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Fundstück:
Zwei wertvolle Doktorarbeiten kehren zurück
Die Tochter von Bruno Schweig vermachte dem Glasmuseum Weißwasser die beiden Dokumente.

Von Werner Schubert


Als ich vor einigen Tagen das Päckchen von Ingrid Kluger aus Haifa aufschnürte. hatte ich gleich zwei Fundstücke in der Hand: die Dissertation ihres Vaters Bruno Schweig, der 1917 mit der "Reindarstellung des Skandiums" an der Berliner Universität promoviert hatte. Darunter lag die ihres Onkels Martin, der 1903 mit der "Differentiation der Magmen" seinen Doktorhut bekam. Wie mir Dr. Schelinski versicherte, habe er sich einige Stunden mit den Arbeiten beschäftigt. Das Interesse des Glasfachmannes ist verständlich, denn beide Autoren haben Grundlagenforschung betrieben, die auch für die Glasindustrie einschlägig war. Das ist beim Thema "Magmen" offensichtlich, ist doch der Glasfluss ein Magma. Sein Bruder Bruno hatte sich mit der Bearbeitung des Scandiums auf die Suche nach Stoffen begeben, die für die Metallwendel in der Glühlampe geeignet schienen. Wir können annehmen. dass der Vater dazu beigetragen hat, dass seine Söhne nicht die Betriebswirtschaft, sondern naturwissenschaftliche Fächer wählten, weil er der Ansicht war, dass die Zukunft der Glasindustrie vom technischen Fortschritt abhängig sei. Sein Sohn Martin, der 1906 die "Doktorhütte" in der Schmiedestraße übernahm. richtete im Finanzplan seines Werkes ein Forschungskonto ein und führte Versuche durch, um die Glasschmelze mit Elektroenergie zu rationalisieren. Das schlug damals fehl. Dieser Misserfolg soll zu seinem Selbstmord 1903 beigetragen haben. Dr. Bruno Schweig, den die Nazis 1937 aus Deutschland vertrieben, flüchtete mit Familie nach England und entwickelte sich zu einem europaweit gefragten Spezialisten für die Spiegelherstellung.
 
Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, 28.06.2011


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Aktualisierung: 29.06.2011