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Neue Ideen für den Neufert-Bau
Die Linke bildet in Weißwasser eine starke Lobby für das Volkshaus, interessiert sich aber auch für andere Denkmale

VON THOMAS STAUDT


Die Sicherung des Lagers der ehemaligen Vereinigten Lausitzer Glaswerke Weißwasser (VLG) hat oberste Priorität. stellte Caren Lay am Donnerstag fest. Das Gebäude ist kein x-beliebiges. Besser bekannt unter der Bezeichnung "Neufert-Bau", benannt nach seinem Schöpfer, dem Architekten Ernst Neufert, steht es in bester Bauhaus-Tradition. Auch Caren Lay ist nicht irgendwer. Sie sitzt für Die Linke im Bundestag und besuchte nun Weißwasser, den Ehrlichthof Rietschen und das Wachsmannhaus in Niesky.

Der Neufert-Bau braucht dringend Hilfe, wenn verhindert werden soll, dass das Gebäude in sich zusammenfallt. Das Dach ist vielleicht noch zur Hälfte erhalten, die Stahlkonstruktion marode. .Mich wundert, dass es bisher keine eigenständige staatliche Initiative zum Erhalts des Baus gibt", so Lay nach ihrer Besichtigungstour. Ihr Interesse an dem Gebäude kommt nicht von ungefähr. Die stellvertretende Fraktions- und Parteivorsitzende ist auch Sprecherin für Mieten-, Bau- und Wohnungspolitik. Nicht weiter verwunderlich also, dass die Politikerin bei einer möglichen künftigen Nutzung an Wohnungen dachte. Aber auch eine kulturelle Nutzung mit Tanzveranstaltungen unterm Dach könnte sie sich vorstellen.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Den ersten Schritt machte ein vor wenigen Jahren gegründeter Förderverein. Mit Hilfe einer Fotoaktion lenkten die derzeit 13 Mitglieder zunächst die öffentliche Aufmerksamkeit auf das historisch bedeutsame Industriegebäude zwischen Bahnlinie und Polizeirevier. Private Stifter sponserten den Druck von Bildern bekannter Weißwasseraner Persönlichkeiten im Großformat. Die Abzüge zieren auch heute noch Fenster des Neufert-Baus, Inzwischen ist es gelungen, einen Erbbaurechtsvertrag mit dem Potsdamer Eigentümer abzuschließen. Diese rechtliche Grundlage ermöglichte die Entfernung von Anbauten. So entstand Platz für Neues, ein wenig Gastronomie vielleicht oder ein Open-Air-Kino. Das Löbauer Projekt "Topographie der Bauten der Modeme", kurz: Topomomo, führt den Neufert-Bau als Besichtigungspunkt aufs einen Touren durch die Lausitz, Polen und Tschechien. In dieselbe Richtung zielt das n Cottbus und Wroclaw (Breslau) ansässige Institut für Neue Industriekultur. Forschungen sollen bis 2019 im Rahmen des vom Bund geförderten Projekts .Baukultur und Tourismus" die Möglichkeiten ausloten, den Neufert-Bau zu einer Tourismusdestination zu entwickeln. Caren Lay hält das für eine gute Idee. "Wenn man etwa an die Zeche Zollverein denkt und an die Anziehungskraft, die davon für die Region ausgeht." Das ehemalige Steinkohlebergwerk in Essen ist mittlerweile Unesco-Weltkulturerbe und zieht jährlich Tausende von Touristen an.

Obwohl der Neufert-Bau überregional längst nicht mehr unbekannt ist, ringt der Förderverein in Weißwasser um Anerkennung für das Gebäude. "Wir müssen gegen das Ruinen-Image kämpfen", so Gregor Schneider vom Förderverein. Eine Ursache für die Vorbehalte könnten auch die Summen sein, die für den Erhalt und die Entwicklung nötig sind. Einer Schätzung zufolge liegen die Kosten allein für die Schließung der äußeren Gebäudehülle im mittleren sechsstelligen Eurobereich. Mittel könnten dafür aus dem Förderprogramm Stadtumbau-Ost fließen. Allerdings braucht: der Förderverein dazu eine Kofinanzierung.

Chancen wollte die Linken-Stadträtin Gudrun Stein im Stadtentwicklungskonzept (SEK) erkennen. "Wenn es 2018 fortgeschrieben wird, müsste der Neufert-Bau mitaufgenommen werden." Sie und ihre Parteikollegen im Stadtrat setzten sich bisher vornehmlich für den Erhalt des älteren Volkshauses ein. Ein Konflikt? "Vielleicht brauchen wir ein Konzept, in dem alle Industriebauten in Weißwasser berücksichtigt sind", regte Gudrun Stein an. Und damit auch die Gelsdorfhütte oder die Telux, und natürlich das Volkshaus. Das will sich Caren Lay beim nächsten Besuch ansehen.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 28.07.2017


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Aktualisierung:
01.08.2017


 

Kathrin Kagelmann und Caren Lay von den Linken mit Steffen Müller und Gregor Schneider vom Neufert.Förderverein (jeweils v. li.) vor dem Lagergebäude des Baushaus-Architekten Ernst Neufert. Die Bundestagsabgeordnete Caren Lay setzt sich für den Erhalt des Gebäudes ein.
Foto: Th. Staudt