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Die neue Zeit in Tschernitz

VON CHRISTIANE KLEIN


Der Neuanfang in Tschernitz (Spree-Neiße) ist weithin sichtbar: Mit drei roten Ringen und ihren Initialen GMB hat die Glasmanufaktur Brandenburg GmbH am Kopf des hohen Schornsteins ein deutliches Zeichen gesetzt. Seit Anfang September werden in dem ehemaligen Fernsehglaswerk von 164 Mitarbeitern täglich rund 300 Tonnen Flachglas für die Solarindustrie hergestellt. Wenn sich der Markt positiv entwickelt, dann soll die Produktion schon bald erweitert werden. Das kündigte Ulrich Frei, Geschäftsführer des Investors Interfloat Corporation aus Liechtenstein, am Mittwoch an.

Die Luft über der Arbeitswanne flimmert. Orange-glühend wird das flüssige Glas unter den Augen von Andreas Ruhland und Klaus Kuschel in Form gewalzt. Die beiden sind die Hitze gewöhnt. Kuschel hat vorher bei Glasherstellern in Döbern und Weißwasser gearbeitet, jetzt ist er Schichtleiter bei der GMB. Für Ruhland ist der Job eine Art Heimspiel: Elf Jahre lang habe er bei Samsung als Maschinenführer gearbeitet, erzählt er. Nun produziert er Solar- statt Fernsehglas. Wie der 36-Jährige haben viele der heutigen GMB-Beschäftigten schon früher in der Tschernitzer Anlage gearbeitet. Insgesamt stammten 138 der 164 Mitarbeiter aus der Samsung-Belegschaft, erklärt Volker Henzel, Geschäftsführer der neu gegründeten Glasmanufaktur. Zudem seien einige ehemalige Beschäftigte von den Samsung-Dienstleistern Securitas und Logica zurückgeholt worden.

Für sie alle beginnt mit der Produktion von Flachglas für Solarmodule und thermische Kollektoren eine neue Zeit. Denn das Geschäft mit der Sonnenenergie gilt als Zukunftsbranche – und so stehen die Zeichen auch in Tschernitz auf Wachstum. Die Investoren setzten ein Signal für ganz Brandenburg, betont Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU). "Neue Akzente in einer der derzeit innovativsten Branchen unserer Zeit lassen unser Land zu einem der wichtigsten Energiepartner der Solarproduktion werden", so der Brandenburger Minister. Rund 50 Millionen Euro wurden nach Angaben der Interfloat Corporation in den vergangenen Monaten bereits in den Standort investiert. Davon seien 18 Millionen Euro Fördermittel.

Zweite Linie geplant

Bald könnte noch mehr Geld fließen. Bis zum Jahr 2010 sollen sowohl die Produktionskapazität als auch die Anzahl der Arbeitsplätze verdoppelt werden. Schon im nächsten Jahr könnte der Bau eines Gebäudes für eine zweite Produktionslinie starten, die dann 2010 in Betrieb gehen könnte, so Geschäftsführer Ulrich Frei. Insgesamt würden am Standort zwischen 70 und 100 Millionen Euro investiert, wenn die zweite Anlage gebaut wird. Ob gebaut wird, hänge aber maßgeblich von der Entwicklung des Marktes ab, unterstrich Frei mit Blick auf die aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten, die Solarglas-Konkurrenz aus Fernost und die künftige Förderpolitik. „Ohne die aktuell unsichere Wirtschaftsentwicklung wäre die Entscheidung für die neue Beschichtungsanlage schon gefallen“, versichert der Geschäftsführer, betont aber: "Wir haben hier am Standort einiges vor."

Die möglichen Investitionen betreffen auch Veredlungstechniken wie eine Anlage zur Glasbeschichtung. "Wir denken außerdem über einen Offline-Zuschnitt nach", sagt Volker Henzel. So könnte das Glas nach individuell gewünschten Maßen und Formen zugeschnitten werden. "Wenn ein Kunde zum Beispiel eine Herzform bestellt, könnten wir die dann liefern", erklärt Henzel.

Neuer Job in der Region

Noch geht das Glas rechteckig zum Kunden – und bekommt vor der Auslieferung von Mitarbeitern wie Steffen Kisza in der Kaltverarbeitung den letzten Schliff. Der 41-Jährige hatte 1996 im Fernsehglaswerk angefangen – und trägt noch heute den Samsung-Schriftzug auf der blauen Arbeitshose. Er sei froh, dass er am Standort eine neue Stelle gefunden hat und in der Region bleiben kann, sagt er.

Auch wenn er und seine Kollegen sich mit dem Glasmachen bestens auskennen: Mit Arbeitsschritten wie dem Walzen, Schneiden, Schleifen und Veredeln hatten sie als ehemalige TV-Glas-Produzenten nichts zu tun. "Wir haben vieles lernen müssen, seit wir die neuen Anlagen am 3. September angefahren haben", erzählt Henzel. Schließlich soll am Ende die Qualität stimmen. Denn Solarglas muss wesentlich mehr aushalten als eine normale Fensterscheibe. Eine der Prüfungen, die die Produkte überstehen müssen, ist der Hageltest: Dabei wird aus etwa zwei Metern Höhe eine golfballgroße Eisenkugel auf das wenige Millimeter dünne Glas fallen gelassen. "Bei unserem Solarglas hinterlässt das keine Spuren", sagt Henzel. Er klingt zufrieden.

Quelle: Lausitzer Rundschau, vom 30.10.2008


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Aktualisierung: 02.11.2008