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Sichtziegelbau mit deutschem Band


In Teltow-Fläming gibt es etwa 1000 Baudenkmale sowie über 1400 bekannte Bodendenkmale. Das Kalenderblatt April des Denkmalschutzkalenders widmet sich der "Neuen Hütte" im Museumsdorf Glashütte.

Die Denkmalschutzbehörde Teltow-Fläming stellt das jeweilige Denkmal des Monats etwas näher vor, um den Blick des Betrachters einmal mehr für bewahrenswerte Bauten der Region zu schärfen.

Inmitten des bewaldeten Baruther Urstromtals befindet sich etwa zehn Kilometer südöstlich der Stadt Baruth/Mark das heutige Museumsdorf Glashütte. 1716 beauftragte Graf Friedrich Sigismund zu Solms-Baruth den Lieberoser Glasmachermeister Bemsdorf mit der Leitung einer neu zu errichtenden Glashütte. Er bekam dafür ein sieben Hektar großes Areal zugewiesen. Hintergrund war der infolge von Sturmschäden in den gräflichen Wäldern angefallene Holzreichtum. Hier wohnten bis zu 500 Menschen und produzierten jährlich bis zu einer Million Lampenschirme aus Glas.

Glashütte ist das am geschlossensten und ursprünglichsten bewahrte Beispiel einer industriedörflichen Anlage des 19. Jahrhunderts im Land Brandenburg. Damit hat das Museumsdorf eine herausragende städtebauliche und siedlungsgeschichtliche Bedeutung. Der Komplex aus Hüttenwerk, zugehörigen Nebengebäuden, Wohnstätten der Beschäftigten sowie Bauten der örtlichen Infrastruktur blieb in seiner Gesamtheit erhalten. Die älteren Wohngebäude lassen mit ihrer Anordnung um großzügige, begrünte Platzräume eine bewusste Planung erkennen. Auch die Einbettung in die umgebende Landschaft hat sich unverfälscht, ohne jüngere Erweiterungen und "Ausfransungen" bewahrt. Damit lässt sich auf eine heute auch sonst in Deutschland seltene Weise das Aussehen eines Gewerbestandorts abseits der Städte nachvollziehen.

Im Zuge der Industrialisierung, die auch Glashütte erreichte, wurde 1861 die "Neue Hütte" errichtet (Hüttenweg 21). Veränderungen erfolgten während der 1950er-Jahre mit dem Ein- bzw. Anbau von 13 Kühlöfen. Die meisten von ihnen wurden in den 1990er-Jahren wieder entfernt und die ursprünglichen Fensterformen wieder hergestellt. Dennoch blieben beispielhaft einzelne der Kühlöfen in der Mitte der südlichen Längsseite erhalten.

Beim Gebäude der "Neuen Hütte" handelt sich um einen großen, eingeschossigen zur Straße hin traufständigen roten Sichtziegelbau. Er hat ein steiles Satteldach mit einer erneuerten Biber-Kronendeckung und Lüftungsaufbau. Unter der Traufe verläuft ein Zickzackfries, das so genannte "Deutsche Band", wie man es von der Backsteingotik kennt. Die Giebelseiten werden durch Ecklisenen eingefasst und sind mit fünf Rundbogenfenstern sowie einer Rosette in der Giebelspitze versehen.

Im Zentrum der großen Produktionshalle mit dem offenen Dachraum stehen die Öfen und die Arbeitsbühne aus den 1950er-Jahren. Der industrielle Charakter manifestiert sich im Dachraum mit einer doppelt stehenden Stuhlkonstruktion und den kräftigen Spannriegeln und Schrägstreben. Mit dem Aufschwung im 19. Jahrhundert und dem Bau der "Neuen Hütte" wurde zusätzlicher Wohnraum benötigt. Es entstanden – ebenfalls noch in Ziegelfachwerk, jedoch mit ausgebautem Drempel und flachgeneigten Pfettendächern – die Bauten Hüttenweg 2 bis 4.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 29.04.2017


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Aktualisierung:
03.05.2017


 

"Neue Hütte" im Museumsdorf Glashütte – einst Produktionsstätte für Lampenschirme aus Glas, heute ein attraktives Ausflugsziel inmitten der Natur.
Foto: Landkreis Telwto/Fläming