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Stunde der Wahrheit für Glashütte Döbern
Letzte Angebots-Frist läuft ab / Versteigerung droht

Von Beate Möschl


Am heutigen Dienstag läuft die Frist ab: Legen die beiden potenziellen Investoren, die seit Februar im Gespräch sind, wieder kein tragfähiges Angebot zur Übernahme der Lausitzer Glashütte in Döbern (Spree-Neiße) vor, ist nichts mehr zu retten. Dann kommt der letzte eigenständige deutsche Bleikristallhersteller unter den Hammer. 

Die Versteigerung ist bereits vorbereitet. Eine im Internet veröffentlichte Liste umfasst circa 800 Positionen. Jede einzelne davon spricht Bände, erzählt von Aufbruchstimmung und Erfolgen in guten Tagen, von Nackenschlägen, die die Glasmacher wegsteckten, von Gesellschafterwechseln, die ihre Nerven häufig strapazierten, vom Trotz, mit dem sie auch mal neue Chefs auflaufen ließen, und vom einzig Beständigen: ihrer Leidenschaft fürs Bleikristall und die Glasmacherkunst.

Seit dem Verkauf des bayerischen Bleikristallherstellers Nachtmann an das österreichische Familienunternehmen Riedel im Jahr 2004 sind die Döberner die Letzten ihrer Zunft in Deutschland, die sich bis zur Insolvenz im Februar 2008 eigenständig am Markt behauptet hatten.

Für die strukturschwache Region wäre ein seriöses Sanierungsinvestment ein Segen. Die Glashütte ist als industrieller Arbeitgeber ein wichtiger Anker. Zuletzt sicherte sie 130 Glasmachern und deren Familien ein Auskommen. Deren Chancen, anderswo in ihrem Beruf Arbeit zu finden, sind begrenzt. Die Glasbranche in Europa leidet unter Überkapazitäten und massiv unter der Finanzkrise. Das erschwert auch die angestrebte Sanierung. Dass Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg und sein Döbern-Beauftragter Heiner Rubarth noch keinen Schlusstrich gezogen haben, spricht dafür, dass sie sich der Tragweite bewusst sind. Ihr konsequentes Beharren auf tragfähigen Angeboten unterstreicht das. Auch der Gläubigerausschuss zog bislang mit und genehmigte die eine oder andere Fristverlängerung, um die Versteigerung, auf die mancher möglicherweise schon lauert, zu vermeiden. Trotz oder gerade wegen offener Forderungen von 22 Millionen Euro – eine Summe, die nicht erzielbar ist, wenn alles unter den Hammer kommt.

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 31.03. 2009


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Aktualisierung:
31.03.2009


 

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Ein Glasmacher schaut durch eine frisch geblasene Glaskugel. Heute entscheidet sich, ob Bleikristall in Döbern noch Zukunft hat.
Archivfoto: ZB-Funkregio Ost