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Coronakrise:
Wagenfelds 120. Geburtstag wird virtuell gefeiert
Der Industriedesigner Wilhelm Wagenfeld wäre im April 120 Jahre alt geworden. Das Glasmuseum Weißwasser hat ihm zumindest virtuell gratuliert. Wegen Corona ist es geschlossen. Es gibt aber positive Signale für eine Öffnung.

Von Christian Köhler


Im Weißwasseraner Glasmuseum ist, wie derzeit in fast allen öffentlichen Einrichtungen, Menschenleere. Die Fundstücke aus der Eiszeit aus den Tagebauvorfeldern von Nochten und Reichwalde können nicht von Besuchern bestaunt werden. Dabei ist die Ausstellung sehr gut angenommen worden, wie die Museumsleiterin Christine Lehmann bestätigt: „Wir haben knapp 600 Besucher seit der Eröffnung in der Ausstellung sowie den Führungen und Vorträgen begrüßen können“, schwärmt sie. Und das sei durchaus beachtlich. Immerhin stehe die eigentliche Hochsaison für das Museum noch an.

Museen in Sachsen könnten ab 4. Mai wieder öffnen

Die nämlich ist in der Regel von Ostern an bis in den Mai. Dann, wenn viele Besucher etwa nach Bad Muskau ins Kulturhotel strömen, sich den Kromlauer Rhododendronpark ansehen und dann eben einen Abstecher ins Glasmuseum nach Weißwasser machen. „Aber im Moment ist alles geschlossen. Wir können nicht sagen, wie sich die Besucherzahlen im Laufe des Jahres entwickeln“, sagt Christine Lehmann.

Dennoch hat sie eine positive Botschaft: „Der Sächsische Museumsverband hat uns darüber informiert, dass voraussichtlich ab 4. Mai die Museen in Sachsen wieder öffnen können“, sagt sie. Tatsächlich teilt der Verband mit: „Die sächsischen Museen dürfen voraussichtlich ab dem 4. Mai wieder öffnen.“

Für das Glasmuseum bedeutet das, sämtliche Hygienevorschriften der Landesregierung müssen umgesetzt werden. „Es wird allerdings bestimmt eine Beschränkung von der Besucheranzahl geben müssen, die in die Ausstellung wollen“, schätzt die Leiterin.

Sonderschau im Glasmuseum Weißwasser wird verlängert

Und kommt dann gleich zur zweiten guten Nachricht: Die Sonderschau „Steinschläger. Pechkocher. Herzensbrecher – 14 000 Jahre Fundgeschichten im Lausitzer Tagebaurevier” ist verlängert worden und kann bis zum 28. Juni in Weißwasser bewundert werden. Anschließend soll sie zur großen Eröffnung der sanierten Energiefabrik Knappenrode die dortigen Ausstellungsräume füllen.

Die Leiterin und der Förderverein des Glasmuseums sind stolz darauf, dass die Ausstellung nicht nur gut ankommt, sondern auch von anderen Einrichtungen quasi angefordert wird. „Deshalb ist es schon schade, dass wir durch die Coronakrise in einen Dornröschenschlaf versetzt wurden“, räumt Christine Lehmann ein.
Kein Glassymposium in Tschechien mit Beteiligung aus Weißwasser

Und das Coronavirus hat der Ausstellungsplanung des Museums auch noch weitere Striche durch die Rechnung gezogen. Denn: Bereits im September des vergangenen Jahres hat die Stadt Weißwasser eine Kooperationsvereinbarung mit dem tschechischen Kamenicky Senov unterzeichnet. Schon damals kündigte Jana Panacková vom Verein Glasgravur aus Kamenicky Senov an: „Wir planen ein internationales Symposium des Glasgravierens.“

Und das Symposium hätte nun im Juni stattgefunden – wenn nicht das Coronavirus dazwischen gefunkt hätte. „Es war vorgesehen, dass eine Delegation aus Weißwasser an den Workshops teilnimmt und die Ergebnisse bei uns im Museum ausgestellt werden“, berichtet Christine Lehmann. Das fällt nun aus.

Allerdings arbeite das Museum schon intensiv an Ersatz: „Wir hatten eine Geschichtsstudentin bei uns im Praktikum, die sich mit den Glashütten in Rietschen beschäftigt hat“, berichtet die Leiterin. Aus historischen Dokumenten sowie dem Museumsfundus – Weißwasser hat mehrere Gläser, die einst in Rietschen produziert wurden – ließe sich eine Kabinettsausstellung erarbeiten. „Es sind allerdings noch einige Dinge offen und noch nicht in dem Topf, wo es kocht“, sagt Christine Lehmann. Man könne sich überraschen lassen.

120. Geburtstag von Weißwassers Ehrenbürger Wilhelm Wagenfeld

Am 15. April 1900 hat Weißwassers zweiter Ehrenbürger Wilhelm Wagenfeld in Bremen das Licht der Welt erblickt. Gemeinsam mit Ernst Neufert ist Wagenfeld das Aushängeschild des Glasdesigns in Weißwasser. 2016 ist der Bauhausschüler und Glasdesigner Wagenfeld zum zweiten Ehrenbürger der Stadt ernannt worden. „Ohne die verschiedenen Entwürfe Wilhelm Wagenfelds bis in die 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein wäre die Designgeschichte in der Industrie, auch der westdeutschen, nicht denkbar.“ Zu dieser Einschätzung kommt etwa Dr. Walter Scheiffele.

Das Glasmuseum Weißwasser hat aufgrund der Corona-Pandemie zumindest in Sozialen Netzwerken auf den Geburtstag aufmerksam gemacht. „Wir haben verstärkt im Internet Präsenz gezeigt“, beschreibt Christine Lehmann, ,,und eine Kooperation mit dem Unternehmen Stölzle sowie dem City-Management in Weißwasser gestartet.“ Trotzdem hofft sie, das Museum im Mai wieder für Besucher öffnen zu dürfen.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 25.04.2020


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 25.04.2020


Dieses Goldstück ist etwa im Tagebau gefunden worden. Es ist im Glasmuseum Weißwasser ausgestellt.
© Foto: J. Rehle
 
 
 
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