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Neufert-Bau wird eine Herkulesaufgabe

VON Christian Köhler
 


Die Weißwasseraner Stadtgeschichte ist eng mit dem Neufert-Bau verbunden. Immerhin wurde es für die Glasindustrie errichtet und diente als Zwischenlager der Glasprodukte, die in alle Welt gingen.

Das im Bauhausstil von Ernst Neufert 1935 bis 1936 errichtete Lagerhaus allerdings ist in sehr schlechtem Zustand. Davon haben sich am Donnerstag Bundestagsabgeordnete Caren Lay und Landtagsabgeordnete Karin Kagelmann (beide Linke) in Weißwasser überzeugt. "Für die Gebäudesicherung und Schließung der Hülle rechnen wir mit Kosten von etwa 400 000 Euro", erklärt Gregor Schneider vom Neufert-Bau Verein. In der Summe sind Arbeiten am Dach, der Fassade und den Fenstern enthalten. Die nötigen Eigenmittel für die Sicherung, die für Ende diesen Jahres, "spätestens für 2018" vorgesehen ist, könne der Verein mit seinen 13 Mitgliedern jedoch nicht selbst aufbringen, so Schneider.

Der Trägerverein unter Vorsitz von Professor Holger Schmidt hat es sich seit seiner Gründung 2015 zur Aufgabe gemacht, das ehemalige Glas- und spätere Konsumlagerhaus zu sichern und wieder zu beleben. "Ideen für eine Nutzung gibt es viele", berichtet Gregor Schneider. Von einer Ausstellung mit Fundstücken aus dem Tagebauvorfeld Nochten bis hin zur Wiederbelebung als Lagerhaus sei alles möglich. "Ziel ist es aber, bis 2019 einen Infopunkt hier eingerichtet zu haben", erläutert Gregor Schneider. Immerhin wird in dem Jahr das 100. Gründungsjubiläum des Bauhauses gefeiert. Und Ernst Neufert (siehe Info) steht dabei ebenfalls im Mittelpunkt.

Eine Chance für Weißwasser und die Oberlausitz, wie Caren Lay einschätzt. "Denn es schlummern viele Industriedenkmäler bei uns, deren Potenziale endlich geweckt werden müssen." Die sächsische Staatsregierung jedoch, so kritisiert die Linken-Abgeordnete, konzentriere sich viel zu sehr auf die Großstädte und vernachlässige den ländlichen Raum. Caren Lay verspricht indes, sich nach Fördermöglichkeiten für den Neufert-Bau zu erkundigen. Darüber hinaus wolle sie gern weitere Baudenkmäler wie das Weißwasseraner Volkshaus oder die Gelsdorfhütte besuchen. "Wir wünschen uns kein Entweder-oder sondern ein Sowohl-als-auch", sagt Gregor Schneider mit Blick auf viele Gebäude in Weißwasser, die dringend Geld für eine Sanierung bräuchten.

Zum Thema:
Ernst Neufert (1900 - 1986) war Schüler von Walter Gropius, dem Gründer des Bauhauses. Gropius zählt damit zu den Mitbegründern der modernen Architektur. Ernst Neufert selbst war Architekt, arbeitete von 1936 bis 1944 für die Vereinigten Lausitzer Glaswerke. Für Weißwasser entwarf er das Lagerhaus an der Schmiedestraße sowie das Direktorenwohnhaus Dr. Kindt (heute Bautzener Straße). Neufert entwarf Fabrikanlagen in Weißwasser, Tschernitz und Kamenz. Neuferts "Bauentwurfslehre" zählt noch heute zu den Standardwerken für Normung und Bauplanung.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 28.07.2017


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Aktualisierung:
29.07.2017


 

Mitglieder des Trägervereins Neufert-Bau Weißwasser erklären der Bundestagsabgeordneten Caren Lay und der Landtagsabgeordneten Karin Kagelmann (beide Linke) den Aufbau des Gebäudeinneren.
 Foto: Ch. Köhler