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Ist die TELUX zu retten?
Der Spezialglashersteller ist von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. 
Das Tradionsunternehmen will sich durch eine Insolvenz retten.

Von Thomas Staudt



Das Schlimmste wird nicht eintreten: Nach Pressemeldungen vom Freitag sahen viele die Telux-Spezialglas Weißwasser geschlossen und die Mitarbeiter auf der Straße. "Wir sind nicht zahlungsunfähig, sondern von Zahlungsunfähigkeit bedroht", steuerte Telux-Geschäftsführer Andreas Nelte noch am selben Tag gegen. Im Klartext: Die Produktion läuft weiter, Entlassungen wird es nicht geben - trotz der nicht weg zudiskutierenden finanziellen Schieflage des Unternehmens. Hintergrund sind Verbindlichkeiten in Höhe von zehn Millionen Euro. So soll die Telux wegen nicht eingehaltener Arbeitsplatzzusicherungen 6,1 Millionen Euro an EU-Fördermitteln zurückzahlen. Außerdem stehen Bankanleihen von vier Million Euro zu Buche. Beide Summen sind zum Ende des Jahres fällig, aber durch die Finanzausstattung und die zu erwartenden Gewinne nicht gedeckt. Deshalb stellte die Geschäftsführung nach dem Scheitern einer außergerichtlichen Einigung am Donnerstag einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens. 

Innerhalb von drei Monaten soll nun ein Insolvenzplan erarbeitet werden. Als vordergründiges Ziel nannte Andrew Seidl die Reduzierung der Gläubigerforderungen. Der Fachanwalt für Insolvenzrecht steht Andreas Nelte als Sanierungsgeschäftsführer bis zum Abschluss des Verfahrens beratend zur Seite. Dabei wird zum ersten Mal im Amtsgerichtsbezirk Dresden - laut Seidl sogar in Sachsen - das so genannte Schutzschirmverfahren im Rahmen des seit dem 1. März gültigen Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) angewandt. Statt der bis dato nicht unüblichen Abwicklung eines Unternehmens soll damit das Gelingen des Insolvenzplans und die Weiterexistenz des Unternehmens gesichert werden. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter vertritt die Interessen der Gläubiger. Dei "klassische" Insolvenzverwalter entfällt. Das Unternehmen bleibt während des Verfahrens selbst verwaltet. 

Die Telux-Spezialglas GmbH produziert technische Gläser für verschiedene Anwendungsbereiche. Die Glaskolben aus Weißwasser stecken in Straßenbeleuchtungen, Photovoltaikanlagen und Fabriklampen ebenso wie in den Außenbeleuchtungen für Sportstadien, Flugplätze und Firmengelände. Derzeit produziert das Unternehmen überwiegend für die Automobilindustrie. Hauptabnehmer sind die Leuchtmittelhersteller Philips, General Electric und Osram. Die insgesamt 92 Mitarbeiter stellen sortimentsabhängig zwischen 35.000 und 55.000 Glaskolben pro Tag her. Der Betrieb läuft im Dreischichtverfahren an 365 Tagen im Jahr. Das entspricht einer Tagesleistung von 30 Tonnen Glasschmelze oder 11.000 Tonnen jährlich. 
Die Wurzeln des Traditionsunternehmens gehen bis auf das Jahr 1880 zurück. Seine Erfolgsgeschichte ist eng mit dem Großindustriellen und Weißwasseraner Ehrenbürger Josef Schweig verbunden. In den 20er Jahren entstand durch die Verschmelzung mit zwei anderen Unternehmen das Stammwerk von Osram. Mit der Etablierung der DDR wurde die Produktion verstaatlicht. Als Spezialglaswerk Einheit wurde das Unternehmen 1993 reprivatisiert. 2007 brachen drei der fünf Produktionsbereiche und damit 60 Prozent des Umsatzes mit dem Technologiewandel bei Fernsehgeräten komplett weg. Weitere 40 Prozent Umsatzeinbußen sind der Wirtschafts- und Finanzkrise geschuldet.
Ein erneuter Umsatzeinbruch sei aber nicht zu befürchten, sagte Andrew Seidel. Ein Dreijahresvertrag mit einem Großkunden sichert die Abnahme von zwei Dritteln der derzeitigen Produktion. Geht der Sanierungsplan auf, könnte die Telux schon vor Ende des Jahres aus dem Insolvenzverfahren entlassen werden.


Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 26.05.2012


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Aktualisierung:
26.05.2012


 

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Foto: A. Schulze