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Einblicke in die Trinkkultur
Prof. Christian Jentsch spricht in Weißwasser über die Geschcihte der Weingläser. Von diesen bekamen die Frauen früher stets die kleinsten.
 


Sage mir, woraus du trinkst, und ich sage dir, wer du bist! So oder ähnlich hätte der Titel der Finissage der Sonderausstellung "Weingläser aus vier Jahrhunderten" im Glasmuseum Weißwasser am Sonntag lauten können. Prof. Christian Jentsch nennt seinen finalen Vortrag indes "Das Weinglas im Lichte der Trinkkultur".

Das Weinglas nicht gleich Weinglas ist, dürfte den meisten der zahlreichen Gäste bereits klar gewesen sein. Doch wohl kaum jemand dürfte gewusst haben, dass diese Produkte noch vor 300, 400 Jahren als absolute Luxusgüter gehandelt wurden. Das einfache Volk, das meist aus Keramikgefäßen trank, konnte sich zunächst ohnehin kaum Glas leisten. Und selbst die adligen Höfe besaßen nur wenige Weingläser. Bei Banketten, so hat Christian Jentsch recherchiert, gaben die Anwesenden diese Gefäße die Reihe lang herum, sodass fast alle aus ein und demselben Gefäß tranken.

Im 18. Jahrhundert war an solch einer Tafel auf den ersten Blick zu sehen, wer dort das Sagen hatte. "Die höchste Standesperson trank aus dem größten Glas", erklärt der Referent. Wer als weniger wichtig galt, bekam ein entsprechend kleineres Gefäß. Doch die kleinsten Gläser waren immer den Frauen vorbehalten. "Sicherlich, weil die nicht so viel vertragen", kommt ein Einwurf aus dem Publikum im Glasmuseum. Christian Jentsch lässt diese Aussage ohne Wertung im Raum stehen.

Allerdings gab es selbst Monarchen, die dem gläsernen Luxus nur wenig Bedeutung beimaßen. Beispielsweise Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. "Er hatte die Prunksucht seines Vaters satt, da dieser ihm einen Schuldenberg hinterließ", weiß Christian Jentsch. Stattdessen investierte der Landesherr ins Militär, in die Landwirtschaft und in die Reformierung seiner Verwaltung. Seinen Wein dagegen pflegte der Preußenkönig aus einem einfachen schlichten Glas zu trinken.

Seit dieser Zeit hat sich die Trinkkultur stark gewandelt. Längst sind Weingläser Massenware. Einen der wichtigsten Aspekte dabei bildet der Transport. Musste das fragile Glas früher über holprige Waldwege oder per Schiff vom Erzeuger heil zum Kunden gebracht werden, bot die Eisenbahn ab dem 19 .Jahrhundert ganz neue Möglichkeiten.

Wurde Rotwein, den es einst in Deutschland nicht gab, grundsätzlich aus kleinen Gläsern getrunken, sind heute wesentlich größere Gefäße üblich. "Erst mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ab den 1950er-Jahren setzte diese Änderung ein. Plötzlich standen kostengünstig Rotweine aus Frankreich, Spanien und Italien zur Verfügung. Alles eine Transportfrage", so Christian Jentsch.

Der gebürtige Oberlausitzer, der in seiner Ausstellung im Glasmuseum Weißwasser rund 100 Weingläser aus vier Jahrhunderten präsentiert hatte, verweist darunter auf einige wenige Exponate aus Weißwasser. "Im Zuge der Weltwirtschaftskrise, die im Herbst 1929 begann, mussten Gläser hergestellt werden, die einfach funktionieren", berichtet der 81-jährige Gläsersammler, der heute in Lübeck lebt. Dabei habe der Oberlausitzer Glasmacherort eine nicht unbedeutende Rolle gespielt.

Indes wird im Glasmuseum die nächste Sonderausstellung vorbereitet. Dabei geht es um einen Künstler aus dem Umfeld des Cottbuser Malers Carl Blechen. Die Eröffnung ist für die zweite Augusthälfte vorgesehen.
(amz1)


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 25.07.2017


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Aktualisierung:
26.07.2017


 

Hier präsentiert Prof. Christian Jentsch Weingläser aus der Zeit um 1890. Diese wurden in der Weißwasseraner Gehlsdorf-Hütte hergestellt.
Foto: amz1