Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
G
lasmuseum Weißwasser !

Museum

Service

Mitgliederbereich

Glasmuseum bekommt seltene Vasen
Ein Privatmann hat dafür Spenden gesammelt. Nun wurden die reich verzierten Stücke übergeben.

Von Irmela Hennig


Das gab es noch nie. Da entdeckt ein Weißwasseraner historisch bedeutende Vasen aus Weißwasser. Die passen hervorragend in die Sammlung des Glasmuseums. Doch weil die Einrichtung nicht genug Geld hat, um die Vasen zu kaufen, sammelt der Entdecker die nötigen Gelder gleich selbst ein. Bei Unternehmen wie den Stadtwerken und bei Einheimischen. 2 420 Euro kamen zusammen. Und am Mittwochvormittag konnte Arnim Haenelt drei sogenannte Arsall-Vasen an das Glasmuseum übergeben.

Arnim Haenelt, 63 Jahre alt, ist „ein Weißwasser-Urgestein“, hat jahrelang auf dem Bau gearbeitet und sammelt selbst Glas. Vor einiger Zeit lernte er in einem Oldenburger Antiquitätenladen zufällig einen der Vasenbesitzer kennen. Eine Familie, die aus Weißwasser stammt, aber nach 1945 weggezogen war – mit den reich verzierten Vasen. Die Familie jedenfalls fragte nach bei Armin Haenelt, ob es in Weißwasser nicht Interesse gebe an den besonderen Stücken. So kam eins zum anderen. Ein Vierteljahr lang sammelt der Weißwasseraner Geld für den Ankauf. „Erst ging es gut los, dann stockte es ein bisschen. Aber dann hatten wir die Summe zusammen“, erinnert sich der Engagierte.

Die Vasen haben Seltenheitswert. Denn sie wurden nur von 1918 bis 1929 bei den Vereinigten Lausitzer Glaswerken hergestellt. Die Technik der Arsall-Gläser stammte ursprünglich aus dem französisch-lothringischen Raum. Sogenannte Überfanggläser – das waren zwei oder mehr farblose oder farbige Glasschichten – wurden mit geätztem Dekor verziert. Bei den Vereinigten Lausitzer Glaswerken, wo „Arsall“ ein geschütztes Warenzeichen war, kamen meist Blumen, Blätter, Ranken, aber auch Landschaften, Burgen und Figuren auf Vasen, Flakons und Lampenschirme. In den 1920er Jahren waren die Kleinode begehrt. Bis nach Brasilien sind sie gekommen. Möglicherweise war die Weltwirtschaftskrise schuld daran, dass die Produktion zum Erliegen kam. Da kann Arnim Haenelt nur mutmaßen. Heute sind die Arsall-Produkte wieder begehrt. Haenelt hatte erst im Frühling verfolgt, wie eine Lampe mit Arsall-Schirm bei einer Auktion für 3 600 Euro wegging. Anderswo als auf Auktionen seien die Werke kaum noch zu finden.

Insofern ist der Ankauf mithilfe von Spenden ein Glücksfall für das Glasmuseum. Das weiß auch Horst Fasold, Vorsitzender des Museumsfördervereins. „Die Vasen sind eine wertvolle Ergänzung unserer Sammlung“, so Fasold. Die wird im Obergeschoss des Hauses an der Forster Straße gezeigt. 20, 25 Vasen, Flakons und Lampenschirme sind ausgestellt. Darauf zu sehen ist unter anderem die Wartburg von Eisenach oder auch eine Harfenspielerin.

Für Museumsleiterin Elvira Rauch sind Schenkungen nichts Ungewöhnliches. Einen Fall wie den aktuellen hat sie aber noch nie erlebt. Bisher haben Besitzer dem Museum Glas direkt überlassen, zum Beispiel, weil sie es an einem guten Ort wissen wollten. „Sodass es nicht in einem Privathaushalt verschwindet“, erzählt Elvira Rauch. So ist zum Beispiel eine wertvolle schlanke Bleiglasvase ins Haus gekommen.

Oft genug ist es aber so, dass Eigentümer ihren Besitz verkaufen wollen, sagt Horst Fasold. Dafür fehle dem Museum meist das Geld. In dem Fall sei es dank Arnim Haenelt und den Spendern anders gelaufen. Alle will der Verein ins Museum einladen. Denn einige Geldgeber kennen zwar das Haus, waren aber noch nie drin.
 
Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 28.07.2016


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
28.07.2016


 

Arnim Haenelt hat dem Glasmuseum Weißwasser am Mittwoch drei Arsall-Vasen überreicht. Er hatte für den Kauf zuvor Spenden gesammelt.
Foto: J. Rehle