Lausitzer Glas? Glas aus Weißwasser?
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Der engste Vertraute im Kinderzimmer

Von Thoralf Schirmer


Es hatte fast etwas von der Stimmung des Bescherungsabends, als sich am Freitagabend gegen 18 Uhr die Schiebetüren zum großen Ausstellungssaal des Glasmuseums Weißwasser öffneten . . .
 
Die Lichter am geschmückten Weihnachtsbaum leuchteten, und nicht nur Kinderaugen glänzten beim Anblick einer freundlich-brummeligen Teddybären-Hundertschaft, die sich rund um den Baum, auf Schaukelpferden, mit Schlitten im Gepäck oder einfach nur gemütlich in den Vitrinen „herumlümmelnd“ versammelt hatte. Selbst Weißwassers Heimathistoriker Werner Schubert erinnerte sich da wieder an seinen eigenen Plüschbären. Gelb sei er gewesen, weiß er noch, aber irgendwann zwischen Kindheit und Jugendzeit war er verlorengegangen. Die elfjährige Stefanie Lübke aus Weißwasser dagegen hätte in einem solchen Fall reichlich Ersatz. Fasziniert zog der erklärte Teddy-Fan mit der Kamera ihres Handys durch den Raum, um ihrer Bären-Sammlung daheim auch noch einige fotografierte Exemplare hinzufügen zu können. Ihre Teddys nehmen schon einen ganzen Teil des Kinderzimmers ein, und zwei davon hat sie, wie sie verrät, sogar selbst gebastelt: „Das war ganz schön schwer, aber es hat Spaß gemacht.“ Lernen kann man so etwas im Unterricht bei Simone Pietsch. Die Lehrerin aus Weißkeißel hat die knuddeligen Spielkameraden aus Plüsch und Stoff zu ihrer Leidenschaft gemacht. Was da in liebevoller Handarbeit entstanden ist, kann man nun auch in der Ausstellung im Glasmuseum sehen. Jeder Bär ist ein Unikat und hat eine eigene Persönlichkeit – anschmiegsam und flauschig mit Schleifchen im Haar oder aber lässig gelagert mit großen Füßen. „Das ist ein Bärentyp, der vor allem bei Männern gut ankommt“, weiß Simone Pietsch. Museumsleiterin Elvira Rauch sucht derweil immer noch nach der Besitzerin des erklärtermaßen ältesten Teddys der Ausstellung oder deren Angehörigen. Er stammt, wie ein Großteil der ausgestellten historischen Spielzeuge hier, aus den Beständen des Handwerk- und Gewerbemusums Sagar, ist wahrscheinlich Mitte der Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts entstanden, und hat in den Dreißigern Elfriede Kuschela aus Weißwasser gehört, wie ein Foto in einer der Vitrinen zeigt. Ihr also würde der Preis des Glasmuseums für den ältesten Teddy gebühren – ein prachtvoller Bildband. Bis er aber tatsächlich in die Hände von Elfriede Kuschela oder einem ihrer Angehörigen geraten kann, wird er nun vorübergehend im Museum Sagar aufbewahrt. Dass der Teddy nicht irgendein Spielzeug unter vielen, sondern der wohl engste Vertraute in den meisten Kinderzimmern ist, daran erinnerte Hans Schäfer in seiner Laudatio zur Ausstellung. Er begleite Jungen und Mädchen gleichermaßen über viele Jahre, werde oft sogar zum Erbstück. „Willig und ohne Murren spielte der knuddelige Geselle alle ihm zugedachten Rollen“, so Schäfer. „Als ständiger Begleiter bei Tische und gelegentlicher Verkoster der Mahlzeit, im Bettchen, als Talismann, auf Reisen, als verschwiegener Beichtvater, als stummer, aber nicht weniger nachhaltiger und lieber Tröster bei Krankheit und als Begleiter auf Roller, Dreirad und Fahrrad.“

Oft auch sei der Stoffbär das einzige Spielzeug gewesen, das Kinder in Zeiten des Krieges in den Luftschutzkeller oder auf Flucht und Vertreibung mitnehmen konnten.

Bis zum 31. Januar wird die weihnachtliche Sonderausstellung ab sofort zu den Öffnungszeiten des Museums in Weißwasser zu sehen sein.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser,  vom 30.11. 2009


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Aktualisierung:
30.11.2009


 

Niclas fühlt sich zwischen den Mischkas und Bummis wie der Hahn im Korb.
Foto: Joachim Rehle