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Stadt will Glasfachschule erwerben
Vorkaufsrecht für Kulturdenkmal in Weißwasser / Kaufpreis 150 000 Euro

Von Daniel Preikschat

 



Der Stadtrat von Weißwasser hat am Mittwoch den Kauf der Glasfachschule für 150 000 Euro beschlossen. Damit scheint das lange Gezerre um die wertvolle Innenstadt-Immobilie endlich ein Ende gefunden zu haben.

Einen Tag nach dem Stadtrat-Beschluss spielt Noch-Eigentümer Peter Barwich aus Offenbach den guten Verlierer. "Ende gut, alles gut", sagt der Rendite-Immobilienhändler der RUNDSCHAU. Er sei zwar unglücklich, dass er seinen Seniorenresidenz-Plan für die Immobilie nicht umsetzen konnte. Andererseits freue er sich mit seinen 73 Jahren, nun von der Last der Immobilie befreit zu sein. Gern hätte er der Stadt das Objekt schon früher für diese Summe verkauft, versichert er.

Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) kann nur müde lächeln, wenn er das hört. Barwich habe der Stadt nie einen Kaufpreis genannt und wollte immer nur mögliche Interessenten für die Glasfachschule genannt bekommen, um dann selbst mit ihnen zu verhandeln. In den acht Jahren, in denen ihm das stadtgeschichtlich und stadtplanerisch enorm wichtige Kulturdenkmal gehörte, habe er nichts investiert. Im Gegenteil sei er Stadt und Stadtwerken Steuern und Gebühren in fünfstelliger Höhe schuldig geblieben.

Schulden bei Dresdner Planern

Verschuldet ist Barwich aber auch bei der Bau- und Ingenieur-Consulting GmbH Dresden, die für ihn die Planung für die Senioren-Residenz erstellt und einen Bauantrag beim Landkreis Görlitz gestellt hatte. Barwich, sagt Firmenmitarbeiter Jürgen Marr, habe nicht einmal die Bearbeitungsgebühr für den Bauantrag zahlen können. Weil das Planungsbüro auf seinen Kosten sitzen zu bleiben drohte, habe es bereits eine Forderung in fünfstelliger Höhe per Gerichtsbeschluss ins Grundbuch eintragen lassen. Der Eintrag weiterer 65 000 Euro werde folgen, so Marr.

Mit diesen rechtlichen Schritten zwangen die Dresdner Barwich zum Handeln. Bevor es auch zu dem Eintrag der 65 000 Euro per Gerichtsbeschluss kommt, wollte der Offenbacher die Glasfachschule seiner Lebensgefährtin überlassen und setzte für sie im Februar einen Kaufvertrag über 150 000 Euro auf. Parallel versuchte er, die Immobilie in Berlin zu versteigern, wo sich jedoch kein Interessent fand.

Kaufpreis im Haushalt eingeplant

Der Kaufvertrag, so Torsten Pötzsch, bot der Stadt endlich die Gelegenheit, dem Eigentümer die Immobilie "zu entreißen". Dabei macht sie von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch. Das hatte sie sich 2005, als Peter Barwich die Immobilie im Eigentum des Landes Sachsen ersteigerte, in den Kaufvertrag schreiben lassen. Im kürzlich beschlossenen Haushalt 2013 hatte die Stadt bereits vorsorglich 250 000 Euro für den Erwerb von Grundstücken eingestellt. Mit den 150 000 Euro, so Pötzsch, würden zunächst die Gläubigerforderungen befriedigt. Ob noch Geld für Barwich übrig bleibe, bezweifelt er.

Der Oberbürgermeister ist sicher: Endlich im Eigentum der Stadt, könne es mit der Glasfachschule nur besser werden. Ein erstes Konzept für die künftige Nutzung hat das Dresdner Ingenieurbüro der Stadt schon einmal kostenfrei zur Verfügung gestellt, wie Jürgen Marr bestätigt. Um Haupt-, Wohn- und Lagerhaus auszulasten, kommt für die Dresdner nur eine Vielfachnutzung infrage. In Weißwasser und Umgebung bestehe Bedarf an behindertengerechten Wohnungen, an Arztpraxen, Apotheke, Behindertenwerkstatt und Hospiz. Sie könnten die 5120 Quadratmeter Nutzfläche ausfüllen, so Marr.

Die Idee eines Sportinternats mit dem Schwerpunkt Eishockey in dem Gebäudekomplex, wie sie jüngst im Rahmen einer Planungswerkstatt in der Stadt geäußert wurde, hält Marr für bedenkenswert: "Das könnte man in unser Konzept integrieren." Ein Internat allein jedoch laste die Glasfachschule nicht aus.

 

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Zukunft nun selbst in der Hand

Dank des Vorkaufsrechtes, das sich die Stadt Weißwasser 2005 klugerweise grundbuchrechtlich sichern ließ, kann sie nun endlich die Glasfachschule erwerben. Die Bausubstanz ist trotz jahrelangen Leerstands offenbar noch gut.
Eine Nutzung für einen Gebäudekomplex dieser Dimension zu finden, ist nicht leicht. Doch dafür haben die Weißwasseraner es nun selbst in der Hand, aus dem für sie wertvollen Gebäude etwas zu machen und müssen keine bösen Überraschungen mehr erleben.


 

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 25.04.2013


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 26.04.2013


 

Stadt will Glasfachschule erwerben Die Glasfachschule hat in den letzten Jahren arg gelitten.
Foto: D. Preikschat