und wichtigsten Stücke unserer Sammlung zusammengefasst werden“, so Rauch. Welche Glas-preziosen durch modernste Präsentationstechniken geadelt werden, fasst ein vorläufiges Konzept zusammen. Noch bedarf es der Feinabstimmung. Eintrittskarten in den gläsernen Olymp sicher haben Wilhelm Wagenfeld sowie Heinz Schade und Alfred Görner. Die beiden Weißwasseraner Diatretglasschleifer erweckten die antike Technik mit ihrer handwerklichen Virtuosität zu neuem Leben. Sie sind aber nur Eingeweihten ein Begriff und verdienen eine breitere Öffentlichkeit.

Der Bauhausschüler aus Bremen dagegen ist einer der berühmtesten Designer des 20. Jahrhunderts. Der Aufsichtsrat der Vereinigten Lausitzer Glaswerke holte Wagenfeld 1935 nach Weißwasser. Hier schuf er Designklassiker wie die stapelbaren Glasboxen. Das Museum bewahrt einen Großteil der damals entstandenen Produkte, dazu Entwürfe und weitere Archivalien. Trotz des Bekanntheitsgrads kommt Wilhelm Wagenfeld in der Außenwerbung des Museum, aber auch der Stadt noch immer zu kurz. Weißwasser sollte vielmehr mit Wagenfeld nach außen treten, empfiehlt Cord Panning, Leiter des Pückler-Parks Bad Muskau. „Der wird schließlich auch in New York oder London ausgestellt.“ Vorteil: Der Designer hätte das Potenzial über Eisenbahnenthusiasten, Wolfsliebhaber oder passionierte Radler hinaus zusätzliches Klientel in die Region zu ziehen.

Wermutstropfen des Vorhabens ist die Umsetzung. „Wir werden voraussichtlich nicht vor 2015 mit der Schatzkammer beginnen können“, bremst Elvira Rauch überzogene Erwartungen. Das Budget des städtischen Museums ist nicht eben üppig. Aber nicht die finanzielle Seite schiebt das Projekt in Richtung lange Bank. Knackpunkt sind die Räumlichkeiten. Die Schatzkammer soll repräsentativ im Erdgeschoss neben der Sonderausstellungsfläche eingerichtet werden. Aber der Raum ist belegt. Dort logiert noch immer die Musikaliensammlung der Familie des ehemaligen Oberbürgermeisters Rauh. Der Leihvertrag läuft bis Ende 2014. Eine Chance? Sicher. Der zeitliche Vorsprung lässt sich glänzend zur Vorbereitung nutzen.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 24.08.2012


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
28.08.2012


 

Fasziniert trotz des Museumsalltags auch Leiterin Elvira Rauch immer wieder: Die Diatretglasvase von Alfred Görner.
Foto: A. Schulze