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Solarpreis geht nach Tschernitz
Glasmanufaktur überzeugt Jury in Barcelona / Gemeinde setzt auf Kontakte

VON Annett Igel-Allzeit
 


Als besonders gutes Beispiel für die wirtschaftliche Umgestaltung in einer niedergehenden Kohleregion ist die Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) in Tschernitz jetzt in Barcelona mit dem Europäischen Solarpreis ausgezeichnet worden. Das freut nicht nur die Geschäftsführung, sondern auch den Tschernitzer Bürgermeister Peter Drobig.

Ein Preisgeld hängt an der Ehrung zwar nicht, sagt Josef Weikinger, Eigentümer des Unternehmens Interfloat Corporation in Liechtenstein, zu dem seit 2007 auch die Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) in Tschernitz gehört. „Aber der Europäische Solarpreis findet in der Solarbranche seit Jahren größte Beachtung. Eine höhere Anerkennung durch Fachleute in dieser Branche gibt es meines Wissens nicht.“

Weikinger hofft, dass auch die Mitarbeiter in Tschernitz stolz darauf sind, ihre Arbeit in einem solchen Rahmen gewürdigt zu sehen. „Vielleicht fühlen sich dadurch auch junge Leute angesprochen, sich bei der GMB um einen Job oder eine Ausbildungsstelle zu bewerben. Die GMB jedenfalls sucht Mitarbeiter“, sagt Weikinger.

„Tschernitz Fernsehglas“ – nur der Name der Bushaltestelle unmittelbar vorm Werk erinnert noch an längst vergangene Zeiten. Glas für Solaranlagen liefert das Unternehmen inzwischen in viele Gegenden Europas zwischen Portugal, Sizilien, Finnland und Estland. Zudem ist ein neuer Markt dazugekommen: Glas für hochmoderne Gewächshäuser geht nach Südkorea, Kanada, Norwegen. Die Mitarbeiterschaft hat sich von 140 im Jahr 2008 auf mittlerweile 300 mehr als verdoppelt. Und auf dem Mitarbeiterparkplatz sind Autokennzeichen aus mehreren sächsischen wie brandenburgischen Landkreisen zu finden.

Die Entscheidung für den Neubau der Schmelzwanne sei richtig gewesen. „Mit ihr läuft die Produktion seit dem 10. Januar 2016 optimal. Und das Gewächshausglas entwickelt so langsam zu einem zweiten Standbein“, sagt Josef Weikinger. Trotzdem macht er sich weiter Sorgen: „Die Billigimporte aus China erreichen trotz des Strafzolls nun über Umwege Europa. Und eine von der flämischen Regierung betriebene Solarglasfabrik, die jeden Arbeitsplatz mit jährlich 100 000 Euro subventioniert, bringt den Markt zusätzlich in eine Schieflage. Aber wir werden im Jahr 2017 wieder einen siebenstelligen Betrag in die Produktverbesserung und in Erweiterungen investieren“, verspricht Weikinger.

Zumindest die Solarbranche weiß jetzt, wo Tschernitz liegt: In Barcelona wurde die Interfloat Corporation mit dem Europäischen Solarpreis ausgezeichnet, weil sie mit der Glasmanufaktur Brandenburg bei der Umstrukturierung der Wirtschaft in der Lausitz hilft. Foto: Annett Igel-Allzeit

Dass die Gemeinde Tschernitz bisher noch keine Gewerbesteuererträge der GMB bekommt, liegt an der Ertragssituation. „In den vergangenen Jahren hatten wir durch die Marktsituation und das Dumping hart ums Überleben zu kämpfen. Steuerbare Erträge fielen so leider nicht an. Es sieht jetzt allerdings so aus, als würde sich die Lage allmählich verbessern“, sagt Weikinger.

Peter Drobig, Bürgermeister der Gemeinde Tschernitz, freut sich mit über den Preis. Er hat mit seinen Gemeindevertretern seit vielen Jahren gegen ein großes Haushaltsloch zu kämpfen. Als Samsung noch im Glaswerk zwischen den Ortsteilen Wolfshain und Tschernitz produzierte, gab es gemeinsame Feste mit Sport, Folklore und koreanischen Speisen. Und es tat nicht nur finanziell weh, als sich Samsung aus Tschernitz zurückzog. Aber inzwischen, so Drobig, wächst der Kontakt zur GMB.

„Klar, täten der Gemeinde mehr Gewerbesteuern gut. Aber ich freue mich auch, wenn die Glasmanufaktur auf unsere Vereine zugeht.“ Zum Kita-Jubliäum, erinnert sich Peter Drobig, haben sie vorbeigeschaut. Und die GMB-Betriebsfeuerwehr hat im Juni die freiwilligen Feuerwehren zur großen Übung eingeladen. „Und viele Tschernitzer und Wolfshainer haben hier wieder Arbeit“, so der Bürgermeister Das lässt den Anteil der Einkommensteuern der Bürger und Gewerbetreibenden, der an die Gemeinde fließt, steigen.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 24.11. 2016


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Aktualisierung:
24.11.2016


 

Die Solarglasproduktion läuft heute auch in Tschernitz weitgehend über hochmoderne Anlagen. Heiß kann es trotzdem noch werden.
Foto: GMB