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Holländer machen Angebot in Döbern
Eigentümer der Glasmaschine sieht Zukunftschancen und will selbst einsteigen

Von Christian Taubert


Razzia bei Cristalica in Döbern (Spree-Neiße). Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs des Subventionsbetrugs. Rechtsstreit um jene Glasmaschine, die seit fast zwei Jahren nicht mehr produziert. Angebot der holländischen Eigentümer der Glasmaschine, in Döbern selbst Glas zu produzieren.

Für den Geschäftsführer der Cristalica GmbH in Döbern Lutz Stache gab es in der Vorwoche überraschenden Besuch. Die Staatsanwaltschaft Cottbus hat im Zuge ihrer Ermittlungen wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug die Geschäfts- und Wohnräume von Cristalica sowie des Geschäftsführers durchsucht (die RUNDSCHAU berichtete). Dabei wurden Unterlagen sichergestellt.

Die Ermittlungen waren die Folge eines Widerrufsbescheides, den die Investitionsbank Land Brandenburg (ILB) im Frühjahr an Cristalica gerichtet hatte. Das heißt: Die Förderbank sah die Bedingungen, an die die Vergabe von 4,5 Millionen Euro Fördermittel geknüpft war, nicht mehr erfüllt. Glasproduktion findet aus deren Sicht am Traditionsstandort nicht mehr statt. Gegen den Bescheid hatte Stache zunächst Widerspruch eingelegt, der abgelehnt wurde.

Der erfolgreiche Lausitzer Unternehmer hatte Döbern im Jahre 2009 übernommen. Um den Standort für die Glasproduktion zu retten, schloss er mit der Magic Marble Productions B.V. (Niederlande) eine Kooperationsvereinbarung zur Überlassung einer vollautomatischen Produktionslinie für die Herstellung von Vollglasmurmeln mit einer Figur aus Keramik im Inneren sowie zur Herstellung definierter Glasnuggets. Damit konnte die Schmelzwanne der Cristalica GmbH, die den Mittelpunkt der Heißglasproduktion bildete, wieder angefahren und genutzt werden. Nachdem diese Kooperationsvereinbarung im Juni 2014 seitens der Magic Marble gekündigt wurde, begab sich Lutz Stache in einen Schadenersatzstreit, verwehrte dem Vertragspartner die Herausgabe der Maschine.

Im Frühjahr 2016 entschied das Landgericht Berlin, dass Cristalica die Maschine, die mehr als eine Million Stück je Monat herstellen kann, an Magic Marble herausgeben muss. Wenngleich inzwischen von beiden Seiten gegen das Urteil – wegen der zu verhandelnden Schadenersatzansprüche – Berufung eingelegt wurde, gehen die Holländer trotzdem auf Stache zu. Wie Geschäftsführer Theo Wanders auf RUNDSCHAU-Nachfrage erklärt, habe man Interesse daran, in Döbern selbst als Glasproduzent einzusteigen.

Wanders sagt zwar unmissverständlich: "Bedauerlicherweise ist unser damaliges Ansinnen, nämlich eine langfristige gemeinsame Produktion mit der Cristalica GmbH zu gestalten, als gescheitert anzusehen." Als Grund dafür nennt er "fundamental unterschiedliche Wahrnehmungen und Interpretationen des geschlossenen Vertrages und dessen Umsetzung seitens der Cristalica GmbH".

Gegenüber der RUNDSCHAU macht Wanders aber auch deutlich, dass seine Gesellschaft für die Lieferung, Montage und Implementierung der Glasmaschine in den bestehenden Produktionsalltag bei Cristalica allein fast 200 000 Euro aufgewandt habe. "Deshalb liegt uns viel daran, dass die Maschine vor Ort verbleibt und in Döbern produziert wird", verweist der Geschäftsführer auf ein entsprechendes Angebot an Lutz Stache. Die Holländer machen zugleich deutlich, dass dafür grundsätzliche Änderungen der gesellschaftsrechtlichen und produktionstechnischen Rahmenbedingungen am Standort Döbern notwendig seien.

Diese Offerte hat der holländische Investor unterbreitet, weil Döbern aus seiner Sicht als Standort viele Wettbewerbsvorteile besitzt, "die bisher nicht ansatzweise ausgeschöpft und erschlossen wurden". Dabei würden insbesondere das vorhandene Produktions-Know-how und die vorliegenden Produktionsmöglichkeiten nach Bundesimmissionsschutzgesetz große Wettbewerbsvorteile sein.

Trotz des zweijährigen Stillstandes der Glasproduktion sieht Magic Marble für Döbern durchaus realistische Zukunftschancen. Die Vielfältigkeit der Produktmöglichkeiten, "die allein mit unserer vollautomatischen Produktionslinie möglich ist, würde zumindest eine Grundauslastung der vorhandenen Schmelzwanne gewährleisten". Die Märkte seien dafür, wie auch für die Herstellung von Nuggets/Glasmurmeln, die als interessantes Produkt und weiterzuverarbeitender Rohstoff gelten, vorhanden, versichert Wanders.

Zu dem Potenzial, was Döbern besitzt, werden von dem Magic- Marble-Chef das Know-how und die fundierte Ausbildung in der Glasindustrie vor allem bei älteren Mitarbeitern gezählt. Die Holländer gehen zurzeit von mindestens 25 bis 30 Arbeitsplätzen im Vollzeitschichtbetrieb an ihrer vollautomatischen Produktionslinie aus.

Der holländische Geschäftspartner hat mit einem an Lutz Stache gerichteten Übernahmebegehren für den Gesamtstandort unterdessen einen außergerichtlichen Ausweg aus dem ewigen Rechtsstreit mit Perspektive für den Glasstandort Döbern aufgezeigt. Eine RUNDSCHAU-Anfrage an den Cristalica-Geschäftsführer, wie es mit der defekten Glasmaschine weitergeht und welche Lösung er für die Glasproduktion in Döbern sieht, verweist er lediglich darauf, dass er die Firma Cristalica nicht verkaufen werde.

"Das Antwortschreiben der Cristalica GmbH konnte aus unserer Sicht nur als Ablehnung unseres Übernahmebegehrens interpretiert werden", erklärt Theo Wanders der RUNDSCHAU und fügt hinzu: "Unter Berücksichtigung des Inhaltes des Antwortschreibens müssen wir annehmen, dass es seitens der Cristalica GmbH keine ernsthafte und seriöse Auseinandersetzung mit unserem Übernahmebegehren gegeben hat. Danach bleibt uns nur noch", erklärt Wanders, "dass wir die Maschine nach Rechtsgültigkeit des Urteils abbauen und an unseren Produktionsstandort nach Frankreich verbringen."

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 28.06.2016


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Aktualisierung:
29.06.2016


 

Glaspyramide Döbern: Das Herz der Cristalica GmbH sollte eigentlich in der Glasproduktion schlagen. Doch dort steht eine Glasmaschine seit fast zwei Jahren still.
Foto: Ch. Taubert