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,,Apparate wärmstens empfohlen''
Das Gaswerk der Stadt Weißwasser (Teil 5)

VON LUTZ STUCKA 


Die Verwendung von Leucht-, Koch- und Heizgas breitete sich Anfang der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts rasant aus. „Überall Gas verwenden, aber nicht verschwenden – rasch – sauber – billig“, versprach die Werbung der ,,Centrale für Gaslieferung in Weißwasser'' und wies auf den perfekten Wohnkomfort Mitte der dreißiger Jahre hin. Auch wurde das „Ständige Lager für Beleuchtungs-, Heiz- und Kochapparaten aus den besten, weltberühmten Werken zu mäßigen Preisen im Ort wärmstens empfohlen''.

Besonders zur Belieferung von Kraftgas industrieller Verwendung stand das technische Büro des Werkes bereit, um Projekte auszuarbeiten, aber auch um Herstellung und Lieferung kompletter Anlagen zu managen. Verarbeitet wurde im Gaswerk Weißwasser Waldenburger Steinkohle aus Niederschlesien, deren Koks anschließend an den Entgasungsprozess abgelöscht und besonders für den Betrieb von Zentralheizungen und in industriellen Bereichen Verwendung fand. Den kontinuierlichen Abverkauf sichernd, wurden sogar Teilzahlungsmodelle den Kunden beim Brennstoffbezug angeboten.

38 Dienstjahre

Nach 38 Dienstjahren ging im Alter von 69 Jahren der Direktor des Werkes, Johann Hermann Erhardt, im Jahr 1942 in den Ruhestand. Lange Zeit hatte er nach einem geeigneten Nachfolger gesucht, bis er in Ingenieur Ernst Gebhardt den richtigen Mann fand.

Während der Kampfhandlungen um Weißwasser im Frühjahr 1945 drang das 44. Garde-Schützen-Regiment der 15. Garde-Schützen-Division der Roten Armee von Nordosten her, entlang des Gablenzer- und des Kromlauer Weges, nach Weißwasser vor. Als die Soldaten die Forster Bahnlinie erreicht hatten, schlug ihnen ein heftiges Feuer aus Infanteriewaffen und Granatwerfern sowie einigen Panzerabwehrkanonen der Verteidiger entgegen. Es kam zum kurzen aber hartem Kampf, worauf das hier befindliche Gaswerk nicht unerheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde.


Nach dem Krieg zählte es zu einer der ersten Aufgaben, die Brennstoff herstellenden Betriebe schnellstens wieder funktionstüchtig zu machen. Neben den Braunkohlengruben war auch das Gaswerk lebenswichtig. Schon Mitte September 1945 konnte im beschädigten Werk wieder Stadtgas erzeugt werden.

Allerdings war es nur möglich, Verbraucher an unzerstörten Leitungsabschnitten zu versorgen. Auf den mittleren Gasbehälter musste allerdings verzichtet werden, er war während der Kampfhandlungen irreparabel beschädigt worden. Auch auf den technischen Leiter, Gasmeister Karl Kreisel, konnte Direktor Gebhardt nicht mehr zurückgreifen, er wurde wegen seines Amtes als Ortsgruppenleiter der Regimepartei von der Besatzungsmacht in Haft genommen. Neben der Glasindustrie war die Kommune Hauptabnehmer des Brennstoffes aus dem Gaswerk. Somit wurde diese Produktionsstätte auch der ,,Abteilung Stadtverwaltung'', die 1946 gebildet wurde, zugeordnet. Drei Jahre später erfolgte eine Neuorganisation. Das eben gegründete ,,Kommunale Wirtschaftsunternehmen'' (KWU) übernahm das ,,Städtische Gaswerk'' in Eigenregie. Als sich Ende der fünfziger Jahre das KWU bis auf die Wohnungsverwaltung der Stadt reduzierte, wurden alle Kommunalbetriebe ausgegliedert. Einige verbanden sich mit fachgleichen Unternehmen der Region, um effektiver arbeiten zu können. So auch das Gaswerk in Weißwasser. Der Betrieb wurde als ,,Gaswerk Weißwasser der Energieversorgung Cottbus, Meisterbereich Gas'' geführt und als Betriebsleiter Anfang der sechziger Jahre handelte Georg Freier.


Mit dem Produktionsbeginn des Gaskombinates Schwarze Pumpe, welches künftig als Gasfernversorger der Region fungieren sollte, hatte auch Weißwassers Werk als Steinkohlengasproduzent 1964 sein aktives Ende erreicht. Der Einwohnerzuwachs mit Beginn der sechziger Jahre machte für Weißwasser eine Ferngasversorgung unumgänglich, das Stadtwerk hätte diese Aufgabe nicht erfüllen können.


Mitte der 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts entwickelten die Wissenschaftler Rammler und Bilkenroth eine Methode, womit aus Braunkohle hüttenfähiger Koks, Braunkohlen-Hochtemperaturkoks (BHT), hergestellt werden konnte. Dieses Verfahren wollte man auch im Gaswerk Weißwasser testen.

Statt der Vergasung von Steinkohle mit dem Nebenprodukt Steinkohlenkoks erfolgte nun die Vergasung von Braunkohlenbriketts mit dem Hauptprodukt BHT-Koks und dem Nebenprodukt Braunkohlengas, was als Stadtgas zusätzlich zum Ferngas verwendet wurde. Der Einsatz von Steinkohle aus dem Import von Polen und der Sowjetunion wäre auf Dauer zu kostspielig geworden. lzs1


Zum Thema:

1927. Im Zuge des großen Rathausumbaus werden Wohnungen unter dem Dach für Beamte (Polizeibeamter, Rathausdiener) neu geschaffen bzw. umgestaltet. Der gleichzeitige Auszug der Freiwilligen Feuerwehr in ein anderes Depot in der Görlitzer Straße wird genutzt, um Räume für andere Verwendungen zu schaffen. Die großen Tore wurden zugemauert und Fenster eingebaut. Einige Räume werden vermietet. Zum Beispiel wird ein Ladengeschäft eingerichtet, welches als Informations- und Ausstellungspunkt für das Gaswerk Weißwasser Verwendung findet. Hierher werden interessierte Einwohner geladen, denen der Gebrauch eines Gaskochers oder gar einer Gasheizung nahegelegt wird. 1952. Die Gasversorgung der Stadt hat ihre Grenzen überschritten. Der Industrieverbrauch ist derart angestiegen, dass die Gasabgabe an Haushalte nur von 5 - 7 Uhr und 11 - 13 Uhr sowie von 18 - 21 Uhr erfolgen kann. Im Sommer des Jahres soll ein weiterer Kammerofen im Gaswerk entstehen. Dazu kommt es nicht, denn Weißwasser soll künftig über eine Ferngasleitung versorgt werden.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 25.11.2010


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Aktualisierung: 27.11.2010


 

Der Steinkohlenschredder an der Bahnlinie Forst – Weißwasser.
Foto: privat