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14000 Jahre in einer Ausstellung
Im Glasmuseum Weißwasser hat eine Ausstellung eröffnet, die Fundstücke aus dem Vorfeld der Tagebaue Nochten und Reichwalde zeigt. Sie zeichnet die Besiedlungsgeschichte der Oberlausitz nach.

VON CHRISTIAN KÖHLER


Wer hat vor 14 000 Jahren eigentlich in der Oberlausitz gelebt? Wie hat sich die Besiedlung von Menschen von der Steinzeit bis heute eigentlich vollzogen? Womit haben die Menschen ihren Tag ausgefüllt? Auf all das will eine Ausstellung Antwort geben, die seit Donnerstagabend im Glasmuseum in Weißwasser zu sehen ist.

Als Wanderausstellung konzipiert

„Wir sind sehr stolz, dass wir die als Wanderausstellung konzipierte Schau zuerst in Weißwasser zeigen können“, bekräftigt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Dem kann die Leiterin des Glasmuseums, Christine Lehmann, nur zustimmen. „So etwas hat das Glasmuseum noch nicht gesehen“, sagt sie beim Presserundgang vor der Eröffnung von „Steinschläger, Pechkocher und Herzensbrecher“ in Weißwasser.

Tatsächlich sind neben zahlreichen Exponaten verständliche Einblicke in die Geschichte der Oberlausitz zu sehen. Kuratorin Dr. Cornelia Rupp vom sächsischen Landesamt für Archäologie (LfA) hat gemeinsam mit ihrem Team, Studenten der Fachhochschule Dresden sowie zwei Architekturbüros gut ein Jahr lang an der Ausstellung getüftelt. Herausgekommen ist ein äußerst informativer Rundgang durch die Jahrtausende. „Die Besiedlungsgeschichte der Region ist geprägt von Höhen und Tiefen“, berichtet die Kuratorin.

Ausgrabungen im Tagebau Vorfeld

Der Archäologe Peter Schöneburg hat in den vergangenen Jahrzehnten mit seinem Team Ausgrabungen im Vorfeld der Tagebaue Reichwalde und Nochten vorgenommen. Das Besondere an den Ausgrabungen ist, „dass es sich nicht um kleinflächige Untersuchungen handelt, sondern wir große Gebiete im Vorschnitt untersuchen konnten“, erklärt er.

Im Tagebau Reichwalde, dort, wo einst der umgesiedelte Ort Altliebel in der Nähe von Rietschen zu finden war, ist ein Wald zum Vorschein gekommen, der vor rund 14 000 Jahren in einem Moor versunken war. „Wir sind noch heute dabei, diesen zu konservieren und aufzuarbeiten“, erklärt Reinhard Kappler, der für die Konservierung und das Aufstellen der Fundstücke im Glasmuseum verantwortlich ist. Entsprechend ist ein getrocknetes Holzstück aus der Steinzeit das älteste Exponat im Glasmuseum.

Erste Spuren von Menschen in der Oberlausitz

„Die Ausstellung ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern nach Themen sortiert“, erklärt Cornelia Rupp. So wird in einem Raum etwa jene Geschichte der Altsteinzeit mit verschiedenen Ausstellungsstücken gezeigt. Zudem ist ein „Flipkino“ aufgebaut, was Fotografien auf Dias zeigt, die die Archäologen während der Ausgrabung in Altliebel gemacht haben.

Erste Spuren nämlich von Menschen in der Region finden sich zwischen Reichwalde und Nochten. Umherziehende Jäger und Sammler haben hier mit Feuersteine und unbrauchbare Abschläge liegen gelassen. „Wir haben sogar eine Feuerstelle konservieren können, die hier vor 7000 bis 9000 Jahren loderte“, berichtet Cornelia Rupp.

Eisenverhüttung

Im Speziellen widmet sich die Ausstellung auch der Eisenverhüttung, die in der Region neben Funden in der heutigen Ukraine und Rumänien einmalig ist. „Das zu zeigen ist nicht einfach, da die Brennöfen bei der Eisengewinnung zerstört wurden“, berichtet die Kuratorin. Aus Raseneisenerz, das sich knapp unter der Oberfläche befunden hat, sind früher Menschen an den Rohstoff gekommen, der sich einfach gewinnen ließ. „So ist auch zu erklären, dass die Besiedlungen nicht kontinuierlich stärker wurde, sondern Hoch- und Tiefzeiten hatte. Eben je nach dem, welche Rohstoffe gerade gefunden wurden.“

Siedlungsfund im Vorfeld bei Trebendorf

Ein weiterer Raum widmet sich der Bronzezeit, die die Archäologen anhand eines Siedlungsfundes im Vorfeld des Tagebau Nochtens gemacht haben. „Das ist ein absoluter Glücksfall für uns gewesen“, berichtet Dr. Wolfgang Ender, Referatsleiter beim LfA. Denn im Trebendorfer Vorfeld ist nicht nur eine jungsteinzeitliche Siedlung entdeckt worden, sondern auch ein Gräberfeld. Letzteres wiederum hat viel zutage befördert, was sich in Siedlungen nicht findet: Grabbeigaben. Auch die Keramik, in der die Asche der Toten gegeben wurde, sind erhalten und zu sehen.
Pechherstellung in der Oberlausitz

Auch der Pechherstellung – dafür war während des Mittelalters die Oberlausitz das europäische Zentrum – stellt ein Schwerpunkt der Ausstellung dar. „Es sind 14 Pechsiedereien ausgegraben worden. Zum Teil sind ganze Produktionsketten ausgegraben worden“, beschreibt die Kuratorin. Auch das fertige Produkt der „Pechkocher“, was damals bis nach Antwerpen zum Schiffsbau geliefert wurde, ist zu sehen – und zu riechen. Ein eigens produzierter Film veranschaulicht in der Ausstellung auch die Herstellung vom universell einsetzbaren Pech.

Fürst Pückler als „Herzensbrecher“

Grabungsleiter Peter Schöneburg hat sich zudem mit dem einstigen Jagdschloss bei Weißwasser gewidmet. Nahe dem Schloss des Fürsten Pückler – dem „Herzensbrecher“ – ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Märchensee angelegt worden. „Der See wurde damals richtig in den Lehmboden eingegraben“, erklärt Schöneburg. Und noch erhalten ist eine hölzerne Bank, auf der mutmaßlich der Fürst saß. „Hier kann man seiner Phantasie freien Raum lassen“, sagt Cornelia Rupp.

Wolfgang Ende betont unterdessen, dass ohne die gute Zusammenarbeit mit dem Tagebaubetreiber eine solche umfassende Ausstellung nicht möglich gewesen wäre. „Archäologie ist ein hartes Geschäft“, sagt auch die Kuratorin, „und die Leistung der Archäologen ist es, die Grabungen und Untersuchungen auf das Vorrücken des Tagebaus abzustimmen.“ Deren Ergebnisse sind nun in Weißwasser bis Ende März zu sehen.

Ausstellung im Glasmuseum

Die Ausstellung „Steinschläger, Pechkocher und Herzensbrecher“ ist im Glasmuseum Weißwasser vom 31. Januar bis zum 31. März zu sehen. Am Freitag öffnet das Museum einmalig von 10 bis 15 Uhr.

Darüber hinaus ist eine Vortragsreihe im Rahmen der Ausstellung angedacht, die jeweils ab 18 Uhr in der Bibliothek beginnt:

6. Februar: „Geschichte am Fluss“ – der Weiße Schöps

13. Februar: „10 000 Jahre - karge Landschaften und lebendiges Treiben“

27. Februar: „Leben und Sterben vor über 3000 Jahren“

12. März: „Germanische Tuchherstellung und Eisenproduktion vor 1800 Jahren“

26. März: „Fürst Pücklers Jagdpark im Tiergarten“

Darüber hinaus sind Führungen mit Kuratorin Cornelia Rupp am Sonntag jeweils ab 15 Uhr am 2. Februar und 29. März sowie am Mittwoch, 26. Februar und 11. März, jeweils 17 Uhr möglich.


Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 31.01.2020


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail:
info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung: 29.02.2020


Kuratorin Dr. Cornelia Rupp erklärt, wie die Ausgrabungen verlaufen sind und was im Glasmuseum zu sehen ist.
Foto: J. Rehle
 
 
 
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