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Bunte Geschichten aus der Gläser-Produktion
Manfred Schäfer präsentiert Episoden-Buch "Es war einmal …"

VON Daniel Preikschat


Vor 30 interessierten Gästen hat Manfred Schäfer, ehemaliger Betriebsleiter bei den Oberlausitzer Glaswerken, sein Erinnerungsbuch aus dem Arbeitsleben präsentiert. Die Episoden haben viel Lokalkolorit, erzählen aber auch ein Stück DDR-Zeitgeschichte.

Es hatte etwas von einem Kollegen-Stelldichein am gestrigen Freitagnachmittag im Ratssaal. "Ein schönes Buch" wurde getuschelt. "Er kommt wirklich so rüber, wie er damals war, fleißig und akribisch." Mit "er" war Manfred Schäfer gemeint, der am Kopfende des Saals saß und tat, was wahrscheinlich gar nicht notwendig gewesen wäre – sich kurz vorzustellen. Jeder wusste vermutlich, dass der heute 77-Jährige in den 1960er-Jahren zunächst Mitarbeiter in der Glasgestaltung war, später dann in verschiedene Leiterpositionen "gedrängt" wurde, wie er selbst sagte.

Manfred Schäfer sprach danach mehr über Sinn und Zweck des Buchs als über dessen Inhalt. 140 Jahre Glasindustrie dürften nicht in Vergessenheit geraten. Den vielen verdienten Kollegen, deren bemerkenswerte Leistungen nach der Wende nichts mehr galten, habe er Gesicht und Stimme geben wollen.

Spaß am Lesen und Kritik

Auch über die Art und Weise seines Schreibens sagte der ehemalige Betriebsleiter bei den Oberlausitzer Glaswerken etwas. "Ostalgisch" schreibe er, weil er nun mal von hier sei. Und: "Ich bin kein Literat, das ist keine Weltliteratur." Womit Schäfer sicher recht hat. Was er in seiner nüchternen Sprache schreibt, ist dennoch lesenswert, manchmal amüsant, manchmal sogar hoch spannend. Den Kampf gegen die Bürokratie der Planwirtschaft, die Schäfer zum ständigen Improvisieren zwang, beschreibt er ebenso authentisch wie den Spaß mit Kollegen am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Zahlreiche Fotos und Originaldokumente wirken belebend und beglaubigend.

Einige der Anwesenden im Rathaussaal schienen das Buch bereits ganz oder teilweise gelesen zu haben. Das Glasmuseum hatte die 35 Episoden bereits auf seine Internetseite gestellt. So wusste Eveline Hubatsch, ehemals Geschäftsführerin der Lausitzer Glaswerke GmbH, dass sie auf den 150 Seiten 17 Mal namentlich erwähnt wird. Allerlei Interna finde sie in dem Buch ausgeplaudert, das sie amüsant findet und bei dessen Lektüre sie manchmal sogar Tränen hätte vergießen können. Eine Kritik hatte sie jedoch anzumelden. Die beiden Herren aus dem Westen Deutschlands, die nach der Wende die Oberlausitzer Glaswerke in die Insolvenz geführt haben, kämen bei Schäfer zu schlecht weg. Ohne sie hätte es nie die 50 Millionen Euro von der Treuhand gegeben, die zumindest zum Teil in das Glaswerk investiert worden seien. Die Jahre 1992 bis 1995 seien eine wichtige Übergangszeit gewesen, in der die Glashütte modernisiert und so erst für Stölzle interessant geworden ist.

1800 Exemplare gedruckt

Hans Schaefer vom Glasmuseum wiederum dankte dem Autor für einen Meinungsbeitrag in seinem Buch. Manfred Schäfer hatte sich dafür ausgesprochen, das Museum in der Villa in der Forster Straße zu belassen. An diesen geschichtsträchtigen Ort gehöre es einfach hin.

Das Buch "Es war einmal …" ist in einer ersten Auflage von 1800 Exemplaren gedruckt worden. Die Kosten wurden über das Bundesprogramm "Zusammenhalt durch Teilhabe" abgedeckt. Daher können Interessierte das Buch im Glasmuseum, in der Bibliothek und Tourismusinfo kostenlos bekommen.
 

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 28.09.2013


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Aktualisierung: 29.09.2013


 

Foto: D. Preikschat