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08/15 ist nicht sein Ding
Gotthard Petrick startet nun ins nächste Galerie-Jahr in Bad Muskau

VON Regina Weiss
 


Ins Glas zu gehen, konnte sich Gotthard Petrick niemals vorstellen. Den Berufszweig fand er geradezu blöd, so dachte er als Kind. Um viele Jahre und Erfahrungen reicher, hat er seine Berufswahl als Ingenieur in der Glasindustrie nie bereut.

Am 1. April ist die Winterpause für die Galerie von Gotthard Petrick in Bad Muskau vorbei. Das vierte Jahr bietet der Diplom-Glasingenieur seine Produkte in den Räumen an der Clara-Zetkin-Straße an. Von der Laufkundschaft in Richtung Polen-Markt hat er nichts, doch dafür zieht es Urlauber, Tagestouristen in seinen Laden. "Es gibt immer mehr Wiederholungstäter. Die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert", formuliert es der 64-Jährige. Die Besucher sind oft auf der Suche nach einem besonderen Geschenk. Und da werden sie bei Gotthard Petrick fündig. Denn Nullachtfünfzehn ist überhaupt nicht sein Ding. Vielmehr spornen ihn Filigranität und meisterliches Können aus dem vergangenen Jahrhundert, nämlich von Émile Gallé, an. Ein besonders schönes Stück Glaskunst nennt Gotthard Petrick sei Eigen.

Die Initialzündung liegt allerdings schon mehr als 30 Jahre zurück. Damals hielt er eine Arsallschale in den Händen. Später bekam er sie zum 30. Geburtstag geschenkt. Daraus erwuchs eine große Begeisterung für die farbigen Überfanggläser. Wer diese Technik nicht kennt, denkt, dass die Motive auf Vasen und Schalen gemalt sind. Doch dem ist nicht so, das Glas bekommt bis zu vier verschiedenfarbige "Umhänge". Dann werden Blätter, Blüten oder grafische Muster auf verschiedene Art und Weise herausgearbeitet. Oft ist es regelrecht ein Aha-Effekt, den die Besucher haben. Das hat der Ingenieur schon einige Male in seiner Galerie erlebt. Dann sei es wichtig mit den Interessierten ins Gespräch zu kommen. "Es ist schließlich jedes Motiv, jede Farbe machbar", weiß Gotthard Petrick. Dafür hat er jahrelang auch getüftelt. Als Ingenieur für Glastechnik – seit 2006 selbstständig tätig – habe ihn die Herstellung der Produkte fasziniert. Und das im Großen wie im Kleinen. In vielen Glasbetrieben mit klangvollem Namen war er dabei, wenn es um die Einrichtung der Technik ging. Diese Akribie habe dann auch bei seiner eigenen Produktherstellung nicht nachgelassen. Stolz kann er berichten, dass er keinen Ofen mehr braucht, um die Glaskörper mit mehreren farbigen Schichten zu versorgen. Da bringe mehrer Vorteile, wovon einer die Energieeinsparung sei, erzählt Gotthard Petrick.

Als Kind wollte er "nie ins Glas gehen". "Ich fand das regelrecht blöd", erinnert er sich. Doch das Bild, das er als Kind von diesem Wirtschaftszweig hatte, sei falsch gewesen. Er habe den Schritt seiner Berufswahl nie bereut. Für ihn sei Glas heute ein universeller Werkstoff, der einem so viele Möglichkeiten der Bearbeitung eröffne. Kunden würden immer wieder staunen, wir sich das Ganze beim jeweiligen Licht verändere.

Zu den Kunden gehörte vor einigen Monaten auch ein Mann, den sich Gotthard Petrick als Nachfolger für seine Galerie vorstellen kann. "Ein absoluter Seiteneinsteiger. Aber mit viel Talent", freut er sich, ohne noch zu viel verraten zu wollen.

Übrigens gestaltet Gotthard Petrick nicht nur Vasen, Schalen oder Pokale. Wer in der Bushaltestelle am Kirchplatz sitzt, kann seine Silhouette von der Stadtkirche betrachte. Sie ist dort in einer Scheibe verewigt und rundet sozusagen die Platzgestaltung mit Kreuz, Kirchenmodell und Infotafeln ab.

Quelle: Lausitzer Rundschau, Ausgabe Weißwasser, vom 31.03.2016


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Aktualisierung:
02.04.2016


 

Blick in die Galerie
Foto: R. Weiss