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Strukturwandel in Sachsen:
Die Stadt Weißwasser kauft die Gelsdorfhütte

VON Christian Köhler
 


Die Stadt Weißwasser ist Eigentümerin der Gelsdorfhütte und des dazugehörigen Geländes. Hier soll ein Behörden- und Forschungscampus entstehen. Zudem wird die alte Kita „Regenbogen“ als Bürostandort verkauft und entwickelt.

Die Stadt Weißwasser wird das Gelände rings um die Gelsdorfhütte zwischen Forster- und Jahnstraße kaufen. Das hat der Stadtrat am Mittwochabend (26. Mai) mehrheitlich bei einer Gegenstimme von Roberto Kuhnert (AfD) und Enthaltungen der AfD-Fraktion beschlossen. Der bisherige Eigentümer der Fläche, die einstige Lausitzer Glaswerke GmbH, befindet sich seit mehr als 25 Jahren in Liquidation. Seither bemüht sich die Stadt darum, die entstandenen Missstände zu beseitigen und Eigentümer des Geländes zu werden.

Die Stadt Weißwasser kauft mehrere Grundstücke

Mehrfach hat es in den vergangenen Jahren dort gebrannt, ist der Eigentümer seiner Sicherungspflicht nicht nachgekommen. Die älteste Glasfabrik der Stadt ist inzwischen nur noch eine Ruine. Kommt der Kauf zustande, so berichtet Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext), wird die Stadt zudem Eigentümer des ehemaligen Gaswerkes am Gablenzer Weg, der 2011 durch den Kreis Görlitz sanierten ehemaligen Mülldeponie An der Philippine sowie einer Kleingartenanlage an der Mühlenstraße. Insgesamt handelt es sich um knapp 80.000 Quadratmeter Fläche. „Wir verhandeln seit Jahren mit den Eigentümer und sind nun übereingekommen, die Grundstücke für maximal 50.000 Euro zu erwerben“, erklärt Torsten Pötzsch. Der Haken daran sei lediglich, alle Grundstücke übernehmen zu müssen – „und dass es sich um Altlastenverdachtsflächen handelt“.

Die Altlastenbeseitigung auf dem Gelände der Gelsdorfhütte kostet rund 12,5 Millionen Euro

Für die Sanierung jener Altlasten an der Gelsdorfhütte hat der Kreis Görlitz gemeinsam mit der Entwicklungsgesellschaft Niederschlesien-Oberlausitz, an der Weißwasser beteiligt ist, einen Antrag im Rahmen des Strukturförderungsgesetzes gestellt. „Dies ist als eines von sieben Projekten im Kreis Görlitz bewilligt worden“, erklärt Torsten Pötzsch. Für insgesamt 12,5 Millionen Euro sollen die Altlasten beräumt und die knapp 38.000 Quadratmeter große Fläche zwischen Jahn- und Forster Straße urbar gemacht werden.
„Es ist unstrittig, dass das Gelände der Gelsdorfhütte ein Missstand ist“, meldet sich Ronald Krause (SPD) zu Wort. Ihm erscheint der Kaufpreis für die Grundstücke jedoch zu hoch, denn „eine ehemalige Mülldeponie und ein mit Altlasten behaftetes Gaswerk zu kaufen, das macht man nicht“.

„Schandfleck“ in der Innenstadt von Weißwasser soll beseitigt werden

Lieber würde er sehen, dass das Gelände über eine Zwangsversteigerung erworben würde. „Zumal die Stadt nach meinem Kenntnisstand eine sechsstellige Summe an Forderungen gegenüber dem Eigentümer hat, womit sich der Kaufpreis erhöht“, so Ronald Krause. Torsten Pötzsch entgegnet, dass das alte Gaswerk ein separates Projekt im Strukturwandel werden könne, die Deponie durch den Kreis saniert worden sei. „Es gibt keine Möglichkeit, die Forderungen beglichen zu bekommen“, argumentiert der OB, „also entweder wir wollen etwas entwickeln oder aber es passiert nichts“. Frühere Versuche, das Gelände zu kaufen, seien gescheitert, nun biete sich die Chance. „Mir ist wichtig, dass der Schandfleck wegkommt“, äußert sich Andreas Friebel (Klartext), „und wenn es jemanden gibt, der dort etwas tun will, sollten wir ihm keine Steine in den Weg legen“.

Bewegung könnte auch in das Gebiet „Allbau-Ziegelei“ kommen

Ähnlich sieht das Hans-Eckhard Rudoba (Linke), „denn eine Stadt, in der keine Entwicklung stattfindet, hat keine Zukunft“. Ferner sei aus seiner Sicht die Entwicklung des angrenzenden Gebietes „Allbau-Ziegelei“ nur zusammen mit dem Areal der Gelsdorfhütte denkbar. Laut Torsten Pötzsch gibt es auch für dieses Gebiet einen Investor, der Wohnungen sowie Gewerbeeinheiten in nachhaltiger Bauweise errichten will.

Jens Glasewald (AfD) will wissen, ob die Altlastensanierung die Stadt tatsächlich nichts kostet. Das bestätigt Torsten Pötzsch. „Und Sie sprechen von Investoren. Geht es auch genauer?“ Der Oberbürgermeister verweist auf einen Bebauungsplan (B-Plan), der noch aufzustellen sei. „Ziel ist es, einen Forschungs- und Entwicklungscampus mit Arbeits- und Wohnungsbau zu errichten“, so Torsten Pötzsch. Dazu soll die Fläche, nachdem sie von den Altlasten befreit ist, an die BoB Immobiliengesellschaft GmbH in Berlin für 580.000 Euro verkauft werden. Diese habe der Stadt ein Angebot unterbreitet, was Geschäftsführer Geschäftsführer Till-Oliver Kalähne der Rundschau bestätigt. Dem Vorhaben stimmt der Stadtrat ebenfalls bei einer Gegenstimme von Roberto Kuhnert zu.

Ehemalige Kita „Regenbogen“ wird zu einem Bürokomplex

Jene Gesellschaft wird zudem Eigentümerin der ehemaligen Kita „Regenbogen“ an der Bertolt-Brecht-Straße in Weißwasser. Der Kaufpreis beträgt 310.000 Euro und setzt sich aus dem Grundstückswert sowie dem Wert für den Gebäudebestand zusammen. „Wir haben das Objekt ausgeschrieben und dafür das Angebot erhalten“, erklärt Torsten Pötzsch. Aus der einstigen Kita soll ein Bürokomplex mit 120 Arbeitsplätzen entstehen, berichtet er. Auch ein Anbau sei geplant. In Rede steht, dass das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) ein Nutzer sein könnte. Thomas Krause (CDU) ärgert sich in diesem Zusammenhang darüber, dass mit diesem Wissen ein höherer Verkaufspreis hätte erzielt werden können. Kathrin Jung (SPD) indes freut sich, das die Immobilie nunmehr eine neue Nutzung erhält. Auf Nachfrage bei der Bafa heißt es: „Um die schnelle und effiziente Zusammenarbeit in der Bafa-Außenstelle weiter zu verbessern, plant das Bafa mittelfristig einen Neubau in Weißwasser.“ Noch ist unklar, wo und wie die Behörde ihren neuen Sitz erhalten wird.
Gegenwärtig wird die Sparkasse an der Bahnhofstraße noch umgebaut, sind Räumlichkeiten am Grundbuchamt an der Carl-Friedrich-Gauß-Straße sowie an der Berliner Straße angemietet worden.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 27.05.2021


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Aktualisierung: 29.05.2021


Die Gelsdorfhütte in Weißwasser ist nur noch ein Ruine. Die Stadt wird nun Eigentümer – auch des Geländes zwischen Jahn- und Forster Straße.
© Foto: Ch. Köhler