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Lausitzer Glaskunst wird präsentiert
Sonderausstellung im Neuen Schloss in Bad Muskau vereint Arbeiten von 23 Gestaltern

Von
REGINA WEISS



Für die neue Ausstellung "Das schönste Glas der Lausitz 1947 – 1975" haben sich zwei Jäger und Sammler zusammengetan. Siegfried Kohlschmidt aus Cottbus und Richard Anger aus Hoppegarten haben einen guten Blick und den richtigen Riecher, wenn es darum geht, gläserne Schätze zu heben. Diese kann sich nun der Gast im Neuen Schloss in Bad Muskau bis Ende Januar anschauen.

Das letzte Stück für die neueste Sonderausstellung im Muskauer Schloss ist erst kurz vor ihrer Eröffnung erworben worden. Bei einem Hallentrödler in Görlitz fällt Richard Anger eine Vase ins Auge. Es ist eine Vase, die einst Wilhelm Wagenfeld designt hat. "Der Händler hatte keine Ahnung", muss Richard Anger schmunzeln. Das Schnäppchen passt bestens in eine der ersten Vitrinen zur Ausstellung "Das schönste Glas der Lausitz 1947 –1975", die nun zum Bummeln ins Neue Schloss im Muskauer Park einlädt.

Bogen geschlagen

Mit dem Schaffen von Wilhelm Wagenfeld für die Lausitzer Glaswerke in Weißwasser fängt die neue Schau thematisch an. So wird der inhaltliche Bogen gleich in mehrfacher Hinsicht geschlagen. 2012 wurden die neuen Sonderausstellungsräume im Schloss mit einer Schau über das Werk des Bauhausschülers und Glasdesigners Wagenfeld eingeweiht. Auf dessen Ideen baute so mancher Nachfolger auf. Außerdem lernten sich durch jene Wagenfeld-Schau Siegfried Kohlschmidt und Richard Anger kennen. Kohlschmidt, der Cottbuser Historiker und Sammler aus Passion, hatte ein Weinservice in der 2012er-Schau Wagenfeld-Nachfolger Friedrich Bundtzen zugeschrieben. Richard Anger – mit Westbiografie, wie er selbst sagt und seit 2000 vernarrt in DDR-Design – schaute sich die Muskauer Ausstellung an und erkannte den Fehler. Das Weinservice hatte nicht Bundtzen, sondern der Weißwasseraner Manfred Schäfer erdacht.

Was mit einer E-Mail begann, endet nun in einer Sonderausstellung. "Es war Fügung", nennt es Anger. Relativ schnell entstand die Idee, sich für eine Schau zusammenzutun. Denn man ergänze sich bestens, erfährt die RUNDSCHAU von den beiden Jägern und Sammlern. Nicht nur im Geiste, sondern bei den gefunden Schätzen, die jeder sein Eigen nennt. "Er hatte genau das, was ich nicht hatte", so Kohlschmidt. Dankenswerterweise, so der Cottbuser, habe sich die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau angeboten, die Ausstellung in ihren Räumen zu zeigen.

Dort kann man nun die Werke von 23 Gestaltern sehen, die sich gläserne Schönheiten für den Hausgebrauch und/oder nur fürs Auge ausgedacht, aufs Papier gebracht haben und die später in den Glasfabriken der Lausitz hergestellt wurden. Zu sehen sind unter anderem Arbeiten aus Fabriken in Weißwasser, Bernsdorf, Rietschen, Schwepnitz und Döbern. Ganz selbstbewusst, sagen beide Sammler, dass eine Schau entstanden ist, die man so noch nie gesehen hat und so schnell nicht wieder sehen wird. "Wir hauen mal so richtig auf die Pauke", unterstreicht Kohlschmidt. Deshalb habe man sich auch zu diesem Ausstellungsnamen entschlossen. "Es ist sogar das allerbeste Glas", findet Richard Anger ganz selbstbewusst.
Lausitzer Glaskunst wird präsentiert Das formschöne Komplettset Julia aus Gläsern, Porzellan-Service und Besteck war die Zier jeder Festtafel. Foto: Regina Weiß

Dieses hat ganze Generationen begleitet. Die einen bei ihrer Arbeit, die anderen in ihrem täglichen Leben. Mit Service Elke kam in Tausenden Familien Kirsch- oder Pflaumenkompott auf den Tisch. Aus dem Bowle-Gefäß Romanze schmeckte die Ananasbowle noch mal so gut. Auf Kuchenplatte Diana wurde die Kirsch-Sahne-Torte serviert und die roten Römerkelche waren eine Zier jeder Plattenbau-Durchreiche.

Besonders stolz sind Kohlschmidt und Anger, dass sie komplette Tischgarnituren zeigen können. Ein Beispiel ist Julia, wofür Glas-, Porzellan- und Besteckdesigner zusammengearbeitet haben. Ein Hingucker ist auch die von Friedrich Bundtzen erdachte Kelchserie Form 1525, die ab 1971 für die Porzellanmanufaktur Meißen geschaffen wurde, um deren Speiseservice zu komplettieren. Zu diesem Zeitpunkt war Bundtzen schon nicht mehr Chef der Werkstatt für Glasgestaltung, sondern hatte nur noch einen Schreibtischjob im VEB Verpackungsglas in Weißwasser. Vorher hatte er viele Jahre mit zahlreichen Mitwirkenden in der Werkstatt für Glasgestaltung sehr schöpferisch tätig sein können. Richard Anger schreibt im Katalog zur Ausstellung, dass das große Verdienst Bundtzens darin besteht, dass seine Entwürfe Zurückhaltung übten und er Material und Werk treu geblieben sei. Schon als Rentner kam ihm in der DDR noch eine große Ehre zuteil. Er wurde 1980 mit dem Designpreis ausgezeichnet. "Preise musste man sich verdienen, anders als Orden, die man manchmal hinterher geschmissen bekam", erklärt Siegfried Kohlschmidt diese wichtige Auszeichnung.

Museen kauften

Entwürfe aus Weißwasser wurden nicht nur bei den Messen in Leipzig präsentiert, sondern auch bei den regelmäßig stattfindenden Kunstausstellungen in Dresden. "Dort kauften die Museen bereits ein", weiß Kohlschmidt. Ein Glücksfall für die heutige Zeit: Was die beiden Ausstellungskuratoren nicht hatten, konnte über Leihgeber beschafft werden.

Denn das Archiv der Werkstatt für Glasgestaltung ist seit deren Auflösung in Weißwasser nicht auffindbar, bedauert Anger. Dafür ist er an anderen Stellen fündig geworden, beim Online-Auktionshaus Ebay. Dort konnte er gezeichnete Glas-Entwürfe erwerben. Der Verkäufer hatte sie nach seinen Angaben aus der Mülltonne gefischt.

Zum Thema:

Zur Ausstellung ist ein Katalog entstanden. Darin sind nicht nur die Exponate der Schau aufgelistet, sondern es gibt zwei Fachbeiträge von Richard Anger über das "Schönste Glas der Lausitz". Siegfried Kohlschmidt schreibt über seine Begegnungen mit Friedrich Bundtzen. Der Katalog kostet 14,50 Euro und ist im Tourismuszentrum des Neuen Schlosses erhältlich.Die Ausstellung kann bis zum 31. Januar besichtigt werden. Sie hat täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Im Dezember und Januar von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt in die Sonderschau plus Turmbesteigung kostet drei Euro pro Person.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 28.10.2014


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Aktualisierung: 28.10.2014


 

Die Kuratoren der Ausstellung: Richard Anger und Siegfried Kohlschmidt (r.). Nicht alle gesammelten Werke konnten sie den entsprechenden Designern zuordnen. Bei einer Vitrine ist deshalb das Wissen der Besucher gefragt.
Lausitzer Glaskunst wird präsentiert.
Das formschöne Komplettset Julia aus Gläsern, Porzellan-Service und Besteck war die Zier jeder Festtafel.
Die Vasen wurden von Friedrich Bundtzen in der Werkstatt für Glasgestaltung Weißwasser geschaffen.
Fotos: R. Weiß