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Telux geht unter den Schutzschirm
Spezialglasfirma in Weißwasser soll in den kommenden Monaten finanziell saniert werden

VON Regina Weiß



In den kommenden drei Monaten soll ein Sanierungskonzept für die Telux Spezialglas GmbH in Weißwasser erarbeitet werden. Dafür geht der Betrieb sozusagen unter den gesetzlich zulässigen Schutzschirm. In dieser Zeit ist das Unternehmen frei von Vollstreckungsmaßnahmen und kann eigenverantwortlich handeln.
Das Unternehmen ist nicht zahlungsunfähig." Das will Andrew Seidl am gestrigen Freitagnachmittag beim Pressetermin in der Telux GmbH ganz dick unterstrichen wissen. Insolvenz sei leider ein negativ belegtes Wort, doch das Verfahren sei im Telux-Fall ganz bewusst gewählt worden, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu halten. "Man muss sich das vorstellen wie die Reset-Taste am Computer, womit er neu hochgefahren wird", so der Fachanwalt für Insolvenzrecht und seit Ende April Sanierungsgeschäftsführer der Telux. Die Neuregelungen im Insolvenzrecht lassen es zu, dass ein Schutzschirmverfahren zur Anwendung kommt. In diesem Rahmen wird innerhalb von drei Monaten ein Sanierungskonzept erstellt. Unter der "Käseglocke" geschützt, habe das Unternehmen Zeit, eigenverantwortlich zu agieren, ein Sachverständiger sei ihm vom Gericht zur Seite gestellt.

"Wir sind unseres Wissens nach das erste Schutzschirmverfahren am Gericht in Dresden und vermutlich sogar in ganz Sachsen", so Seidl.

In den drei Monaten sollen Schritte erarbeitet werden, um die Telux finanziell zu entlasten. Denn zwei "Altlasten" machen dem Glasbetrieb Sorgen. Zum einen erhielt das Unternehmen vor Jahren Fördermittel der Europäischen Union – dies mit der Maßgabe, 186 Arbeitsplätze dauerhaft zu erhalten. Zum anderen gab es eine Anleihe einer Bank, die zu 100 Prozent in den Aufbau der Anlage für Autolampen gesteckt wurde. Einmal geht es um 6,1 Millionen Euro, das andere Mal um vier Millionen Euro. Die Anleihe wird im Dezember fällig, bei den Fördermitteln wird in Kürze mit dem Eingang des Rückzahlungsbescheides gerechnet. Verhandlungen hatten im Vorfeld zu keinem Erfolg geführt.

"Fakt ist, wir haben den Vertrag mit den Arbeitsplätzen nicht einhalten können", so Telux-Geschäftsführer Andreas Nelte. Was das Unternehmen aber auch nicht kann, sind die rund zehn Millionen Euro nun aus dem laufenden Geschäft zu refinanzieren. Denn der Umsatz des Unternehmens ist von 18 auf acht Millionen Euro gesunken. Der Technologieumbruch im TV-Bereich hat die Telux drei Produktionsbereiche und 60 Prozent Umsatz gekostet. Und als wenn diese Schwierigkeiten in den Jahren 2007/2008 nicht ausgereicht hätten, folgte 2008/2009 die Finanz- und Wirtschaftskrise – mit Glaskörpern für die Autoindustrie brach ein weiterer Bereich weg. 2010/2011 gelang es, das Unternehmen aus der Verlustzone zu holen und leichte Gewinne einzufahren, so Andreas Nelte. Auf diesem Weg will man weitermachen. So soll die Anlage zur Produktion von Hartglasrohren für die Autolampen wieder in Betrieb genommen werden. Verhandlungen laufen. Andreas Nelte denkt, dass es ab Anfang 2013 losgehen kann.

"Die Kunden sind informiert, sie tragen die Sanierung mit", berichtet Andrew Seidl. Und auch die Mitarbeiterschaft ist am Freitag über das nun anstehende Verfahren informiert worden. "Es sind keine Entlassungen, keine Einschnitte geplant", so Seidl weiter.

Derzeit arbeiten 92 Frauen und Männer in der Telux und liefern Glaskörper unter anderem für Osram, Philips und General Electric. Auf 18,5 Millionen Glaskolben beläuft sich die durchschnittliche Jahresproduktion. Dafür werden rund 30 Tonnen Glasschmelze am Tag gebraucht. Die Schmelzwannen müssen im 24-Stunden-Betrieb unterhalten werden.

1880 erfolgte am jetzigen Telux-Standort die erste Glasproduktion. In den 1920er-Jahren gehörte das Haus zu Osram, zu DDR-Zeiten war es die Einheit. Seit dem 1. Januar 1993 wurde es als Telux privatisiert.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 26.05.2012


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Aktualisierung:
26.05.2012