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 Ehrengrab für Weißwassers Gründervater

Von MARTINA ALBERT


Der Industrielle Joseph Schweig (1850 – 1923) bekommt eine Ehrengrabstätte auf dem Friedhof in Weißwasser. Das hat der Stadtrat Mittwoch einstimmig beschlossen. Schweig, der als Begründer der Stadt Weißwasser gilt, ist der Dritte, dem die Ehre zuteil wird.

Für Günter Segger, den Vorsitzenden der Denkmalkommission, ist es das richtige Zeichen, die Grabstätte von Weißwassers einzigem Ehrenbürger nun zur Ehrengrabstätte zu widmen. Die Denkmalkommission hatte im März im Zuge der Wiedersichtbarmachung des Jüdischen Friedhofs den Antrag auf Zuerkennung einer Ehrengrabstätte für Schweig gestellt. Bei Ehrengrabstätten übernimmt die Stadt Pflege und Erhaltung. »Es ist eine besondere Ehre, aber auch Pflicht für die Stadt«, so Segger.

Bislang wurde sie nur der Bildhauerin Dorothea von Philipsborn (1894 - 1971) und dem Glaswerker Joseph Tudyka (1908 - 1976), der 1945 eine Jüdin versteckt und so vor dem Tod rettete, zuteil. Tudyka bekam einen extra Ehrengrabstein. Für Joseph Schweig wird es keinen gesonderten Stein geben. Sein Name findet sich bereits auf dem Grabstein, der auf dem Jüdischen Friedhof aufgestellt wurde. Eine Tafel wird künftig darauf hinweisen, dass sich dort die Ehrengrabstätte befindet. Die Ehrung Schweigs sei längst fällig, so Segger. »Ich bin froh, dass der Stadtrat dafür gestimmt hat.«

Der jüdische Unternehmer und demokratische Politiker (er war Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei) gilt als Vater des industriellen Aufschwungs in Weißwasser. Er übernahm Ende des 19. Jahrhunderts mehrere marode Kohlegruben und Glashütten, die er zum Erfolg führte. 1899 gründete er die »Neuen Oberlausitzer Glashüttenwerke Joseph Schweig & Co.«, die 1920 in den Osram-Konzern eingegliedert wurden. Die in den Jahren zuvor von ihm gegründeten Hütten bestanden ebenfalls weiter, so dass Weißwasser nach 1900 der Ort in Europa war, in dem die meisten Glashütten und Glasmacher arbeiteten. Auch in Weißwassers Kommunalpolitik war Joseph Schweig aktiv, zudem gründete er die erste freiwillige Feuerwehr. Auch für eines der Weißwasseraner Wahrzeichen ist er verantwortlich: Zum Gedenken an die Toten des 1. Weltkrieges ließ er 1922 den Glasmacherbrunnen aufstellen.

Im September wurde der Jüdische Friedhof wieder eingeweiht – auf dem Grabstein ist auch Schweig genannt. 


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 27.10.2010


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Aktualisierung: 28.10.2010


 

Joseph Schweig - Vater des industriellen Aufschwungs in Weißwasser