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Weiche Spielgefährten – heiß geliebt

Von Katja Zimmermann


 
Die Beine des hellgelben Teddys sind im Vergleich zum Rest des Körpers ein wenig zu lang. Etwas traurig gucken seine bernsteinfarbenen Augen aus der Glasvitrine – als würde er an die vielen letzten Jahrzehnte denken, die er im dunklen Kleiderschrank verbracht hatte. Roland Woischnik aus Krauschwitz schaut fast liebevoll auf seinen plüschigen Spielgefährten aus längst vergangenen Kindertagen: „Als ich meine Frau kennenlernte, verschwand ,Paul‘ im Schrank. Bis dahin hatte er Freud’ und Leid mit mir geteilt.“

Gefährte nach dem Krieg

Bekommen hatte er den etwa 40 Zentimeter großen Plüschbären mit drei Jahren von der Tante. „Er war dabei, wenn ich mal Haue gekriegt habe, und mit ihm zusammen habe ich vor allem die schlimmen Nachkriegsjahre erlebt“, erinnert sich der 60-Jährige. Als seine Frau Ruth im vergangenen Sommer davon erfuhr, dass es im Glasmuseum von Weißwasser eine Teddy-Ausstellung geben würde, war sie sofort Feuer und Flamme: „Das ist doch mal etwas ganz anderes, da wollten wir den Paul der Öffentlichkeit zeigen. Die Enkel können leider nichts mehr mit ihm anfangen.“

Schon 300 hergestellt

Nach dem offiziellen Teil der Ausstellungseröffnung am Freitagabend blieben noch viele der ungefähr 60 Gäste vor den Vitrinen mit den etwa 50 Teddys auf einen Plausch stehen. So manche Kindheitserinnerung machte die Runde. So erinnerte sich die 78-jährige Inge Standfuß an ihren rosa Teddybären: „Nach dem Krieg musste ich ihn für Kartoffeln hergeben. Vater war aufs Land gefahren und hatte ihn zusammen mit Mutters Tischdecken gegen Essen eingetauscht.“ Energisch winkt sie ab: „Das war aber nicht so schlimm. Ich war 14 und bin schon tanzen gegangen.“

Unter den Gästen war auch Simone Pietsch aus Weißkeißel. Sie stellt seit etwa sieben Jahren selbst Teddys her. Einige finden sich nun in einer Vitrine des Museums wieder. Angefangen hat sie damit „aus purer Langeweile“, wie sie sagt. Jeder Plüschbär ist ein Unikat. „Insgesamt habe ich schon etwa 300 hergestellt“, verrät die Grundschullehrerin. Einer ihrer größten Fans sei eine 21-jährige Sammlerin: „Für sie wurde schon zu vielen Anlässen ein Bär bei mir bestellt. Etwa zu einer bestandenen Prüfung oder zum 20. Geburtstag.“

In der Sonderausstellung finden sich Teddys aus unterschiedlichsten Materialien und aus vieler Herren Länder. Elvira Rauch, die Leiterin des Glasmuseums, erzählt: „Doktor Müller vom Bodensee hat uns eine ganze Reihe Bären geschickt. Er bringt sich immer aus dem Urlaub welche mit.“ So sitzt der Eisbär mit norwegischer Schal-Fahne gleich in der Nähe des Koalas, der eine australische Flagge zwischen seinen Pfötchen hält.

Ein Rätsel konnte das Museum jedoch noch nicht klären: Vom ältesten Teddy der Ausstellung, einer Leihgabe aus dem Museum in Sagar, existiert ein Foto aus dem Jahr 1937 – auf der Bank sitzend mit der etwa 15-jährigen Elfriede Kuschela. Elvira Rauch bedauert, dass über die frühere Besitzerin nichts in Erfahrung gebracht werden konnte. Sie hätte sie sehr gern als Ehrengast eingeladen.

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser,  vom 30.11. 2009


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Aktualisierung:
30.11.2009