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Wagenfeld lockt Tausende zu Pückler
Über 5000 Besucher waren in der Bad Muskauer Glasausstellung über den berühmten Produkt-Designer. 
Er hat bis heute Fans.

Von Frank Thümmler


Wenn man beim Auktionskaufhaus eBay nach Wagenfeld sucht, gibt es sagenhafte 1248 Treffer, Stand Dienstagnachmittag. Der Name Wilhelm Wagenfeld verkauft, noch heute. Der Bauhaus-Schüler ist eben immer noch eine Marke. Eine Sonderausstellung im Neuen Schloss des Bad Muskauer Pückler-Parks widmet sich Wagenfeld. In den ersten sechs Wochen der Ausstellung waren schon über 5000 Besucher da.

Der berühmte Produktdesigner – quasi ein „Colani seiner Zeit“ – hat Spuren in der Glasmacherstadt hinterlassen. Wagenfeld war von 1935 an künstlerischer Leiter der Vereinigten Lausitzer Glaswerke. Bei Stölzle verweist man auf die Wagenfeld-Tradition, in Weißwasser kennt jeder den Professor-Wagenfeld-Ring.

In der DDR-Zeit aber hat das neue Glaswerk in Weißwasser mit dem berühmten Namen wenig angefangen. „Wagenfeld hat bei uns nur eine geringe Rolle gespielt.“ Der das sagt, muss es wissen. Horst Gramß arbeitete ab 1957 bei den Oberlausitzer Glaswerken in Weißwasser und war hier über 30 Jahre als Gestalter und Abteilungsleiter der Musterfertigung tätig. „Wir waren immer Gestalter, Designer haben höchstens mehr Geld verdient, aber auch nichts besser gemacht“, erklärt er seine Berufsbezeichnung lachend.

In den ersten Jahre nach Wagenfelds Weggang im Jahr 1948 (erst nach Berlin, später nach Stuttgart) gestaltete Wagenfeld-Nachfolger Friedrich Bundtzen Gläser, Vasen und Schalen im Wagenfeldschen Stil – klares Glas, klare, funktionale Formen, wenig Verzierungen. Diese Dinge und alte Wagenfeld-Entwürfe wurden in den ersten Jahren nach dem Krieg noch weiterproduziert. „Dann aber hat sich das geändert. Wir mussten möglichst hohe Einnahmen mit dem Export erzielen. Und das ging nur mit veredeltem Glas. Es wurde geschliffen und auch bemalt – etwas, was Wagenfeld so nicht gemacht hätte“, erinnert sich Horst Gramß. Aus dem Gestalter sprudeln Begriffe wie „Friedhofsschliff“ (mit einer Blumenranke), „Schilf“, „Seerose“, „Spiralschliff“ und „Siebdruck“.

Und er erzählt, wie der Betrieb aus Weißwasser so rankam an die „Westaufträge“: „Unsere einzige Chance war die Leipziger Messe. Da wurden wir dann gefragt, ob wir nicht etwas für diesen oder jenen Zweck liefern könnten. Ich hab dann auf der Messe sofort einen Entwurf gezeichnet und ihn dem Interessenten gezeigt“, erinnert sich Gramß.

In schnellster Zeit wurden Holzform und erste Muster erstellt. Wenn alles gut ging, wurde danach über den Preis verhandelt, und schon startete die Serienproduktion. Wenn Gramß über sein „Sherryglas für die Franzosen“ erzählt, leuchten seine Augen wie in alten Zeiten. Nur Sherry aus einem seiner Gläser, den hat er – so gibt der 76-Jährige zu – in seinem Leben nie getrunken.

Das Thema Wagenfeld war nach einigen Jahren eingeschlafen – bis eine neue „Westanfrage“ kam. Der Weißwasseraner Betrieb fragte bei Wagenfelds wegen einer Erlaubnis an. Einen Pfennig pro Stück sollte die Lizenzgebühr kosten. Das Projekt wurde deshalb verworfen.

Erst Mitte der 80er Jahre besann man sich in Weißwasser wieder auf die alte Wagenfeld-Tradition. Die alten Schnitte waren noch vorhanden. Einige Stücke wurden nachproduziert, andere neue – gestaltet auch von Gramß – dem Wagenfeld-Stil nachempfunden. Natürlich immer mit dem Blick auf die Kosten und die technologische Machbarkeit. Gestalter und Formenmacher arbeiteten Hand in Hand. Ab 1960 wurden Becher, ab Ende der 60er Jahre Kelchgläser maschinell und damit in viel größerer Stückzahl gefertigt.

„Echte Wagenfeld-Stücke sind so aber nicht zu machen“, sagt Gramß, auch nicht von Stölzle, dem heutigen Glaswerk in Weißwasser. Auch deshalb wird ein „echter Wagenfeld“ heute hoch gehandelt. „Sehen Sie, dieses Kubus-Geschirr, diese viereckigen stapelbaren Glasbehälter dort vorn – eigentlich nur einfaches Pressglas – so etwas ist kürzlich bei eBay für 500 Euro weggegangen.“

Die Sonderausstellung „Wilhelm Wagenfeld in Weißwasser“ im Neuen Schloss Bad Muskau läuft noch bis zum 31. Oktober 2012. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet drei Euro (ermäßigt 1,50 Euro).

www.muskauer-park.de

Quelle: Sächsische Zeitung, Ausgabe Weißwasser, vom 27.07.2012


© Förderverein Glasmuseum Weißwasser e.V.
E-Mail: info@glasmuseum-weisswasser.de
Aktualisierung:
28.07.2012


 

Wagenfeld ist bis heute ein Besuchermagnet.
Eines der Wagenfeld-Objekte.
Gestalter Horst Gramß war von 1957-1990 Glasgestalter in Weißwasser. Skizzen und Ausstellungsstücke des berühmten Wagenfeld-Stil gibt es im Neuen Schloss von Bad Muskau zu bewundern.
Foto: A. Schulze