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Lebenslange Leidenschaft für Glas
Wagenfeld-Ausstellung in Weißwasser eröffnet. Tochter des Künstlers zu Gast.

VON MARTINA ALBERT



110 Jahre alt würde Glasgestalter Wilhelm Wagenfeld am 15. April dieses Jahres werden. 
Ihm zu Ehren zeigt das Glasmuseum in Weißwasser jetzt eine Sonderausstellung, die am Freitag eröffnet wurde. Als besonderer Gast war Wagenfelds Tochter Meike Noll-Wagenfeld aus der Schweiz nach Weißwasser gekommen.

Viele Erinnerungen an Weißwasser hat Meike Noll-Wagenfeld nicht. Mit vier Jahren zog sie aus der Stadt fort, in der ihr Vater Wilhelm Wagenfeld seit 1935 künstlerischer Leiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke war. Und doch hat Weißwasser für die 66-Jährige etwas ganz Besonderes.

In der Sonderausstellung, die bis zum 13. Juni zu sehen ist, zeigt das Glasmuseum viele zusätzliche Exponate, die es von der Wagenfeldstiftung aus Bremen leihweise zur Verfügung gestellt bekommen hat.

„Schließlich hat mein Vater hier meine Mutter kennen gelernt“, erzählt sie. Auch die Großmutter hat sie zu DDR-Zeiten noch in Weißwasser besucht. Außerdem sei Weißwasser die beruflich wichtigste Periode für ihren Vater gewesen. So spricht Wagenfeld 1960 in einem Brief an Walter Gropius der Stadt ein großes Lob aus: „Nach dem Kriege habe ich allerdings nirgendwo wieder so viel Zustimmung und so viel freie Entscheidung haben können wie bei meinem Tun in Weißwasser.“

Und so war nicht nur Weißwasser wichtig für Wagenfeld, sondern umso mehr auch Wagenfeld für Weißwasser, wie Hans Schaefer vom Förderverein des Glasmuseums in seiner Laudatio betonte. Wagenfeld gelang es, die besten Glasarbeiter von seinen Ideen zu überzeugen und zu begeistern – so schuf er unter anderem die Rautenglaslinie, die 1937 einen Grand Prix auf der Pariser Weltausstellung gewann. Unter Wagenfelds Einfluss entwickelte sich die Stadt zu einem der bedeutendsten europäischen Glaszentren. „Glas aus Weißwasser war präsent“, so umschreibt Hans Schaefer Wagenfelds Wirken in der Stadt.

Kein Wunder, dass Wagenfeld sehr hohe Ansprüche an die Arbeit seiner Glasmacher stellte. Mit einer Anekdote belegte Hans Schaefer dies. So habe Wagenfeld einmal 300 Lobenstein-Kelche zertrampelt, weil diese offenbar nur halbherzig bearbeitet waren. Zu den Arbeitern sagte er, wie auch seine Tochter am Freitag bestätigte: „Wir haben dafür gesorgt, dass Sie hohe Löhne kriegen, und jetzt machen Sie Pfusch wie für irgendwelche Krämer.“

Eine ganze Anzahl an Zitaten, die ihr Vater über Weißwasser gesagt hat, hatte Meike Noll-Wagenfeld herausgesucht, um sie anlässlich der Ausstellungseröffnung zum Besten zu geben. Damit kam die Juristin, die über 30 Jahre lang für die Vereinten Nationen arbeitete, einem Wunsch von Weißwassers Oberbürgermeister Hartwig Rauh zuvor, der ihr als Gastgeschenk unter anderem eine Glasfeder mit Tintenfass schenkte – verbunden mit der Bitte, alles niederzuschreiben, was sie über ihren berühmten Vater und sein Wirken in Weißwasser, das bis nach dem Zweiten Weltkrieg reichte, noch weiß und dieses der Stadt zukommen zu lassen.

In der Sonderausstellung, die bis zum 13. Juni zu sehen ist, zeigt das Glasmuseum viele zusätzliche Exponate, die es von der Wagenfeldstiftung aus Bremen leihweise zur Verfügung gestellt bekommen hat. „Wir haben zu jeder Schaffensperiode Exponate angefordert und bekommen“, freut sich Museumschefin Elvira Rauch. Sie hofft nun auf zahlreiche Besucher, die sich vom Werk einer der berühmtesten Persönlichkeiten Weißwassers verzaubern lassen.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom  29.03.2010


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E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
29.03.2010


 

Weißwassers Oberbürgermeister Hartwig Rauh mit Meike Noll-Wagenfeld, der Tochter Wilhelm Wagenfelds, während der Ausstellungseröffnung in Weißwasser.
 Einige Gläser aus der Serie Lobenstein, die Wagenfeld entwarf. 
Fotos: M. Albert