Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Weihnachten bleiben die Holzpantinen im Schrank
Glaskalfaktor Verona Gröschner blickt auf ein turbulentes Jahr zurück

VON Sascha Hache



Gewimmel auf dem Marktplatz - der Stadtverein hat zur Fahrt ins Blaue eingeladen. Und Verona Gröschner ist in ihrem Element. Schon von weitem ist ihr flottes Mundwerk zu hören.

„Und wenn ich mal nicht rede, kann man den Glaskalfaktor am Klappern seiner Holzpantinen erkennen. Denn Klappern gehört zum Handwerk“, erzählt die 48-Jährige schmunzelnd.
Die gebürtige Weißwasseranerin ist seit fünf Jahren zu einem unverkennbaren Aushängeschild ihrer Heimatstadt und als „Botschafterin der Oberlausitz“ einer ganzen Region geworden. Aber wer oder was ist eigentlich ein Glaskalfaktor?
„Ein Glaskalfaktor war für das Wohl des Glasmachers zuständig. Damit es diesem am Glasbrandofen an nichts mangelte, brachte ihm der Glaskalfaktor alles was der Arbeiter brauchte, zum Beispiel Essen und Trinken oder auch Werkzeug.“
Seit 2003 schlüpft Verona Gröschner in diese Rolle, um Touristen „zu dienen“ und die Schönheit des Neißelandes näher zubringen. Die Anfänge in der Tourismusbranche liegen aber schon etwas länger zurück. „2000 haben wir bei der Aktion ‘Die Lausitz rollt an’ unsere Heimat einmal drei Wochen in Wiesbaden präsentiert. Viele Leute in den Altbundesländern wissen fast gar nichts über die Lausitz.“
Bei der gelernten Binnenhandelsökonomin, die sich später als Marketingfachfrau weiterbildete, machte es sprichwörtlich „Klick“: „Warum nicht einfach einen historischen Vertreter unserer Stadt spielen, der Touristen oder sogar Einheimischen bekannte und weniger bekannte Kleinode der Region zeigt? Meine gute Freundin Monika Kirchhoff war Ideengeber und ‘Geburtshelfer’ für die Rolle des Glaskalfaktors.“ Durch gute Kontakte zum Verein „Lausitzer Glasring“ und zum Förderverein des Glasmuseums kam auch schnell das typische Outfit zusammen.
Blaue Arbeitshosen, Glasmacherhemd, Holzpantinen und eine fesch aufgesetzte Arbeitsmütze sind seitdem zum Markenzeichen der Weißwasseranerin geworden.
Besonders auf das Hemd ist sie stolz: „Das ist ein richtiges Original, bei dem noch VEB Lausitzer Glas auf der Vorderseite steht.“
Über das Projekt „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ (LOS) wurde Verona Gröschner, die zwischenzeitlich von Sozialhilfe lebte, für den Start im Tourismusgewerbe fit gemacht.
2008 war für die umtriebige Weißwasseranerin ein turbulentes Jahr - Sprung in die Selbständigkeit, Aufbau der Touristinfo in Weißwasser und Installation eines neuen Flyer-Info-Systems für rund 300 Ausflugsziele waren zu bewältigen.
Noch nicht einmal zum Plätzchen backen ist Verona Gröschner dieses Jahr gekommen. „Weihnachten wurde bei mir diesmal etwas stiefmütterlich behandelt. Die Feiertage und die Zeit um den Jahreswechsel herum werde ich mich aber voll und ganz der Familie widmen. Eine kleine Träne werde ich sicherlich verdrücken müssen, meine Tochter ist zurzeit zu einem Praktikum in Manchester. Dafür werde ich mit meinen Söhnen viel Zeit verbringen. Ein Spieleabend oder gemeinsam ‘Drei Haselnüsse für Aschenbrödel’ schauen ist schon fest geplant.“
Und was kommt beim „Glaskalfaktor“ zu Weihnachten auf den Tisch? „Heiligabend traditionell Omas Kartoffelsalat. Ganz vernarrt bin ich auch in die ‘Schlesischen Mohnklöße’, die Oma früher machte - nur leider fehlt mir da das Rezept.“
Ungewohnt still und nachdenklich wird Verona Gröschner, wenn sie an ihre Auftritte im Wuschel-Kostüm - dem Maskottchen der Waldeisenbahn - in der Weihnachtszeit denkt.
„Kinder schreiben noch Wunschzettel oder singen Weihnachtslieder. Vieles davon geht aber verloren, wenn es schon im September eine Weihnachtsmann-Inflation gibt“, kritisiert die dreifache Mutter die zunehmende Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes.
„Wenn Kinder zur Weihnachtszeit mit leuchtenden Augen vorm Wuschel stehen und Sachen erzählen, die sie  nicht mal ihren Eltern sagen würden - dann sind das für mich die schönsten Momente. Kinder träumen noch oder glauben an den Weihnachtsmann. Die Erwachsenen müssen eigentlich neidisch darauf sein. Denn wir haben scheinbar vergessen, wie das geht...“ 

Quelle: Wochenkurier, Ausgabe Weißwasser, vom 22.12.2008


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 27.12.2008


 


Viele Menschen um sich herum - da ist Verona Gröschner als Glaskalfaktor absolut in ihrem Element.
Foto: gs