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Stillstand und Neubeginn in der Telux

Die Wiederaufnahme der Glasproduktion in dem Osram-Stammwerk hängt in der Warteschleife. Und doch geht was.

Von Thomas Staudt



Die Telux Spezialglas GmbH wird die Produktion von Glas vorerst nicht wiederaufnehmen. Wie Geschäftsführer Andreas Nelte gegenüber SZ sagte, kann die Schmelzwanne nicht wie geplant im Oktober in Betrieb gehen. Als Grund nannte er Verzögerungen bei dem bisher nicht bekannten Investor. Die in Sachsen beheimatete Firma beabsichtigt – in einer Koproduktion mit der Telux und mit Unterstützung der Sächsischen Aufbaubank – Glas für unterschiedliche technische Anwendungen aus den Bereichen Automobil, Luftfahrt und Elektro zu produzieren. Worum es sich im einzelnen handelt wurde bisher nicht bekannt. Die Investition bezifferte Nelte auf insgesamt eine Million Euro. Mit einem Teil des Geldes soll das 2008 stillgelegte Werk 2 in Betrieb genommen werden. Dazu sollten 18 Mitarbeiter gemeinsam mit dem Jobcenter und der Rodig Ausbildungs GmbH auf die künftige Arbeit vorbereitet werden. Wann der Startschuss tatsächlich fällt, ist unklar. „Alles, was wir für die Realisierung des Projekts tun können, tun wir auch“, versicherte Nelte. Alles Weitere stehe nicht in seiner Macht.

Die Traditionsfirma wurde 1880 am jetzigen Standort an der Straße der Einheit gegründet. In den 1920er Jahren avancierte sie durch Aufträge aus Berlin zum Osram-Stammwerk. Schon damals lag der Fokus auf der Produktion von Glaskolben für die Leuchtmittelindustrie. Nach der Wende übernahm Andreas Nelte 1992 das Werk zunächst im Auftrag der Treuhand, dann, ein Jahr später, ganz. Ein schwieriger Neuanfang, der jedoch gelang. Ein herber Rückschlag bedeutete die Einstellung der Produktion von Bildröhren 2008. Das Aus war einem Technologiewandel geschuldet. Bildröhren waren nicht mehr gefragt. Stattdessen kamen Flachbildschirme in Mode. In der Folge musste das gesamte Werk 2 geschlossen werden. Den bisher letzten Tiefpunkt bildete 2013 die Einstellung der Glaskolbenproduktion aufgrund der Billigkonkurrenz aus Fernost.

Geschäft mit Glasgemischen läuft

Seit einem Umbau der Firma konzentriert sich das Geschäft auf die Herstellung von Glasgemischen. Die Bereitung von Rohstoffen bildet das Basisprodukt für die Glasproduktion. Die Mitarbeiter des zentralen Gemengehauses arbeiten im Schichtbetrieb. Hauptabnehmer ist Docter Optics. Das Unternehmen aus Neustadt an der Orla in Thüringen fertigt Linsen für Autoscheinwerfer und ist führend auf dem Weltmarkt. Die Telux erwirtschaftet nach eigenen Angaben in diesem Segment einen Umsatz von zehn Millionen Euro jährlich. Derzeit arbeiten 38 Beschäftigte in der Telux. Durch die Verzögerungen bei dem neuen Projekt waren Veränderungen jedoch unumgänglich. Von den vorsorglich ausgesprochenen Entlassungen sind nach SZ-Informationen über zehn Mitarbeiter betroffen, vor allem aus den Servicebereichen, wie Elektrik oder Schlosserei. Sobald das Projekt anläuft, sollen die Mitarbeiter eine neue Chance bekommen.

Gießereiservice nimmt Arbeit auf

Ein Lichtblick ist die Vermietung einer leerstehenden Produktionshalle an die Sachsener Gussbearbeitung & Gießereiservice GmbH (S.G.G.). Die Firma ist eine Neugründung der Basibüyük Unternehmensgruppe. Hauptsitz ist Mülheim-Kärlich bei Koblenz. Ein großes Firmenschild mit dem Buchstabenkürzel im Innenhof des Telux-Geländes kündet seit geraumer Zeit von dem Neuanfang. In dieser Woche nun nahm der Gießereiservice die Arbeiten auf. Die ersten Gussteile kamen per Lkw von der Keulahütte aus Krauschwitz. Richtig losgehen soll es nach Auskunft des Geschäftsführers Gökhan Basibüyük dann in der kommenden Woche. Zwischen der Keulahütte und der Basibüyük Unternehmensgruppe besteht seit 2010 eine Zusammenarbeit.

Gemeinsame Schnittmenge beider Unternehmen ist die Spezialisierung auf Guss. Während bei der Keulahütte die Produktion unter anderem von Druckrohrformstücken, Hydranten, Absperrschiebern und -klappen Kerngeschäft ist, sind es bei Basibüyük die damit verbundenen Folgearbeiten. Bei der hundertprozentigen Tochter SGG in Weißwasser werden die Gussteile aus Krauschwitz in Arbeitsboxen entsandet und von Verstärkungen und Graten befreit. Außerdem werden Form- und Gießfehler korrigiert. Die Arbeitsprozesse bestehen vor allem aus Schleifen und Strahlen. Die entstehenden Schleifstäube werden nach eigenen Angaben umweltgerecht entsorgt. Die zunächst 30 Arbeitsplätze sollen zügig auf 75 Stellen wachsen. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die Zusammenarbeit funktioniere, sagte Andreas Nelte.

Zur Basibüyük Unternehmensgruppe gehört neben dem Stammbetrieb in Mühlheim-Kärlich ein zweites Werk in Kirchheim (Hessen), außerdem Consulting-, Personalvermittlungs- und Immobilienfirmen. Kunden sind unter anderem der Druckmaschinenhersteller Heidelberg und die Luitpoldhütte in Amberg in der Oberpfalz.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 27.09.2014


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 01.10.2014


 

Noch 2012 wurde die Schmelzwanne in der Telux Spezialglas GmbH erneuert. Heute ist sie aus und die Produktion von Glaskolben eingestellt. Seitdem hat sich das Unternehmen auf die Herstellung von Glasgemengen spezialisiert.
Foto: SZ-Archiv/A. Schulze