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Als Kohle noch "schwarzer Dreck" war
Johannes Vette und Werner Schubert geben Einblick in Weißwasser Braunkohlegeschichte

VON DANIEL PREIKSCHAT


 

Die Pause zwischen zwei Ausstellungen nutzte der Förderverein des Glasmuseums, um in die Villa zu einem Fachvortrag über den Ursprung der Industriegeschichte Weißwassers einzuladen. Johannes Vette, Mitautor des 2005 erschienenen Buchs "Wer Weißwasser kennt …" zur Geschichte, Wirtschaft und Kultur der Oberlausitzer Region, sowie Ortshistoriker Werner Schubert sorgten dabei für so manchen Aha-Effekt bei den sehr interessierten Zuhörern.

Was wird in Weißwasser künftig überhaupt noch an die Bergbau- und Glasindustriegeschichte erinnern? "Wenn wir nicht aufpassen, gar nichts mehr", äußerte Vette schlimmste Befürchtungen schon zu Beginn des Abends. Eine Baggerschaufel und ein Hund-Förderwagen am Ortsausgang Richtung Boxberg, viel mehr nicht.

Zugleich bemühten sich Vette und Schubert aber mit ihrem Lichtbildervortrag einen kleinen Beitrag gegen das Vergessen zu leisten. Vieles von dem, was sie zu sagen und zeigen hatten, mochte den zumeist älteren Besuchern schon bekannt gewesen zu sein, einiges aber sicher noch nicht. Und im Zusammenhang vorgestellt und kommentiert, war der Zwei-Mann-Vortrag allemal hörenswert.

Das auch, weil sich die Vortragenden um Anschaulichkeit bemühten. So verglich Vette den Muskauer Faltenbogen, dem die ganze Region ihre bergbaugeschichtliche Bedeutung verdankt, mit einem Jackenärmel, den man ein wenig zusammengeschoben hat. In der gestauchten Landschaft waren die Kohlenflöze gut zugänglich. Gefördert wurden zunächst aber nur die Alaune, die vielfach verwendbar waren, zum Beispiel in Gerbereien oder bei der Papierherstellung. 1573, so Vette, wurde ein Alaunbergwerk in Bad Muskau erstmals urkundlich genannt. 1851 richtete der Prinz der Niederlande, der die Stammesherrschaft gekauft hatte, gar ein Alaunamt ein.

Allerdings, als ab 1860 Alaune in der sich entwickelnden Chemie-Industrie leichter und schneller zu gewinnen waren, rückte ein anderer Bodenschatz in den Blick. Zuvor als "schwarzer Dreck", wie sich Vette ausdrückte, abgetan und liegen gelassen, gewann die Braunkohle als Energielieferant für die Glasschmelze nun ihre immense Bedeutung für die Region. Als Kommerzienrat Emil Meyer aus Köthen mit der Standesherrschaft 1881 einen "Braunkohleauskohlungsvertrag" für die etwa 120 Hektar abschloss, durfte 30 Jahre lang gefördert werden. Das war so lange einfach, wie die Kohle noch nahe der Erdoberfläche lag. Erste Versuche indes, in tiefere Schichten vorzudringen seien wenig erfolgreich gewesen, so Werner Schubert. Erst als Emil Meyer seinen Schwager Joseph Schweig als Geschäftsführer des Braunkohlenwerks einsetzte, lief es besser. Der Kaufmann brachte ökonomischen Sachverstand mit, technische Kompetenz wusste er sich zu organisieren. In fünf langgestreckten Mulden wurde fortan abgebaut, Weißwasser in der Folge regelrecht unterhöhlt. 80 Kilometer Strecke, hat sich Schubert im Bauamt informiert, trieben die Bergleute durchs Erdreich. Weißwassers Untergrund, so Schubert, sah bald aus "wie ein Schweizer Käse".

1884 schuf sich der gewiefte Ökonom dann in unmittelbarer Nähe zum Abbaugebiet einen neuen Abnehmer seiner Kohle, erzählte der Ortshistoriker weiter. Er brachte Fachleute und Mitgesellschafter an einen Tisch und gründete die Glashütte Hirsch, Janke & Co. Der Startschuss für den Aufbau der Glasindustrie in Weißwasser war abgefeuert. Schweig widmete sich fortan dem Aufbau der Glasindustrie in Weißwasser, seinen Grubendirektor-Posten übernahm Adolf Hirsch. Johannes Vette drückte es so aus: "Als Schweig mit der Kohle keine Kohle mehr machen konnte, suchte er sich ein neues Betätigungsfeld."

Zu skizzieren, wie sich der Braunkohlenabbau in und um Weißwasser weiter bis in die Gegenwart entwickelte, war dann im Wesentlichen Vettes Part. Mithilfe von Archivaufnahmen konnte der Weißwasseraner dabei auch die technische Entwicklung bis zum Aufschluss des Tagebaus Nochten verdeutlichen.

Nach Vortragsende stand Vette noch lange dicht umdrängt von Interessierten, die Fragen hatten, Erinnerungen schilderten oder Widmung und Autogramm von ihm ins "Wer Weißwasser kennt ..."-Buch eingetragen haben wollten.
 


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 25.01.2014


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 26.01.2014


 

Auf reges Interesse stieß im Glasmuseum der Vortrag von Johannes Vette (l.) und Werner Schubert (2.v.l.).
Foto: D. Preikschat