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Älteste Glashütte Weißwassers kurz vor dem Einsturz
Landesamt lockert Denkmalschutz für die Gelsdorfhütte / Dringender Handlungsbedarf

VON
Daniel Preikschat
 


Das älteste Zeugnis der Industriegeschichte Weißwassers ist akut einsturzgefährdet. Um zumindest den Kernbestand der Gelsdorfhütte zu retten, hat das Landesamt für Denkmalpflege in Dresden jetzt ein Zeichen gesetzt.

Denkmalschützern aus Dresden, Niesky und Weißwasser blutete am Donnerstag das Herz. Sie hatten sich Zeit genommen, die Gelsdorfhütte an der Forster Straße in Weißwasser genau in Augenschein zu nehmen. Das Fazit nach der Visite, an der zwei Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalschutz in Dresden, einer der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Görlitz, Günter Segger von der Denkmal-Kommission Weißwasser und Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) teilgenommen hatten, war ernüchternd: Das Gebäude, von dem aus in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts die rasante industrielle Entwicklung der Stadt ihren Ausgang nahm, "ist in einem absolut prekären Zustand", schätzt Landesamt-Referent Lutz Finkler ein.

Überzogene Forderungen

Das Dach des Fabrikgebäudes sei größtenteils eingestürzt. Damit haben die markanten Giebel mit den zeittypischen Schmuckelementen Halt verloren und drohen abzukippen. "Es ist fünf vor zwölf, um wenigstens noch den wertvollsten Teil der Gelsdorfhütte noch zu retten", so Finkler Nur noch auf diesen wertvollsten Teil, die Fabrik selbst samt Schornstein und eingeschossigem Anbau, werde sich künftig der Denkmalschutz erstrecken. Darauf, so Finkler, habe man sich bei dem Vor-Ort-Besuch geeinigt. Die Nebengebäude, die sich bis weit in die Tiefe des Grundstücks erstrecken, könnten nun theoretisch abgerissen werden.

In einem nächsten Schritt müsste jetzt der Eigentümer initiativ werden, sagt Finkler. Idealerweise die Stadt Weißwasser. Sie könnte die Ruine sichern und für Besucher zugänglich machen. Mit dem Bahnhof samt Glasmacher-Brunnen und Glasmuseum in unmittelbarer Nachbarschaft könnte ein regelrechtes Industrie-Denkmalviertel entstehen.

Die Stadt ist zwar nicht der Besitzer der Gelsdorfhütte, liebäugelt aber mit dem Erwerb, sagt Oberbürgermeister Pötzsch. Bemühungen mit den Besitzern zu verhandeln, verliefen bisher jedoch wenig erfreulich. Die gegenüber der Stadt Weißwasser aufgemachten Forderungen seien völlig überzogen gewesen. Bei den Besitzern handele es sich um die beiden ehemaligen Geschäftsführer der Lausitzer Glaswerke Weißwasser GmbH. Sie sind 1996 mit dem Unternehmen in die Pleite geschlittert, nachdem sie es erst 1992 erworben hatten. Den Großteil der Insolvenzmasse hatte damals Stölzle übernommen. Ein kleinerer Teil, inklusive der Gelsdorfhütte, ging zurück an die beiden Hamburger.

Grundschuld und Kontamination

Wie Denkmalschützer Finkler hofft auch Pötzsch, dass die große Identifikation gerade der älteren Weißwasseraner mit der Gelsdorfhütte öffentlichen Druck auf die Besitzer aufbaut und sie verhandlungsbereiter macht. Auch bei einem günstigen Kaufangebot allerdings müsste die Kommunalaufsicht grünes Licht geben, so Pötzsch. Wenn das passiert, wären weitere Probleme zu lösen. Die Fläche ist mit Grundschulden belastet, außerdem sei sie kontaminiert. Mit einem guten Konzept, so der OB, ließen sich aber Fördermittel sichern.

Eine andere Frage ist, ob die Stadträte derzeit einem Kauf zustimmen würden. Der Oberbürgermeister ist sich da nicht sicher. Die finanzielle Situation der Stadt sei angespannt. Es werde jeder Cent zwei Mal umgedreht.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 27.10.2012


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Aktualisierung:
29.10.2012


 

Die Fabrik-Giebel drohen abzukippen, nachdem das Dach schon eingestürzt ist.
Foto: D. Preikschat